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…fühle ich mich heute. Katzenjammer-mäßig. Irgendwie wird mir gerade mal wieder alles zu viel. Es gibt so viele Baustellen, dass ich nicht weiß, wo ich zuerst anpacken soll. Und alles bleibt halbfertig oder liegt brach.

Drei Dinge plagen mich nebst dem äußerlichen Chaos besonders:

1. Ich werde den Kindern partout nicht allen gerecht

Der Große schreibt heute eine Englischarbeit, von der abhängt, ob er im Zeugnis noch eine 3 oder leider eine 4 bekommt und ich habe viel zu spät angefangen, mit ihm zu lernen, bzw. ihn zum Lernen anzutreiben. Von alleine macht er nicht viel. In vielen Fächern kommt er damit gut klar, aber Englisch ist sein Schwächelfach. Er hat Rechtschreib-Probleme, was ihn in Deutsch schon im Aufsatz immer eine Note kostet, aber im Fach Englisch eben den Kragen kosten kann, denn eine falsch geschriebene Vokabel ist automatisch eine falsche Vokabel, egal ob das Wort gewusst wurde oder nicht. :-(

Der Kurze war gestern mit dem Kindergarten auf einem Ausflug und ich habe es nicht mitbekommen gehabt, weil ich vor lauter Essensdiskussionen mit den Erzieherinnen gar nicht mehr in unser Fach geguckt hatte. So musste der Arme den ganzen Tag mit vier kleinen Schnitzelchen überstehen, die ich ihm als Ersatz für die Gemüsenuggets mitgegeben hatte, die es in der Kita zum Mittagessen gegeben hätte…. :-( Ich habe ein so schlechtes Gewissen ihm gegenüber! Das wäre mir bei meinem Großen niemals passiert! Obwohl ich arbeiten gegangen bin. Aber jetzt mit den Dreien…. zur Zeit entgleitet mir mal wieder alles!

Das zweite, was mich plagt: 

Irgendwie geht alles so schnell vorbei. Bestürzt wurde mir klar, dass der Kurze nun bald sein letztes Kindergartenjahr beginnt, er aber in den letzten beiden Jahren nie so richtig zur Ruhe gefunden hat und angekommen ist. Ich konnte mich viel zu wenig einsetzen und in der Kita geht alles drunter und drüber, seit es die ständigen Erzieherwechsel gibt bzw. viel zu wenige da sind.

So geht es mir mit vielen Dingen, insbesondere auch mit mir und meinen eigenen Bedürfnissen und auch denen unserer Beziehung. Alles kommt zu kurz, die Tage gehen in Stress, Hektik und teils miesester Stimmung rum und sind dann einfach vergangen. Vorbei. Aus. Weg. Für immer. Wann soll es denn endlich mal wieder besser werden? Wird es jemals besser? Ist nicht jeder Tag, der unterm Strich ein “blöd gelaufener” war, ein verlorener Tag? Ist das die Midlife Crisis? Meine Midlife Crisis?

Dann kommt noch etwas Drittes dazu, das mich zur Zeit sehr belastet: 

Im Moment sind die Kinder sehr fordernd.

Der Große “präpubertiert” und will alles ausdiskutieren, stellt alles in Frage, hört nicht, hat seinen eigenen Kopf, egal ob ihm das schadet oder nicht. Bei Gegenwind wird mit großer Ausdauer getobt, geschrieen, gejammert und gezetert, was das Zeug hält.

Der Kurze ist einfach der Kurze. Er war immer schon fordernd und schnell in Rage zu bringen. Mit ihm ist vieles Kampf. Er liebt den Kampf in jeglicher Ausprägung so sehr, dass sein großer Bruder neulich schon zu ihm sagte, er solle doch später mal Soldat werden. Ich werde ihn im September im Judo anmelden, um das Ganze vielleicht in positivere Bahnen zu lenken.  Aber es schlaucht mich einfach. Ich bin überhaupt keine Kämpferin. Es strengt so an, täglich Kämpfe ausfechten zu müssen, obwohl man es überhaupt nicht will.

Die Maus ist knapp zwei. Und (noch) zu Hause. Mehr muss ich dazu nicht sagen, wer Kinder hat, weiß, was das bedeutet. Und die Dickschädelphase ist auch schon heftig im Anmarsch.

Unterm Strich ergibt sich dann für mich folgendes Bild: Mit drei Kindern ständig im Chlinch liegen, das schlaucht extrem. Und es drängt mich auch in eine Rolle, in der ich nicht sein will, die mir aufgedrückt wird. Ich will nicht dauernd schimpfen müssen, mit Konsequenzen drohen müssen, zwingen müssen, laut werden müssen, weil sonst die Ohren auf Durchzug sind.

