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“Ich bin jetzt nicht mehr der [Name des Kurzen]! Ich bin jetzt ein Mädchen!”
Ich frage nach: “Ah, und wie heißt du denn?”
“Ich bin ein ganz bestimmtes Mädchen! Das kennst du! Ausm Fernsehn!”
“Hmmmmmm….(ich gehe in Gedanken die Serien und Filme durch, die zur Zeit bei ihm beliebt sind) …..Pippi Langstrumpf?”
“Jaaaa!!” [glücklich leuchtende Augen und ein breiiiites Grinsen]
“Gell” ,sage ich, ” weil die so stark ist und weil die alles kann und weil ihr nie was passiert!”
“Ja!” [zufrieden guckend]
Der Große liest die Käuferinformationen auf einer Salamipackung halblaut vor sich hin. Tapfer quält er sich durch allerlei schwieriges modernes Wortgut wie “Kaliumnitrit” oder “Isoascorbinsäure” . Dann stutzt er: “Abgepackt unter Schmutzatmosphäre” – was ist DAS denn???”
Der Kurze sieht in der Küche die verwaisten Nägel, an denen vor kurzem noch zwei Adventskalender hingen. “Mama, warum hängen die Kalender da nicht mehr?” Daraufhin ich: “Weil Weihnachten ja schon vorbei ist!” Knappe Feststellung des Filius: “Jetzt ist Keinachten!”
Kaum zu fassen, jetzt ist es schon wieder 6 Monate her, dass ich nachts von seltsamen Krämpfen geschüttelt aufwachte, mich im Halbschlaf noch fragte, was ich denn bitteschön falsches gegessen hatte, das mich so plagte und dann bei der dritten oder vierten Wehe plötzlich hochschreckte und endlich realisierte: “Achso, es geht los!” Du warst ja eigentlich erst zwei Tage später dran, da solltest du per geplantem Schnitt geholt werden. Und mich beschäftigte dieser geplante Schnitt so, dass ich gar nicht mehr realisierte, dass du den Startschuss ja auch schon früher geben könntest…
Und dann, nur drei Stunden später hielt ich Dich im Arm. Ach, du warst sooo klein und weich und anschmiegsam! Wie eine kleine Schnecke klebte Dein winziger nackter Körper an meinem und schmiegte sich so vollkommen an, dass kein Blatt Papier mehr dazwischen gepasst hätte. So kuschelten wir ein paar Stunden unter einer warmen Decke und ich konnte gar nicht aufhören, dich anzusehen, dich zu liebkosen und an dir zu schnuppern.
Inzwischen bist du schon ein richtig großes Mädchen geworden! Du lachst und erzählst, wirst richtig wütend, wenn mal was nicht so klappt, wie du dir das vorstellst und kugelst durch den Raum. Nichts ist mehr sicher vor Dir! Manchmal endest du dann an einer Stelle, an der nichts Interessantes mehr zu entdecken ist und wirst ärgerlich. Dann muss ich dich zurücklegen auf deine Decke und das Spiel beginnt von neuem.
Du robbst auch schon etwas und ziehst auf dem Bauch liegend die Knie an und begibst dich in den Vierfüßlerstand oder stemmst dich sogar auf Füße und Ellbogen, so dass dein Popo weit in die Luft steht. Es sieht aus, als würdest du demnächst anfangen zu krabbeln.
Mal sehen, wie lang es dann wirklich dauert.
Deine Füße hast du auch schon vor ein paar Wochen entdeckt und freust dich jedes Mal, wenn Du beim Wickeln einen nackten Zeh in den Mund stopfen kannst – ansonsten ist das ja wetterbedingt zu Zeit leider nicht so gut möglich.
Das Prinzip “Das ist…”, “Wo ist…?” – “Da ist…!” hast du komplett verstanden. Du kennst uns Familienmitglieder mit ihrem Namen und auch die Namen neuer Personen oder Dinge lernst du schnell, so wie z.B. deine Oma oder deinen Onkel, die du in den letzten 6 Tagen oft zu Gesicht bekommen hast, seit wir hier zu Besuch sind. Sobald man dich nach dem Hund, der Oma oder dem Onkel fragt, suchst du den Raum ab, bleibst mit dem Blick an dem gesuchten Objekt hängen und freust dich, wenn du die Bestätigung “Jaa! Da ist…!” hörst.
Das Essen macht dir viel Spaß und du machst es schon richtig toll, öffnest dein kleines Schnäbelchen, wenn der Löffel kommt und isst mit viel Genuss. Inzwischen gibt es Karotten-Kartoffel-Fleisch-Mus und wenn die Portionsgröße stimmt, werden wir mit dem Nachmittagsbrei nachziehen, damit ich dich dann auch mal problemlos für ein paar Stunden abgeben kann, um mich zu erholen oder etwas mit deinen Brüdern zu unternehmen.
