Ein Hammertag

Mann. Ich bin echt fertisch, ey!

Heute morgen ging es schon damit los, dass unser Großer, der heute mit dem Zug zum Papa fahren sollte, weil der mit ihm zur DTM auf den Hockenheimring möchte, seine Schulter nicht mehr rühren konnte. „Aua!“, jammerte er, als ich ihm ratlos Beinwell draufschmierte und dann stellte sich raus, dass er nicht mal den Schulranzen schultern konnte.

Also schwang ich mich kurzerhand im Schlafanzug ins Auto, betete, mir möge keine Panne dazwischenkommen, und fuhr den Invaliden zur Schule. Wir hatten ausgemacht, dass er sich abholen lässt, sollte es nicht besser werden, dass er in diesem Falle aber auch nicht wegfahren kann.

Zum Glück sind zur Zeit meine Schwiegereltern anwesend, die mir helfen, das Mausezimmer vorzubereiten. So musste ich wenigstens nicht auch noch den Kurzen mitschleppen. Wieder zurück hängte ich mich erst mal ans Telefon, um sowohl den Vater des Kindes als auch meinen Mann (der auch direkt von der Dienstreise aus sich an den Wochenendtrip anschließen wollte) darüber zu informieren, dass das ganze womöglich ins Wasser fällt…

Fünf oder sechs Telefonate später stand dann fest, dass der Große auf jeden Fall fahren sollte und die drei Männer dann bei meinen Eltern noch einen Zwischenstopp einlegen. Mein Vater ist nämlich Orthopäde und Osteopath, also folglich die beste Adresse bei verhakten Schultern… 🙂

Der Vormittag ging wie nix rum mit Packen, Wochenendeinkauf und Koch-Orgie. Kurz vor Eins dann den Kochlöffel an die Schwiegerma übergeben, wieder ins Auto, den Großen von der Schule geholt und mittaggegessen. Die Schulter  knarzte nur noch wenig und die Reise konnte losgehen.

Zum Glück (!!!) ließ sich der Kleine dazu überreden, Zuhause zu bleiben und eine Runde „Pingu“ anzuschauen, während ich mit dem Großen gen Bahnhof aufbrach. Nach der S-Bahnfahrt dort angekommen stellte sich raus, dass der Zug von einem anderen Gleis fahren sollte – so ungefähr das, das am weitesten von der S-Bahn entfernt liegt. Aber zum Glück hatten wir genügend Zeit eingeplant.

Da wir aufgrund der Gleisänderung nicht wussten, wo der reservierte Sitzplatz zum Stehen kommen würde, platzierten wir uns in der Mitte des Bahnsteigs und fanden dann auch gleich den betreffenden Wagen Nummer 36. Ich bugsierte den Sohnemann ins Wageninnere, wir fanden auch den Sitzplatz und nachdem ich mich vergewissert hatte, dass alles stimmt, verabschiedete ich mich und ging vor dem Aussteigen noch schnell auf die Zugtoilette.

Als ich dann wirklich aussteigen wollte, fiel mir ein, dass ich noch vergessen hatte, meinem Sprössling einen Notgroschen einzustecken und lief noch einmal zum Platz zurück. Inzwischen waren es nur noch ca. 3 Minuten bis zur Abfahrt.

Und mein Sohn war WEG! Eine unsägliche Person, die mir kurz zuvor schon negativ aufgefallen war, weil sie sich in dem komplett vollen Zug darüber beschwert hatte, dass ihr jemand im Weg stand, sagte mir ins Gesicht, dass sie ihn aus dem Wagen herauskomplimentiert habe, weil er im falschen Wagen säße. Das sei 26, nicht 36.

Ich war fassungslos! Auch wenn es stimmte – die Irren von der Bahn hatten kurz nach unserem Einstieg die Wagennummerierungen verändert – man kann doch einen alleinreisenden Neunjährigen nicht kurz vor der Abfahrt aus dem Zug scheuchen, nur weil er auf dem  falschen Platz sitzt!!!!!!!!