Gelassen bleiben fällt mir häufig schwer, einfach weil die Batterien so schwach sind und weil ja immer schon das / der nächste in der Warteschleife hängt. Liebe austeilen, das kann ich gut, das tu’ ich zu Hauf und sehr gerne. Aber das hilft halt auch nicht bei Meinungsverschiedenheiten…

Ich will das nicht! Und ich weiß grad nicht raus. Hat jemand eine Idee?

Seit ein paar Tagen treibt mich eine Frage um, die unseren nahenden Urlaub betrifft. Wir haben Anfang des Jahres eine Woche Kinderhotel mit “all inclusive”-Verpflegung gebucht, ohne groß drüber nachzudenken. Als wir das letzte Mal in so einem Hotel waren, gab es die Maus noch nicht und der Kurze konnte noch alles essen. Der Große hatte zwar seine Farbstoff-Unveträglichkeit, aber ihn von den regenbogenfarbigen Limonaden wegzuhalten, war eigentlich kein größeres Problem.

Nun sieht aber alles anders aus:

1. Die Maus

Weizenunverträglicheit. Und zwar so richtig. Kleinste Mengen, z.B. in einer Soße, reichen aus, um ihre Haut rauh und juckig zu machen. Sie beginnt dann, zu kratzen und nach kurzer Zeit ist alles von blutigen Kratzspuren übersät und sie ist extrem jammerig und schläft schlecht. Kein Wunder, wenn einen alles juckt!

2. Der Kurze

Fruktoseintoleranz. Und zwar zur Zeit sehr akut, weil er im Kindergarten ohne mein Wissen viel zu viel Obst gegessen hat. Was faktisch bedeutet, dass ich ihn ernährungstechnisch für ca. 4-6 Wochen komplett von Fruktose runterfahren muss, um die Bauch- und Kopfschmerzen, die er zur Zeit quasi ständig hat, sowie die ebenfalls daraus resultierenden starken Stimmungsschwankungen wieder wegzubekommen.

Und das ist sehr einschränkend. Es ist nicht nur mit Obst weglassen getan, nein auch fast kein Gemüse geht, kein Vollkorn, kein Roggen, keine Gerste, kein Soja, kein Haushaltszucker, Honig, Marmelade, folglich auch kein Keks, kein Stück Kuchen, kein Eis, absolut nichts Süßes, das es im Allgemeinen auf “all inclusive-Buffets” so gibt.

3. Der Große

Die unkomplizierteste Person hier im Haus. Er muss nur künstliche Farbstoffe und Kohlensäure meiden. Das ist übersichtlich und wenig problematisch. Außerdem war er immer schon ein sehr kooperatives Kind.

4. Ich

Weizenunverträglichkeit. Aber nicht soo wild. Ich bekomm ne unreine, fleckige Haut davon und Blähungen. Das wars. Ob ich mir das gebe oder nicht, kann ich spontan entscheiden.

Absolut keinen Zuckerkonsum. Und zwar auch kaum Obst. Denn ich streife am Diabetes entlang und wenn ich vermeiden will, dass das so richtig ausbricht, muss ich mich wirklich daran halten. Wenn ich sündige, straft mich mein Körper mit einem hohen Blutzuckerspiegel, der mich extrem müde und schlapp werden lässt.

5. Der Göttergatte

Aus gesundheitlichen Gründen kein Zucker. Es passiert nicht viel, wenn er sündig, außer dass er zunimmt und folglich schlechte Laune bekommt. ;-) Aber er ist seit Monaten wahnsinnig standhaft und hat kein Fitzelchen Süßes zu sich genommen, was ich sehr beeindruckend finde. Er sitzt stoisch an einer Kaffeetafel und guckt den anderen beim Kuchenessen zu. Sehr cool! Ich bin so stolz auf ihn!

 

So sieht das also aus. Am schlimmsten hat es definitiv den Kurzen getroffen. Und ausgerechnet er ist auch der, dem solche Dinge am schwersten fallen. Er liebt Süßes und er hasst Einschränkungen aller Art.

Und ich sehe uns also dort vor diesen Riesenbuffets stehen und Dreiviertel der Nahrungsmittel gehen für irgendeinen am Tisch nicht. Ich fürchte Heularien vom Kurzen und von der Maus, wenn Dinge am Tisch gegessen werden, die sie nicht dürfen. Wir können aber auch nicht verlangen, dass alle nur noch essen, was für alle geht, denn dann bleibt nicht mehr viel übrig.

