Vom Schlafen

2003 - Das vorne offene Gitterbett des Großen

Babys, Kleinkinder und der Schlaf – ein ewiger Dauerbrenner. Ich möchte einfach mal erzählen, wie das bei uns läuft. Unseren Großen habe ich noch nach den „damals üblichen“ Gepflogenheiten schlafen lassen, will heißen er hatte zuerst einen Stubenwagen, dann ein Gitterbettchen und dieses dann letztendlich in ein Kleinkinderbett ohne Gitter umgebaut – und all das in seinem eigenen Kinderzimmer.

Nun muss man aber auch dazu sagen, dass er von Anbeginn ein Kind war, das zum Schlafen seine Ruhe haben wollte. Erst später, so mit ca. 8-9 Monaten hatte er eine Phase, in der er zig Mal die Nacht nach mir rief, ich krumm und in Eiseskälte vorm Gitterbettchen hing und meine Hand reinstreckte – hochnehmen sollte „man“ es ja nicht – und mir so die Nächte um die Ohren haute, dass es nur so krachte. Nach ca. 6-8 Wochen war ich nur noch ein Schatten meiner selbst und griff zum heißdiskutierten Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Ich war so verzweifelt, dass mir alles recht war, nur mein Kind sollte endlich wieder mal durchschlafen. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, modifizierte ich das Programm, so verkürzte ich z.B. die angegebenen Intervalle deutlich, und zog es durch. Die erste Nacht war rabiat und es zerriss mir fast das Herz, auch wenn ich immer nur eine Minute weg war. Diese Minute kam mir vor wie eine Ewigkeit…. Nunja, trotzdem war unser Großer ein Kind, das sehr schnell begriff, was wir von ihm wollten und bereits in der dritten Nacht komplett durchschlief… und das auch ohne morgens komplett „traumatisiert“ zu sein oder so.

2007 - Wunschtraum....

Trotzdem wollte ich so etwas bei meinem zweiten Kind unbedingt vermeiden. Zuerst hatte ich vor, es gleich von Anfang an daran zu gewöhnen, dass es eben ohne all diese Hilfen (Mamas Arm, Brust etc, Schnulli….) einschlafen sollte, die dann fehlen und es zum Weinen bringen. Aber ich hatte meine Pläne natürlich ohne das Kind gemacht. Unser Kleiner war ein Menschlein, das in den ersten Wochen ohne kompletten Körperkontakt überhaupt gar nicht zum Schlafen zu bringen war. Er schlief auf mir, sonst nirgends. Punkt. Und natürlich schlief er auch gerne an der Brust ein. Also wurde die liebevoll von den Großeltern restaurierte Wiege wieder eingemottet und ein Babybay gekauft. Gaaanz langsam bekam ich ihn dazu, wenigstens neben mir zu schlafen und dann schob ich ihn millimeterweise immer weiter ins Babybay rein, so dass er nach 3 Monaten irgendwann auch da drin schlief. Mein Mann allerdings wachte jedes Mal auf, wenn der Kleine miezelte oder ich stillte. Und wurde immer mehr zum Wrack. Also beschlossen wir, dass ich ins Kinderzimmer auswandern würde, samt Babybay. Und das war wirklich die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben. Denn die führte zu den weiteren Änderungen, die alle ganz super waren und von denen ich bis heute überzeugt bin. Ich zog also ins 2x1m-Gästebett, das auch noch im Kinderzimmer stand, und bastelte das Babybay dran. Das hatte unter anderem den Vorteil, dass ich, wenn ich ihn abends in den Schlaf gestillt hatte, mich wieder rausschleichen konnte und mein Mann und ich damit das Ehebett wieder für uns hatten, wenigstens so lange, bis er dann zum nächsten Stillen kam, wonach ich dann der Einfachheit halber einfach beim Kleinen liegenblieb, da er oft nur 2 Stunden-Abstände hatte. So konnte ich stillen, ohne selber groß aufzuwachen und war nie wieder so erschöpft wie ich das bei unserem Großen oft war.

