Ach ja, die Sache mit dem Stillen

Gerade wird wieder viel übers Stillen geschrieben – bei Kassiopeia und Frau Miez zum Beispiel – und da kommen bei mir natürlich auch wieder eine Menge Gedanken hoch, die ich nun gerne „zu Papier“ bringen möchte.

Ich habe bereits zwei Kinder gestillt, es kam für mich damals nichts anderes in Frage und es hat zum Glück auch geklappt. Beide 6 Monate voll und den Großen dann bis zum 9. Lebensmonat, den Kleinen sogar fast bis zu seinem 2. Geburtstag. Auch das dritte möchte ich stillen, und ich habe inzwischen so viel drüber gelernt, dass ich weiß, dass es eine ganz zentrale Sache gibt, die Stillen überhaupt erst möglich macht – und das ist Gelassenheit.

Das schreibt sich so schön hin und jede(r) weiß, dass es sich viel viel einfacher liest, als es ist. Gelassen bleiben, auch wenn mal etwas nicht so läuft, ist eine große Tugend, die erst mal erlernt sein will.

Ich erinnere mich noch ganz genau an die Stillzeit mit meinem Großen, damals noch Stillen nach Zeitplan, nicht mehr so streng wie anno dazumal, aber doch so einigermaßen regelmäßig. Was dazu führte, dass der Knopf seine Schübe natürlich nicht ausleben konnte, ich nicht merkte, dass er mehr braucht und prompt das gefürchtete Grauen über uns hereinbrach: die Milch langte plötzlich nicht mehr. Ich war panisch, begann ihn vor und nach dem Stillen zu wiegen, fühlte mich wie der komplette Versager und meine damals größte Angst hing wie ein Damoklesschwert über uns – Fertigmilch!!! All diese Gedanken führten nur zu kompletter Verkrampfung meinerseits und daraus resultierend natürlich dem weiteren Wegbleiben von Milch. Erst das Stillen im Halbschlaf in der Nacht, ohne Stress, weil zu müde zum Stressen, zeigte mir, dass es doch noch klappt und ließ mich durchhalten.

Heute kommt mir das alles ziemlich lächerlich vor, bei unserem Zweiten war ich sehr viel gelassener und ließ mich nicht verunsichern, nicht einschüchtern und vor allem auch nicht von eigenen Ansprüchen unter Druck setzen. Sollte es klappen, würde es klappen, wenn nicht, dann nicht, nahm ich mir vor. Zudem war mir von Anfang an klar, sollte die Milch mal nicht (mehr) reichen, bekommt der kleine Herr eben zwischendurch mal ein Fläschchen. Punkt. In den ersten Tagen habe ich auch wirklich etwas zugefüttert, da ich per Kaiserschnitt entbinden musste und in diesem Falle der Milcheinschuss einfach länger auf sich warten lässt. Das machte mir nichts aus, ich wusste ja, sie wird noch kommen. Ich wusste aber auch, ich will nicht, dass der kleine Mann vor Hunger weinen muss. Und alles wurde gut. Lustigerweise hatte ich in dieser zweiten Stillzeit niemals zu wenig Milch, und ich führe das auf zwei Umstände zurück: zum einen auf meine absolute Gelassenheit und zum anderen auf das Stillen nach Bedarf.

Und trotzdem habe ich bezüglich unseres dritten Kindes wieder andere Vorstellungen. Ich war nämlich mit Kind Nr. 2 mit einem kompletten Bu.senfeti.schisten gesegnet, der wohl heute noch an meiner Brust hängen würde, hätte ich nicht selber die Initiative ergriffen und ihn von seinem ersten Geburtstag an schrittweise aktiv entwöhnt. Dieser Prozess dauerte bis eine Woche vor seinem zweiten Geburtstag, er war langwierig und verlangte auch mir einiges ab, auch weil ich den Anspruch hatte, ihn so zu entwöhnen, dass er kein „Verlust-Trauma“ davontragen würde. Es hat geklappt, darauf bin ich stolz. Trotzdem war mir schon in den ersten Tagen meiner dritten Schwangerschaft klar, dass ich so einen Marathon nicht mehr schaffen und auch gar nicht mehr wollen würde.

Ein paar Dinge möchte ich nun im Sommer in der „dritten Runde“ anders machen:

  • ich möchte versuchen, so ein „Mittelding“ zwischen sturem Zeitplan und völliger Bedarfsorientierung zu finden, denn es wäre mir schon wichtig, mir durch das Wissen, dass ich erst wieder in ca. x Stunden „gefragt“ bin, ein klein wenig mehr Freiheit zu sichern
  • ich möchte versuchen, unser Kind von Anfang an auch an das Trinken aus einem Fläschchen zu gewöhnen, im Idealfall gefüllt mit Muttermilch, aber ich werde auch nicht den „Idealistentod“ sterben, wenn es Fertigmilch ist. Dadurch erhoffe ich mir ebenfalls ein wenig mehr Freiheit und auch das Wissen, dass das Kind auch dann nicht „verhungern“ bzw. sich mit Unbekanntem quälen muss, wenn ich aus welchen Gründen auch immer mal nicht stillen kann oder will
  • Ich möchte früher mit dem Abstillen beginnen, denn noch mal zwei volle Jahre Stillen möchte ich auf gar keinen Fall

Tja. So sieht das im Moment aus. Aber wie ich schon bei Kind Nr.2 erfahren musste, werde ich diese Rechnung nicht ohne den Wirt machen können. 🙂 Ob es also so oder ganz anders laufen wird, steht (noch) in den Sternen. Eins weiß ich jedoch genau: wie auch immer es laufen wird, das Hauptkriterium wird bleiben: was ist für alle Beteiligten das Beste? Und genau das werde ich dann nach bestem Wissen und Gewissen tun. Ganz gelassen. Hoffe ich doch. 🙂

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4 Gedanken zu „Ach ja, die Sache mit dem Stillen

  1. Ich kann nur empfehlen am Abend den Papa helfen zu lassen, denn obwohl wir keine Flasche geben und obwohl ich nicht nach Zeit stille, kann ich abends mal drei Stunden weggehen: Papa schaukelt, Papa gibt den kleinen Finger. Bisher klappte das sooo gut. Eigentlich sogar besser als bei mir. Vielleicht riech ich zu sehr nach Milch?

    Jedenfalls sehr spannend mal zu linsen wie es wo anders so läuft! 🙂

  2. Puh, wer hat Sie denn beim ersten derart unter Druck gesetzt? dann wünsche ich mal, dass beim dritten alles klappt mit der goldenen Mitte. Gelassenheit ist genau richtig dafür, weil die Pläne eh durchkreuzt werden.

    • Tja, wer? Hmm. Also, es ist schon ein paar Jährchen her und damals war das in dem KH, in dem ich entbunden habe, die übliche Art zu Stillen. Und den Druck, dass ich unbedingt und ausschließlich stillen möchte, den hab ich mir schlichtweg selber gemacht. Eigener Anspruch einer unerfahrenen Mama halt. 😉

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