Was ich mir schon komplett abgeschminkt habe, ist die Teilnahme an der “Nachmittagsjause”. Den Anblick all der Kuchen und Torten kann ich mir sparen, da außer dem Großen sowieso keiner davon essen darf. Der kann ja zum Glück schon alleine hingehen und es sich gut gehen lassen… ;-)

Und weiterhin? Ich werde wohl die Küche vorwarnen müssen, vor allem für die Abendgerichte und vor allem wegen der Weizengeschichte. In Hauptgerichten ist per se nicht viel Zucker enthalten, deshalb bedeuten sie für meinen Mann und mich kein Problem, und für den Kurzen können wir die Dinge aussuchen, die gehen.

Außerdem habe ich mir überlegt, ob ich die Kinder irgendwie anderweitig belohnen kann, wenn sie auf ihre Unverträglichkeiten achten und nicht rumtoben, weil es eben kein Eis gibt. Mit Bonuspunkten, für die sie sich am Ende vom Urlaub was aussuchen dürfen oder so.

Und wir werden natürlich auch eigene Nahrungsmittel mitnehmen. Süßigkeiten, die der Kurze essen darf (alles nur mit Traubenzucker Gesüßte geht), Getränke, die er verträgt. Kekse aus Dinkel für die Maus. Stevia zum Süßen, denn das vertragen zum Glück alle!

Trotzdem habe ich Bauchgrummeln bezüglich des Urlaubs. Es ist so schade, dass man nicht einfach unbeschwert drauflos essen kann, einfach Spaß haben und genießen. Hätten wir das vor ein paar Monaten schon gewusst bzw. uns bewusster gemacht, hätten wir wohl einen anderen Urlaub gebucht. Einen mit Selbstverpflegung…. denn ich bin mir noch nicht sicher, was stressiger ist – selber kochen (zur Zeit sehr aufwändig und mit viel Sonderregeln verbunden) oder Spießrutenlaufen im Pradies der verbotenen Dinge….

Wenn jemand noch eine gute Idee hat, wie wir diese Woche einigermaßen ungestresst durchstehen können, dann immer her damit! Ich bin für jeden Gedankenanstoß dankbar!

 

 

Stell dir vor, du kommst aus dem Urlaub nach Hause und jemand hat alle deine persönlichen Dinge weggeräumt und die Möbel umgestellt.

So ungefähr müssen sich die Kinder in unserer Kita vorkommen, wenn sie nach den großen Ferien wieder in ihre Gruppenräume kommen. Aus “pädagogischen Gründen” (würg!) wird jeden Sommer alles komplett leer- und umgeräumt. Alle gemalten Bilder, alles Deko-Schnickeldi und viele Spielsachen sind einfach weg. In unserer Gruppe beispielsweise war vor kurzem noch die Bastelecke und jetzt ist da plötzlich die Puppenecke.

Ich finde das sowas von unnötig und Sch…e. Also echt mal.

Unser Großer ist ja immer schon “ein wenig anders drauf” als die meisten anderen Jungs: Er trägt langes Haar, liebt Pink und andere knallige Farben, trägt gerne Schmuck, mag alles, was glitzert und findet sowieso, dass “Mädchenklamotten viel schöner sind, als die langweiligen Jungensachen!” Und vor allem steht er dazu, ist überzeugt davon und lässt sich auch nicht durch blöde Kommentare von anderen davon abbringen. Das finde ich wirklich klasse! Er propagierte schon in der ersten Klasse den Spruch: Jeder darf die Lieblingsfarben haben, die ihm gefallen! Es gibt keine Jungen- oder Mädchenfarben!” und trug dadurch sicher auch zu einer toleranteren Einstellung seiner Klassenkameraden bei.

Des öfteren habe ich mir schon mal Gedanken über diese Dinge gemacht –  nicht im Sinne von “ich hab mir Sorgen gemacht”, sondern einfach im Sinne von “ich beschäftige mich mit den Bedürfnissen meiner Kinder”. Ich kam eigentlich immer zu dem Schluss, dass er trotz all dieser Dinge gerne ein Junge ist und dies auch sein will. Also dass er, deutlich ausgedrückt, nicht transsexuell veranlagt ist. Denn das hätte für mich bedeutet, dass ich noch wesentlich mehr für ihn hätte tun wollen, als ihn schlichtweg bei einer Art “Stilfindung” zu unterstützen.