...und Wirklichkeit. 😉

Der nächste Schritt ergab sich, weil der Knopf so agil wurde, dass ich Angst hatte, er würde uns noch aus dem Bett fallen, wenn er abends mal aufwacht und rumrobbt. Also bauten wir das Gästebett ab, ließen nur noch das Unterteil (das man unter dem Bett herausziehen konnte und in dem eine zweite Matratze lag) stehen und bauten das Babybay da dran. Schritt 3 wurde dann aktuell, als der Knopf fürs Babybay schlichtweg zu groß wurde. Wir überlegten, was wir machen sollten und entschlossen uns, ein 1,60m Bett auf dem Boden zu bauen, in das wir locker zu zweit reinpassten, aus dem er aber nicht rausfallen konnte. Dazu kauften wir einen billigen Bettrahmen vom Möbelschweden, dem ich kurzerhand die Beine und das Betthaupt absägte, so dass nur noch der Rahmen übrigblieb. Heraus kam eine superkuschlige Schlafecke, in der ich zuerst noch mit dem Kurzen gemeinsam schlief. Nachdem ich ihn nachts nicht mehr stillte, zog ich mich zurück, sobald er abends eingeschlafen war. So bemerkte er den Übergang von „mit der Mama schlafen“ zu „alleine schlafen“ eigentlich kaum.

Bis vor zwei Monaten hat er noch in diesem großen Bett geschlafen, in dem wir immer wieder alle zusammen herumfläzen, und in dem man supergemütlich beim Kurzen liegen konnte, um abends noch ein Buch vorzulesen, er nachts mal ein wenig Beistand brauchte oder krank war. Damit er sich nicht verloren vorkam, war eine Hälfte des Bettes für ihn abgeteilt und kuschlig gestaltet, die andere, äußere Hälfte war für elterlichen Beistand oder auch mal einen alptraumgeplagten großen Bruder reserviert, der nicht alleine weiter schlafen mochte. Dieses eigentlich per Zufall und aus der Situation heraus entstandene Konzept finden wir alle wunderbar und dass es eigentlich ungewöhnlich ist, merken wir nur daran, dass unser Kleiner sich immer wieder mal über die in Bilderbüchern oder auf Fotos dargestellten Gitterbettchen wundert: „Mama, da kommt man ja gar nicht raus! Das ist aber komisch…“

2011 - Bodenbetten im Mauselinenzimmer

Vor sieben Monaten kam nun die Mauseline auf die Welt und es war klar, dass wir es bei ihr genauso machen wollten. So hatte ich also zuerst Gästebett und Babybay im Zimmer stehen. In der Zwischenzeit stellte sich aber heraus, dass unser Kleiner auch bei Schwester und Mama nächtigen wollte und es kam ein Kleinkinderbett hinzu.  Letztes Wochenende haben wir nun alles auf den Boden verlagert, da die Maus einfach zu mobil geworden ist. Dieses Mal ist es allerdings aufgrund der Raumsituation kein Doppelbett geworden, sondern zwei über Eck gestelltet Einzelbetten plus vorübergehender Mamamatratze davor, auf der ich Platz finde, sollte mich eines oder beide Kinder brauchen.

Wenn ich nicht dort nächtige, dann im nun leerstehenden Bett des Kurzen, so bin ich für mich alleine und brauche auch den armen Göttergatten nicht mit dem Babyfon plagen. Meine Ehebettseite ist inzwischen übrigens vom Großen okkupiert worden. 🙂 So schlafen wir alle auf einem Stockwerk, das ist irgendwie kuschelig und schön. Quasi Familienbett extended light.