Wäre mir nicht mein Sohn so viel wichtiger gewesen, ich glaube, ich hätte die Frau schier umgebracht…. Aber so lief ich panisch wieder zum Ausgang, rief laut nach meinem Sohn und rannte so schnell ich konnte Richtung Bahnhofshalle zurück, um ihn zu finden. Da klingelte mein Handy und mein Großer war dran – komplett panisch! Ich versuchte, ihn zu beruhigen und schrie ihm dann durch sein panisches Geschrei hindurch zu, er solle sofort wieder einsteigen. Während des Ganzen rannte ich weiter. Ein Zugbegleiter, den ich um Hilfe bat, meinte nur hoheitsvoll, der Zug würde um „acht nach“ losfahren.  (egal, was bis dahin mit meinem Sohn wäre…) Zum Glück fand ich ihn kurz darauf, beruhigte ihn und bugsierte ihn schnell in den richtigen Wagen. Kiene Minute später fuhr der Zug los.

Die ganze Aktion war die reine Hölle gewesen! Und mir gings so richtig dreckig. Ich sank auf eine Wartebank nieder, rang nach Luft und mein Bauch tat höllisch weh. Auch nach ein paar Minuten Ruhe blieb die Kugel bretthart und drin herrschte Grabesstille.

Ich hatte so eine Angst! Komplett neben mir wankte ich zur S-Bahn und rief dann meinen Mann an, weil es einfach nicht besser wurde. Der dirigierte mich von Ferne sofort zum nächsten Taxistand und befahl mir, mich umgehend in die nächste Frauenklinik zu begeben.

Im Taxi wurde ich endlich ruhiger, entspannte etwas und endlich spürte ich auch die Maus wieder. Gott sei Dank!  Ein weiterer Schock war dann die Nachricht, dass inzwischen mein Großer Zuhause angerufen hatte und meine Schwiegerma in ihrer eigenen Panik den kopflosen Fehler gemacht hatte, ihm brühwarm zu erzählen, dass ich fürchterliche Bauchschmerzen hätte und auf dem Weg in die Klinik sei. Einem Neunjährigen, der gerade eine zweieinhalbstündige Bahnfahrt vor sich hat! Aaaah! Ich legte sofort auf und rief den Großen an, um ihn (schon wieder!!!) zu beruhigen. Mann Mann Mann.

Im Krankenhaus musste ich ungefähr eine Viertelstunde warten, irgendwie genoss ich die vertraute Kreißsaalatmosphäre und schwelgte in Erinnerungen an die Geburt unseres Kleinen, die hier stattgefunden hatte. Ich entspannte weiter. Das CTG, das dann geschrieben wurde, zeigte, dass es der Madam absolut gut geht und auch keine weiteren Wehen mehr aufgetreten waren. Uff!

Gegen sechs Uhr abends war ich dann endlich wieder Zuhause. Ich bin total gerädert und wenn ich nur eine Treppe steige, wird der Bauch gleich wieder hart. Deshalb begebe ich mich jetzt umgehend in die Badewanne und dann sofort ins Bett!

Der Große ist übrigens inzwischen wohlbehalten mitsamt Stief- und leiblichem Papa bei meinen Eltern angekommen. Heieiei, was für ein Tag!!!!!

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3 Gedanken zu „Ein Hammertag

  1. Ohje, ich habe so mitgefiebert beim lesen und war glaub ich auch schon ganz aufgeregt! Was für ein Tag!!! Mensch, dein Großer tut mir aber auch leid. Als Erwachsene wäre ich schon total panisch geworden, wie soll es denn erst ihm ergangen sein?! Schön, dass es euch nun allen gut geht und er auch gut angekommen ist! Erhol dich gut!

    • …und ich fand, dass es beim Lesen lang nicht so dramatisch rüberkommt , wie ich es alles wirklich empfunden habe… 🙂 Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich die Geschichte „schon kannte“ 😉
      Es war übrigens noch nicht zu Ende… Ich konnte nämlich doch nicht baden, weil der Kurze, zur Zeit erkältet, im Schlaf so husten hatte müssen, dass er einen Schwall gespuckt hat und ich quasi unter dem schlafenden Kind zwei vollgespuckte Kuscheltiere und das Kissen entfernen musste, um alles sofort in die Waschmaschine zu werfen. Zum Glück hatte er sich selber so gut wie nicht erwischt, so dass ich ihn weiterschlafen lassen konnte.
      Trotzdem traute ich mich nicht mehr in die Badewanne, sondern guckte immer mal wieder nach ihm, ob auch alles ok ist. Es kam aber nichts mehr nach.

  2. Ohje, dann war ja noch lange nicht Schluss mit diesem Tag. Genauso ein krankes Kind habe ich hier auch gerade, mit voll gespuckten Bett letzte Nacht. Die Mäuse tun einem dann auch immer so leid. Gute Besserung an deinen Kleinen!

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