Also habe ich ihn neulich mal geradeheraus danach gefragt. Er meinte genau dasselbe: dass er gerne ein Junge sei, dass er aber viele Mädchensachen toller fände als die Jungssachen. Weniger Spielzeug und so, als eben das “optische”, das Design. Also haben wir uns daraufhin öfters über Klamotten unterhalten und ich habe ihm klar gemacht, dass es auch noch ein Modeuniversum jenseits der Doppelbuchstabenketten gibt, denn irgendwie genügen ihm die pinkfarbenen Shirts, die es dort zu finden gibt, nicht mehr. Ich sagte ihm, dass ich mir sicher bin, dass er auch “Jungenklamotten” finden kann, die seinem Geschmack mehr gerecht werden und versprach ihm, mal ein paar Fotos aus dem Internet rauszusuchen, die ihm das auch illustrieren können. Während dieses Gesprächs waren wir gerade auf dem Weg in die nächstgelegene Shopping-Mall, um dem wieder mal gewachsenen Kerl neue Unterhosen zu besorgen, da die alten schon kneifen. Und wie wir da so langlaufen, kommen wir an einem Shop vorbei, der erst vor ca. einem halben Jahr eröffnet hat und den ich bisher immer nur so aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte.

Hey, sagte ich, sensibilisiert für die Farben und Muster des Großen, DAS ist DEIN Laden! Er guckte und rief: Wow, Mama, da will ich rein! Können wir mal rein? Bitte!!!

Gesagt, getan. Und natürlich kamen wir nicht ohne Tüte wieder raus. Er ist inzwischen so groß, dass ihm schon Herren-T-Shirts in S passen, und er fand ein Shirt, das ihm so gefiel und das so sehr seinen Wünschen entsprach, dass ich nicht Nein sagen konnte, obwohl es wahnsinnige 60 Euro kostete. Irgendwie fand ich, er brauchte eine Bestätigung, dass er 1. seinen Stil leben darf, 2. es seinen Stil auch wirklich gibt und 3. wir seine Bedürfnisse diesbezüglich auch ernst nehmen.

In der Kinderabteilung guckten wir uns auch um, aber die Kinderklamotten waren lustigerweise nicht so konsequent bunt und wild gemustert, wie die der Erwachsenen. D.h. doch, die Mädchenkleidung schon, aber die Sachen für Jungs waren wieder mal Blau, Orange, Oliv und Weiß. Seufz. Aber egal. Er ist groß genug für die “richtigen” Teile. Und somit m.E. auch weit genug, sie zu tragen und zu schätzen.

Er ist völlig happy mit dem Shirt, ich musste es sofort waschen und seitdem hat er es an. Das freut mich so! Und ich hab mich auch schon im Netz umgeguckt, es gibt auch andere Alternativen, die nicht ganz so kostenintensiv sind. Und ich habe vor, jetzt im Sommer mal mit den Jungs Shirts bunt zu batiken. Das gefällt ihm sicher auch, dem kleinen Künstler! :-)

Ich bin schon so gespannt darauf, wie er sich in den nächsten Jahren entwickeln wird! Was wird er tragen? Welche Musik wird er hören? Welche Wertvorstellungen wird er entwickeln? – Im Moment ist er sehr tier-, menschen- und umweltfreundlich eingestellt. Ich denke, das wird auch so bleiben, sich nur weiter ausdifferenzieren und er wird sich vielleicht entsprechend engagieren.

Es ist so spannend, Kinder zu haben! So spannend, sie aufwachsen zu sehen. So spannend, sie zu begleiten, sie zu unterstützen, sie zu fordern, ihnen Dinge zu zeigen, beizubringen, zu erklären. Und unser Großer steuert auf einen neuen Lebensabschnitt zu – die Pubertät. Mit allem Drum und Dran. Auch mit universeller Faulheit, partieller Taubheit, Starrköpfigkeit und Mimosentum. Ach, ich bin so stolz auf ihn! Ich sehe ihn liebend an, ich liebe alles an ihm, auch wenn er mich auf die Palme bringt! Denn ich weiß, das muss so, das gehört so, das macht ihn zum eigenständigen Menschen. Das ist gut so. Und ich bin dabei. Mit ganzem Herzen.

Öhm, das tägliche Hausaufgabendesaster hatte ich erfolgreich verdrängt bei meinem letzten Posting. Mein Großer treibt mich zur Zeit wieder mal an den Rand des Wahnsinns mit seinem unglaublich übertriebenen, dramatischen, nervenzerfetzenden Geheule und Gejammer, Lamentieren und Plärren. Er steigert sich so hinein, dass er ungelogen 20 Minuten lang wild schluchzend und sich die Haare raufend am Boden rumkriecht, weil er 15 Divisionsaufgaben erledigen soll.