Mir persönlich gefallen an unserer Bettenlösung vor allem folgende Vorteile:

  • ich musste nie wieder frierend vor / neben einem Kindergitterbett auf dem harten Boden kauernd nächtigen
  • ich konnte/kann nach Belieben bei meinen Kindern oder im eigenen Bett schlafen, ganz nach Erfordernissen oder Laune, ohne vorher große Vorkehrungen treffen zu müssen
  • Das Elternbett ist und bleibt Elternzone zum elterlichen Schlafen und Kuscheln 🙂 (abgesehen vom   – vorübergehend gestatteten – Besuch des Großen – dafür steht ja das Zimmer des Mittleren mit großem Bett leer 😉
  • ich muss mit meinem maladen Rücken kein x-Kilo-Kind in ein Gitterbett oder wieder raus hebeln
  • das Kind kann nicht über die Gitterstäbe stürzen – unser Kurzer hatte aber gerade deshalb auch nie den Drang, sich „befreien“ zu müssen, er blieb immer bequem liegen, wo er war, bis ein Erwachsener nach ihm schaute, wenn er rief
  • nicht das Kind muss irgendwann aus dem Elternschlafzimmer umziehen und sich somit „umgewöhnen“, sondern der Elternteil zieht einfach wieder in sein altes Bett zurück
  • ein Bodenbett ist im Kinderzimmer gleichzeitig Spiel-, Schlaf-, Kuschel- und Leseecke und nimmt somit auch keinen „Spielplatz“ weg. Meine Jungs z.B. spielen gerne mit ihren Modellautos auf und unter den Bettdecken. Da lassen sich so schöne Berge, Täler und Höhlen draus bauen…

So ist das also bei uns. Und bei Euch so?

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7 Gedanken zu „Vom Schlafen

  1. Ich finde den Beitrag einfach wunderbar und informativ. Sobald wir ein Kinderzimmer haben, machen wir das genauso! Unsere Kleine ist so ein Typ wie euer zweites Kind. Ohne Mama geht nix bzw. wenig.
    Ich hatte auch vor, das Kind nie nie niemals im Elternbett schlafen zu lassen. Dann kam die Realität und ich las ein paar für uns „richtige“ Bücher (Schlafen und Wachen etc.). Nach vier Monaten kam die Maus raus aus dem Stubenwagen (wo sie bis dahin tagsüber und in der ersten Nachthälfte bzw bis zum ersten nächtlichen Stillen geschlafen hatte) und – endlich ohne schlechtes Gewissen – ins Bett. Von da an wurde vieles besser bis zu dem berühmten Zeitpunkt wo sie zu mobil wurde, um zwischen uns zu liegen bzw alleine im Elternbett zu liegen. Das Gitterbett ist jetzt unser großes Anstellbett und die Kleine schläft tagsüber und abends darin, bis wir ins Bett kommen. Danach akzeptiert sie es noch nicht. Aber wir nähern uns schrittchenweise an, dass sie eben neben uns schläft.
    Am liebsten hätte ich einfach eine Matratze auf dem Boden im Kinderzimmer, aber noch haben wir leider keins und auch im Schlafzimmer keinen Platz für eine andere Lösung.
    Was für uns auf keinen Fall in Frage käme, ist unsere Maus schreien zu lassen und sie dabei allein zu lassen. Im Notfall, wenn sie partout nicht in ihrem Bett einschlafen will, begleiten wir sie aber schon mal, wenn sie dann protestiert, trösten sie und nehmen sie auch mal auf den Arm, aber sie muss aus Sicherheitsgründen eben dort einschlafen, sonst könnte sie aus dem Bett fallen.

  2. Das ist lustig, ich wollte auch einen Beitrag zu unserer Schlaflösung verfassen. Bald.

    Wir haben ein großes Familienbett im Schlafzimmer, auch auf dem Boden, 2,40 auf 2m und ich will demnächst einen Bettrahmen darum bauen. Noch stillt er nachts sehr viel und wacht nachts auf, sobald man sich entfernt (ich muss nur aufs Klo gehen, ehrlich), deshalb ist Ausquartieren sinnlos. Abends schläft er aber die ersten 3-5 Stunden gut alleine, da haben wir dann eben das Wohnzimmer samt Klappcouch für uns 🙂