Dein großer Bruder liebt dich sehr und kümmert sich auch schon ab und an um dich – hält dich, fährt dich spazieren, bespaßt dich, damit die Mama zum Beispiel mal duschen oder sich um deinen anderen Bruder kümmern kann.
Deinen kleinen großen Bruder liebst du abgöttisch, auch wenn er dich leider sehr oft piesackt. Seine Grobheiten nimmst du stoisch hin und lachst ihn einfach an. Mal sehen, wann sein Herz zu schmelzen beginnt….
Auch deinen Papa vergötterst du und schäkerst schon so richtig wie eine kleine Dame mit ihm. Du liebst es besonders, wenn er dich auf dem vor die Brust gespannten EasyRider trägt und du wie ein Mechwarrior-Pilot deine Umgebung überblickst und den Papa-Bot da hin steuern kannst, wo die interessanten Dinge passieren.
Ich liebe dich so sehr, du kleine Maus! Du bist so unglaublich niedlich und freundlich, auch wenn du zur Zeit leider wieder sehr sehr erkältet bist und oft jammern musst. Ich bin sehr froh, dass du unsere Familie komplett gemacht hast! Und ich bin schon sehr gespannt auf das nächste halbe Jahr, in dem du komplett vom Baby zum Kleinkind heranwachsen wirst – zum einen kann ich es kaum erwarten, bis du herumkrabbelst, anfängst zu reden und dich an Möbeln hochziehst, zum anderen bin ich jedes Mal, wenn du eine neue Hürde gemeistert hast, ein wenig wehmütig angesichts der Tatsache, dass du ganz sicher mein letztes Baby bist und dass all diese kleinen Siege dich unwiederbringlich größer und “erwachsener” werden lassen. Umso mehr genieße ich diese Zeit mit dir!
Der Herr Minimiez ist endlich da! Herzlichen Glückwunsch schon mal vorab von hier aus! Lustig, der ET vom Herrn Minimiez war der 22.6. – da wurde unsere Mauseline geboren – und der ET der Mauseline war der 1.7. – Da haben wir mal eben getauscht, hihi!
Emma ist da, zwei Tage vor Termin.
4:57 Uhr, 3150 g, 51 cm Länge, 35 cm Kopfumfang
Alle wohlauf!
Schluck! Mein Zustand wechselt stündlich zwischen total aufgeregt, freudig-erwartend, grottenmüde, geschäftig oder panisch mit Fluchtgedanken. Es ist doch komplett anders, zu wissen, wann es losgeht! Ich kann nicht sagen, dass es besser oder schlimmer wäre, aber es ist einfach vollkommen “anders”.
Häufig fühle ich mich in diesen Tagen sehr müde und erschöpft. Mein Körper sammelt Kraft und holt sich alle Ruhe, die er brauchen kann. Ich schlafe zu allen möglichen (und unmöglichen) Gelegenheiten ein.
In manchen Augenblicken bekomme ich einfach einen Heidenrespekt vor dem, was da kommt – es ist etwas anderes, im Geburtsverlauf gesagt zu bekommen “Es geht nichts mehr, wir müssen schnippeln!” , als freiwillig zur Tür hereinzuspazieren und von sich aus zu verkünden: “Na, dann holt mal das Skalpell!”…
Zu anderen Zeiten freue ich mich einfach ganz viel sehr und arg auf unsere Mauseline und kann es kaum erwarten, sie in den Armen halten zu dürfen. Versuche mir vorzustellen, wie sie wohl aussieht, wie sie duftet, sich anhört, wie sie sich anfühlt, wie winzig und federleicht sie sein wird im Vergleich zu meinen großen Jungs…
Dann wieder würde ich am liebsten alles abblasen. Würde anrufen und der Klinik und dem Rest der Welt verkünden: “Ihr könnt mich mal, ich warte! Bis die Mauseline ganz von alleine herauskommen will!” Wenn das nicht alle Planungen wieder über den Haufen werfen würde, zig Leute beträfe, die dann doch wieder ungewiss in den Startlöchern sitzen und bangen würden, dann wäre das im Moment genau das, wonach mir wäre.
Und die meiste Zeit habe ich einfach gar keine Luft, um über all das nachzudenken, sondern wirble durch die Gegend, um alles noch in Ordnung zu bringen, bevor es losgeht. Schnell noch die abgelaufenen Bücher der Kinder in die Bücherei, Betten frisch beziehen, putzen, schrubben, Vorräte auffüllen….
Meine Güte, welch Achterbahnfahrt! Ich bin leicht angestrengt. Und der Zeiger auf der Uhr rückt unaufhörlich vor, lässt die Stunden und Tage dahinschmelzen. Das Ziel vor Augen.