Mann!!!!!!! Das nervt so!!!!!! Er schreit, als ob man ihm ohne Narkose ein Bein amputieren wollte, oder als habe man ihm gerade mitgeteilt, dass seine Mutter gestorben sei, oder als hätte man ihn zu drei Jahren Arbeitslager in einer Kohlenmine verurteilt. Herrgott nochmal, das sind schnöde Hausaufgaben! Ich werd noch irre!

Und NICHTS hilft. Ignorieren, Hilfsangebote, Drohungen, Aussicht auf Belohnung, Päuschen, Dagegengeschrei…. ich kann mich nicht entsinnen, irgendetwas noch nicht ausprobiert zu haben.

SEUFZ.

… z.B. wenn sie, obwohl man sie ZWEI Minuten vorher noch darauf hingwiesen hat, trotzdem den Hausschlüssel im Haus vergessen und die Tür hinter sich zuschlagen. Bumm. Da standen wir, die drei Kinder und ich. Ich wollte eigentlich zum Einkaufen fahren, weil der Große morgen mit seinem Pa zu einem Paristrip aufbricht. Und nun das. Der Schlüssel im Haus, auch mit Autoschlüssel und allem. Der Göttergatte auf Dienstreise mitten in der Republik. Na fein. Ich wurde dem Großen gegenüber leicht unflätig, muss ich sagen, und rief dann den Schlüsseldienst. Zu unserem Glück haben wir die Telefonnummer eines wirklich fairen Menschen im Briefkasten kleben! Der war dann auch 15 Minuten später schon da und nahm nur 50 Euro, was wirklich ein fairer Preis ist im Vergleich zu anderen Diensten.

Der Große ist sauer, weil ich ihm die Kosten aufgebrummt habe. (Mal sehen, vielleicht bin ich ja auch milde und lasse ihn nur einen Teil bezahlen, aber wer sooo kopflos ist, wie dieser Herr, braucht einfach mal einen Dämpfer!) Mann Mann.

…z.B. weil sie ihre neue Zahnspange nicht nur für ein Stündchen nachmittags zur Eingewöhnung tragen, sondern auch gleich über Nacht und sie dann später sogar vormittags in der Schule anziehen, obwohl die Kieferorthopädin gesagt hat, man braucht sie nur nachmittags und nachts zu tragen.

Und vielleicht hängt es auch einfach damit zusammen, dass unser Sohnemann eine sehr gute Spange von einer sehr guten Kieferorthopädin hat, die mit Craniosacraltherapie und Kinesiologie arbeitet. So eine Spange (die sieht schon ganz anders aus als meine damals!) hätte ich wohl auch getragen…

…z.B. wenn sie in ihren Baggypants mit den gefühlten 10 000 Taschen irgendwo zwei Kirschkaugummis vergessen und diese sich dann in dünnen, klebrigen Schlieren innen an der Trocknertrommel wiederfinden… *grummel* Habe gerade eine Viertelstunde lang halb in der Trommel steckend alles mit dem Fingernagel wieder abgekratzt. Sämtliche andere vorangegangene Putzversuche schlugen fehl – und der von ihm selber heute Nachmittag sowieso. :/

Wer den Geburtstagsartikel gelesen hat, der hat auch vom Störerkind gelesen. Letzten Dienstag habe ich mit der Mutter telefoniert und ihr die Sachlage dargelegt. Es ging mir einzig und allein um das Herumsuchen in den Zimmern und wieder Zurückholen der DS, von all den anderen “Nettigkeiten” habe ich gar nicht erst angefangen, das sind Lappalien. Ich habe auch klargestellt, dass es mir nicht darum geht, das Kind anzuprangern, sondern viel mehr darum, dass es aus dem Vorfall lernt. Und zwar, dass man so etwas nicht macht, dass man sich entschuldigen sollte und sich klarmachen sollte, dass das nicht wieder vorkommen darf. Die Mutter stimmte mir zu, dankte mir sogar, dass ich sie darauf angesprochen habe und wollte am darauffolgenden Tag gleich mit dem jungen Herrn reden.

Am Mittwochnachmittag rief sie mich wieder an und bat darum, dass ihr Junge mit ihr bei mir vorbeikommen dürfe. Ich freute mich schon und dachte, er wolle sich entschuldigen, hatte aber keine Zeit und war auch außer Haus. Dann meinte sie, ob wir es am Wochenende noch machen könnten, denn er wolle etwas “klarstellen”. Sie verriet mir aber nicht, worum es ging, sondern sagte nur, das solle ihr Junge mir selber sagen.