    Wenn er irgendwann nachts besser schläft, möchte ich auch im Kinderzimmer ein großes Bett haben, also nicht nur ein schmales – genau aus dem gleichen Grund wie ihr. Dann kann jeder nachts entscheiden, wo er schläft und wir können auch mal beim Kind schlafen, wenn nötig. Mit dem Auszug habe ich es allerdings nicht eilig, ich habe bei meinen Geschwistern und im Freundeskreis schon oft sehen dürfen, wie die Kinder dann mit 3-4 Jahren ganz von alleine das eigene Bett langsam spannend finden, von daher hat das Zeit. Und wer weiß, was dann ist, geschwistertechnisch und so – ich kenne auch Leute, bei denen zwei Kinder gleichzeitig ins Kinderzimmer in ein einziges großes Bett umgezogen sind, einfach weil sie dann noch sich hatten. Mal sehen. Der Mann übrigens wird nachts kaum wach, außer man weckt ihn, deshalb schlafen wir auch alle gemeinsam in einem Zimmer doch ziemlich gut.

    Eure Lösungen finde ich gut. Einfach so, wie es sich ergibt und wie es jeder braucht. So soll das sein, finde ich, so ist es schön.

    • Ooh, großes Familienbett finde ich toll! Leider hab ich ja einen „nicht-familienbett-kompatiblen“ Ehemann… Einen Bettrahmen drumrumzubauen, halte ich für ziemlich wichtig, einfach wegen der Durchlüftung der Matratzen. Wir Menschen schwitzen ja nachts literweise und das muss irgendwo hin. Wenn die Matratze von unten nicht belüftet ist, kann die schnell mal schimmlig werden und das ist dann auch nicht mehr sooo gesund 😉 Unsere echt günstige Lösung ist wie gesagt der sehr preiswerte naturbelassene Kiefer (oder Fichte?) Bettrahmen vom Möbelschweden, dem wir einfach nur die Beine 1 cm unterhalb des Rahmens abgesägt haben. So bleibt ein schmaler Schlitz, das Bauen ist total einfach und wenn man es selber zusammenkaufen müsste, würde man sogar mehr Geld ausgeben! Kann ich nur empfehlen! Bei Eurer Bettgröße müsstet ihr dann halt zwei miteinander kombinieren, aber auch da würde sich sicher eine Lösung finden… 🙂

      • Ohja, ich weiss. Wir haben die Matratzen nicht direkt auf dem Boden, sondern auf Lattenrosten, damit klappt das Belüften halbwegs, ab und zu werden sie zum Trocknen aufgestellt. Aber eben, auf Dauer Bettrahmen. Ich werde mich vermutlich wieder irgendwie verkünsteln beim Bau 🙂

  3. das liest sich, als ob ihr die für euch ideale lösung gefunden habt. recht entspannt für die kinder und den vater 😉

    beim erstgeborenen vor elf jahren haben wir uns auch noch mit der schlafschule abgemüht. mit dem resultat, dass er bis zum vierten lebensjahr nicht durchschlief. bei unserer nachzüglerin sind wir viiel entspannter. sie schläft von beginn an im schlafzimmer. es gab ein intermezzo in ihrem körbchen, als dann aber das gitterbett (ohne gitter zum großen bett hin) kam, schlief sie meist bei uns. und so ist es heute noch.

    meist schläft sie abends in ihrem bettchen ein. mit der ersten stillunterbrechung (etwa um vier) zieht sie in unser bett und bleibt zwischen uns liegen. wir teilen das „leid“, schließlich gehe ich genauso arbeiten.

    • Klar, wenn ich ebenfalls arbeiten gehen würde, wär’s bei uns wohl auch anders 😉 Aber ich bin zur Zeit komplett daheim und außerdem stecke ich die Unterbrechungen trotz allem viel besser weg. Was nützt mir ein Mann, der nachts mit mir wach wird, dafür aber tagsüber total neben sich steht…. Nee, bei uns läuft es konkret so, dass ich mich hauptsächlich kümmere, in üblen Nächten oder wenn plötzlich mal beide Kleinen gleichzeitig wach sind, hole ich meinen Göttergatten aber sehr wohl dazu – vorausgesetzt, er ist überhaupt da. Das ist werktags nämlich leider eher selten 😦

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