Na toll. Ich machte mir schon Gedanken, ob ich ihn womöglich zu Unrecht verdächtigt hatte und nachts hatte ich sogar einen Alptraum wegen der ganzen Sache.

Heute traf ich nun besagte Eltern zufällig beim Einkaufen. Erst machten wir aus, uns später zu treffen, dann sprach mich der Vater hinter der Kasse doch noch an und meinte, das könnten wir doch auch schnell so klären. Und dann erzählte er folgendes:

Sein Sohn habe gesagt, dass es ein anderer Junge gewesen sei. Dabei hatte er eine Geschichte erzählt, die für mich sehr verdächtig nach “Verdrehung der Tatsachen” klang. Der Vater aber sagte im Brustton der Überzeugung zu mir: “Nein, ich weiß, mein Sohn würde so etwas nie machen!” Da klingelten bei mir wieder die Alarmglocken, denn ich habe beruflich so viel mit 10- bis 17-jährigen zu tun, dass ich aus Erfahrung weiß, dass man Kindern im Zweifelsfalle wirklich ALLES zutrauen sollte. Ich würde für meinen eigenen Sohn niemals die Hand ins Feuer legen, obwohl ich meine, ihn “gut erzogen” zu haben. Ich weiß einfach, dass alle Kinder Fehler machen und dass so gut wie alle Kinder versuchen, diese Fehler hinterher zu vertuschen. Das sagte ich dem Herrn dann auch und er konnte schier nicht glauben, dass ich so denke. Ich glaube, er war geschockt, dass ich meinem Sohn solche Fehltritte zutrauen würde. Wahrscheinlich zweifelte er an meiner Erziehung. ;-)

So weit, so gut. Die Mutter bestand auf weitere Klärung und wir beschlossen, uns nachmittags mit allen 3 Familien zusammenzusetzen. Also wir, sie und der von ihrem Sohn beschuldigte Junge plus Eltern. Mich interessierte durchaus auch, was dieser sagen würde. Ich kenne ihn auch recht gut und er ist auf der Party ein sehr angenehmer Gast gewesen, hilfsbereit, freundlich und zufrieden.

Ich ging nach Hause und erzählte meinem Mann von dem Vorfall, dieser fand das anberaumte Treffen “zuviel Bohei” um die ganze Sache. Da bin ich aber nicht einer Meinung mit ihm, denn ich finde schon, dass Kinder merken sollten, dass es Dinge gibt, die nicht in Ordnung sind und die wir Erwachsene nicht nur nicht dulden, sondern die wir auch nicht unter den Tisch kehren, bis sie wirklich geklärt sind.  Und wieder geht es m.E. dabei nicht um ein Anprangern oder um harte Strafen, sondern rein ums “Verstehen”, darum, zu lernen, wie man mit eigenen Fehltritten umgeht.

Zu diesem Treffen ist es allerdings nicht gekommen.

Noch während wir beim Essenkochen darüber diskutierten, klingelte nämlich das Telefon und – das Störerkind war dran! Sehr, sehr kleinlaut und sehr, sehr verschämt entschuldigte es sich dafür, was es getan hatte und auch dafür, dass es den anderen Jungen beschuldigt hatte! Ich nahm die Entschuldigung an und gut war’s.

Sieh mal an. Ich hätte liebend gerne das Gesicht des Vaters gesehen, als der in Bedrängnis geratene “Übeltäter” plötzlich geständig wurde! Dieser Mann wird noch des öfteren an meine Worte denken und seinem Sohn hoffentlich nicht mehr so voreilig alles abnehmen, was dieser ihm auftischt! Hihi. Das tat irgendwie gut…. :-D

Und ich hoffe, es versteht hier keiner was falsch. Es geht nicht darum, Misstrauen innerhalb der Familie zu säen. Im Gegenteil. Die Konsequenz aus der Geschichte sollte sein, dass alle Familienmitglieder sich bewusst werden, wie wichtig es ist, ehrlich miteinander umzugehen. Denn nur dann können Eltern ihren Kindern wirklich beistehen – wenn sie sich sicher sein können, dass ihnen die Wahrheit gesagt wird.

Vielleicht haben aus dieser Geschichte doch ein paar Menschen was gelernt. Alleine dafür hätte sie sich ja dann doch gelohnt.

Am Freitag hatte unser Großer seinen 10. Geburtstag und wir haben quasi das gesamte Wochenende durchgefeiert. Die Woche davor war ich auch schon schwer beschäftigt mit Einkäufen für Kuchen, Deko usw. Am Donnerstag bin ich noch ununterbrochen rumgewieselt und habe Geschenke eingepackt, den Tisch gedeckt und dekoriert, den Kuchen gebacken und ebenfalls dekoriert, eine Karte geschrieben und all sowas.

Am Freitagmorgen haben wir dann alle ein wenig müde mit Kindersekt angestoßen, gratuliert und den Großen beim Geschenkeauspacken beguckt. Der hatte sich eigentlich “nur Bares” gewünscht, weil er sich einen großen Wunsch selber erfüllen wollte, aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er glücklich gewesen wäre, wenn wir ihm wirklich nur die in der Verwandtschaft gesammelten Geldscheine überreicht hätten….  Also gab es noch ein paar Kleinigkeiten dazu, u.a. eine “Kellogs Vintage”-Tasse. Leider konnte ich nicht genau die auftreiben, die er sich vor ein paar Jahren gekauft und vor zwei Monaten zerschmissen hatte, fand aber trotzdem eine, die gut zum noch vorhandenen Teller und Schälchen passt. Außerdem gab es noch ein LEGOduplo-Quad, weil die Jungs immer im Wohnzimmer mit den Duplosteinen spielen (das “kleine” LEGO ist in die Jungszimmer verbannt wg. Maus-Verschluck-Gefahr) und sich ständig wegen dem einen Quad-Räder-Teil stritten, das wir besitzen, da man daraus so gut “Monstertrucks” bauen kann. :)

Die Geschenke - Herzchen für mein liebes Kind - in Pink, seiner Lieblingsfarbe!

Kurz darauf durfte der Herr erst mal in die Schule abdampfen und eine Mathematik-Schulaufgabe schreiben – der Arme! Aber dafür hatte er ausnahmsweise schon um 11.20 Uhr aus und keine Hausaufgaben, das machte doch einiges wieder gut. Mittags waren wir alle zusammen essen – das Geburtstagskind hatte sich “griechisch” gewünscht, wir haben einen neuen Griechen ausprobiert und es war wirklich lecker. Mein Göttergatte hatte sich den Tag extra freigehalten und den Kurzen haben wir früher vom Kindergarten abgeholt.

Nachmittags kam dann der Papa des Großen dazu und es gab Kaffee und Geburtstagskuchen – dieses Jahr wieder einmal ein “Buskuchen”, den hatte er sich als kleiner Junge mal gewünscht und seitdem ist er schon zur Familientradition geworden. Damals war er drei Jahre alt geworden und ich fragte ihn, was er sich denn für einen Kuchen wünsche. Ich dachte dabei an Antworten wie “Schokoladenkuchen”, “Apfelkuchen” oder “Marmorkuchen”. Der kleine Herr baute sich aber vor mir auf und forderte: “BUSKUCHEN!” Huch. Tja, da war dann erst mal meine kreative Ader gefordert. Das Kuchendesignen machte mir viel Spaß und so wurde unser Familienrezept “Buskuchen” geboren: ein heller Kastenkuchen mit Füllung aus Löffelbisquits und pürierten Erdbeeren, verkehrt herum aufgestellt, mit weißer Schokolade überzogen und mit allerlei Schnickschnack (Lakritzschnecken oder Kekse als Räder, Schokobuchstaben als Nummernschilder etc…) zum Bus dekoriert.

Der diesjährige Buskuchen - in pink und mit Reiswaffelrädern, da ich vergessen hatte, runde Kekse zu besorgen

Und wer jetzt denkt, das sei ein Mädchengeburtstag – weit gefehlt, es ist nur so, dass die Lieblingsfarbe meines großen Sohnes immer schon Pink war und da wir dieses Jahr kein Motto hatten, dekorierte ich einfach alles in Pink und Rosa.

Geburtstagsblumen

Am Samstag stieg dann die große Geburtstagsparty mit 5 eingeladenen Freunden. Eigentlich hatten wir ins Kino gehen wollen, aber zum einen war ja dann unerwarteterweise bombastisches Wetter und zum anderen war die Maus im Laufe des Vormittags kränklich geworden, hatte Temperatur und war sehr unleidig. Also beschlossen wir kurzerhand, doch Zuhause zu bleiben. Es gab Eis im Garten, dann bauten die Jungs gemeinsam an der LEGO-Eisenbahn, die der Große noch am Freitag von seinem Geburtstagsgeld bestellt hatte.

Personenzug und Güterzug von LEGO City - erstanden vom Geburtstagsgeld plus Erspartem

Vor dem Abendessen überredeten wir sie noch zum Rausgehen und spielten Verstecken und Fangspiele mit ihnen im Park. Zum Abendessen gab es Spaghetti (dreierlei Nudeln (Helle, Vollkorn oder Chili) mit dreierlei Soßen (Bolognese, vegetarische Bolognese und Pesto)) und danach einen Filmabend. Da nur einer der Jungs Toy Story 1 kannte, guckten wir den an. Unser Kurzer durfte mitgucken und fiel danach todmüde ins Bett. Die großen Jungs hingegen blieben noch laaaange wach – die letzten beiden verdonnerte ich um 10 vor 3 zum endlich Schlafen, nachdem ich ihnen die heimlich mitgebrachten Nintendo DS abgenommen hatte….

Der Kleine und der Große - draußen beim Spielen im Park

Am nächsten Morgen gabs noch Frühstück und um 10:00 Uhr vormittags war das Haus dann wieder leer. Und das große Aufräumen war angesagt. Ich war sehr froh, dass wir zu dritt waren, denn zu zweit hätten wir das mit den beiden Kleinen im Hintergund gar nicht alles schaffen können.

Eigentlich ein schöner Geburtstag, wäre nicht das obligatorische Störerkind dabeigewesen. Warum gibt es eigentlich immer eines??? Der diesjährige Kandidat (den ich schon als solchen vermutet hatte, war er doch die letzten beiden Male immer erst viel zu spät abgeholt worden…) führte sich bereits gut ein, indem er mit Sack und Pack eine Stunde zu früh vor der Tür stand. Im Garten beim Eisessen fragte ich kurz in die Runde, wer welche Spaghettisorte mag, worauf er nachfragte, welche Soße es denn gäbe. Ich klärte ihn auf und natürlich gefiel ihm keine der Optionen. Er verkündete, er esse NUR Ketchup mit Sahne zu Spaghetti. Daraufhin meinte ich nur: “Gibts hier nicht!” Interessanterweise aß er dann später von der Bolognese einen ganzen Teller voll, natürlich nicht, ohne zu betonen, dass er die darin enthaltenen Karottenraspel nicht möge. Später musste ich feststellen, dass er seine Nintendo DS mitgebracht hatte, was ich für absolut fehl am Platze hielt und sie einkassierte mit der Begründung, dass wir genügend Programm machen würden und ich nicht wolle, dass ein Teil der Jungs ständig in die Kiste starre. Er bat mich dann darum, dass ich sie angesteckt lassen solle, damit sie nicht ausgeht. Das war kein Problem für mich, ich überlegte kurz, wo ich sie hinpacken könnte, so dass sie “aus dem Weg” wäre und stöpselte sie kurzerhand im Schlafzimmer neben dem Bett meines Mannes an.

Draußen beim Spielen war er derjenige, der meine Spielevorschläge durch die Bank “doof” fand. Aber das war alles nichts, gegen das, was er sich dann leistete. Als ich nämlich gegen halbelf noch einmal hoch ins Zimmer kam, musste ich feststellen, dass die einkassierte DS wieder in seinen Händen war! Ich war echt perplex und stocksauer. Niemals hätte ich es früher gewagt, ohne Erlaubnis ein privates Zimmer fremder Leute zu betreten, schon gar nicht, um darin herumzusuchen. Ich möchte gar nicht wissen, wo er noch überall gesucht hat! Er gab es zuerst nicht einmal zu, erst später dann indirekt, als er als einziger “Ja” sagte, nachdem ich in die Runde geworfen hatte, dass ich über den Vorfall noch einmal sprechen möchte. Ich habe mir überlegt, dass ich die Mutter über diese Sache informieren werde. Mal sehen, wie sie reagiert. Ich habe lange hin- und herüberlegt, aber wenn mein Sohn so etwas anstellen würde, wäre ich froh, wenn es mir einer sagen würde, damit ich mit ihm darüber reden kann.

Das Störerkind kam natürlich am kommenden Morgen an den Esstisch und verzog erst einmal angewidert das Gesicht: “Iiih, hier richts irgendwie so komsich!” Dann, leiser: “Ach, das ist bestimmt der Käse.” Und außerdem war er der einzige, dem die Semmelauswahl nicht zusagte (normale, Mohn, Kürbis und Laugen). “Gibts keine Kartoffelbrötchen?” kommentierte er den Blick in den Brotkorb. *seufz*

Ach ja, und natürlich wurde er als letzter abgeholt. Zwanzig Minuten nach dem offiziellen Ende. Und erst, nachdem er  Zuhause angerufen hatte. Stand zwar auf der Einladung, aber was solls.

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