Gewichtiges aus meinem Leben

Ein wenig Scheu habe ich schon davor, meine „Gewichts-Biografie“ hier zu veröffentlichen. Denn es ist eine Biografie des langsamen Scheiterns über die Jahre. Für meine „Lebens-Gewichtskurve“ schäme ich mich. Ich fühle mich wie ein ziemlicher Versager in dieser Hinsicht. Trotzdem will ich es tun. Vielleicht auch um zu zeigen, wie ich zu meinem aktuellen Gewicht kam. Gewichtsänderungen waren in meinem Leben immer eng verbunden mit Lebensveränderungen, im positiven wie im negativen Sinne. Und leider bin ich ein Mensch, der zum einen schnell „ansetzt“, zum anderen gerne genießt, auch ein gutes Essen, und zuguterletzt auch ein Mensch, der mit 42 Jahren immer noch und immer wieder aus leisem Trotz „schlimme“ Dinge isst, die ihm als Zehnjährige zuhause „verboten“ wurden. Insbesondere Schokolade und Chips.

Hier also meine Geschichte:

Ich war ein komplett „normalgewichtiges“ Kind. Dann, so mit 10, wurde ich ein weeenig pummelig. Aber nur wirklich ein winziges Bisschen. Meine Ma machte das panisch und sie begann, mir gewisse Nahrungsmittel vorzuenthalten. Ich bin nicht sauer auf sie, sie hat es ja gut gemeint. Aber das war der Beginn dessen, dass ich mich gewichtsmäßig defizitär fühlte und begann, darauf zu achten, was und wieviel ich aß.

Mit 14 machte ich meine erste Diät! Ich nahm von 64kg auf 58kg – von Kleidergröße 42 auf 38 – ab, fühlte mich damit toll, konnte das aber auf Dauer nicht halten. Lange wog ich dann so zwischen 61 und 64 kg. Aber es war ein stetiges Auf und ab, mal kam ich drüber, so bis 66 kg, mal schaffte ich es drunter. Aber unter 60 kg, das merkte ich immer wieder, war einfach kein angenehmes Leben mehr möglich. Wenn ich heute Fotos aus der damaligen Zeit sehe, finde ich mich total schön und schlank. Damals war ich immer unzufrieden und fand mich „dick“.

Diät folgte auf Diät, mal FDH, mal „Melonendiät“ o.ä., mal Dinner Canceling. Auch in der Studienzeit ging das so weiter. Ich hatte kein Auto, fuhr viel mit dem Rad, war sehr aktiv und hielt mein Gewicht mal mehr, mal weniger gut.

Dann änderte sich mein Leben komplett: Ich begann mit meinem Referendariat – anderer Ort, andere Gegebenheiten, anderer Tagesablauf. Auto statt Rad, Schreibtischarbeit von früh bis spät, kaum Zeit, etwas Gescheites zu kochen. An diesem Punkt kam ich zum ersten Mal über 70 kg. Gegen Ende der Referendariatszeit nahm ich mit einer Punktediät (ähnlich wie WW) wieder auf „paar-und-60“ ab.

Die hielt ich dann die folgenden zwei Jahre auch ganz gut, ging ins Fitnessstudio und fühlte mich wohl. Dann kam meine erste Hochzeit. Ich wog 62 kg und fühlte mich schön. Und glücklich. So glücklich, dass ich im darauffolgenden halben Jahr vor lauter Wohlsein über 10 kg zunahm!

Und mit dem absoluten Spitzengewicht von 75 kg startete ich dann in meine erste Schwangerschaft. In dieser nahm ich 25 kg (!!!) zu und weitere 10 davon blieben auch nach der Geburt an mir haften. 85 kg!!! Oje! Mit einer Formuladiät schaffte ich es nach ca. 1 1/2 Jahren wieder runter auf 75 kg, fraß mir diese dann aber ein weiteres Jahr später aus Liebeskummer wieder an.

Mit 87 kg lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, nahm aber dann in der ersten Zeit (Luft und Liebe!) auf 82kg ab. Ich kann es nicht mehr beschwören, aber ich glaube sogar, ich schaffte es zeitweilig wieder unter die 80kg-Marke. Dann kam der total stressige Alltag – neuer Job in neuem Bundesland, arbeiten bis zum Umfallen – und ich landete wieder bei 87 kg. Damit wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Ich schwor mir, dieses Mal nicht so viel zuzunehmen, schaffte es aber nicht wirklich, denn ich musste in der ersten Zeit viel liegen und diese Zeit fiel auch noch in die Weihnachtszeit – ich nahm schon in den ersten 12 Wochen  5 kg zu! Insgesamt waren es dann doch wieder 23 kg plus und wieder blieben mir ca. 10kg übrig, also wog ich nun 96kg.  An denen war auch die folgenden Jahre nicht zu rütteln. Ich ließ mich aber auch gehen, hatte einfach keine Lust mehr auf das ewige Hungern und Aufpassen. Traurig war ich trotzdem, wenn ich Bilder von mir sah.

Mit 96 kg wurde ich zum dritten Mal schwanger. Dieses Mal wirklich mit guten Vorsätzen. Bis zur 12. Woche hatte ich gerade mal 2 kg plus, was durch Wasseransammlungen bedingt war . Dann kamen Weihnachten und Ostern und es ging doch wieder steiler bergauf als gewünscht. Kurz nach Ostern erwischte mich die Breitseite: Schwangerschaftsdiabetes! Kein Wunder…. Mein Glück, kann ich aber im Nachhinein nur sagen! Ich nahm durch die Ernährungsumstellung in der Schwangerschaft 7 kg ab und hatte zum Ende hin das Gewicht, das ich bei meiner ersten SS zur Geburt hatte! Nach der Entbindung wog ich deutlich weniger als vor der SS und fühlte mich super!

Ich hatte so fest vor, die Ernährung so beizubehalten, aber der Stress kam, die Schlaflosigkeit kam, das blähungsgeplagte Kind kam und alles kam anders. Inzwischen wiege ich wieder schreckliche 96 kg. Grauenhafte 33 kg über meinem früheren Wohlfühlgewicht.

Ich weiß, dass ich dieses Gewicht nie wieder erreichen werde, aber unter 80 kg zu kommen wäre schon traumhaft. Ich will unbedingt runter davon, alleine schon aus gesundheitlichen Gründen – der Diabetes droht, meine Gelenke ächzen jeden Tag mehr und weitere Wohlstands-Krankheiten sitzen in den Startlöchern.

Seit gestern habe ich es endlich geschafft, anzufangen. Ich habe mir ein Süßigkeitenverbot auferlegt, dazu zählen neben den klassischen Dickmachern wie Schokolade, Chips und Gummibärchen auch Kuchen und Kekse, Fruchtjoghurts und Puddings, Marmelade und Honig sowie mein heißgeliebter Bio-Himbeersirup, der täglich den Weg in mein Wasserglas fand. Außerdem vesuche ich, meine Ernährung insgesamt wieder eher in Richtung blutzuckerschonend zu ändern. Also viel Vollkorn, viel Gemüse, wenige Kohlenhydrate. Nur die Milchprodukte, die bei mir in der SS leider auch immer einen deutlichen Blutzuckeranstieg verursachten, die gönne ich mir weiterhin. Ich liebe meinen morgendlichen Milchkaffee, ich liebe Quark und Co und das gönne ich mir jetzt trotzdem noch. Immerhin stille ich noch. Einmal in der Woche am Wochenende habe ich vor, mir eine kleine Sünde zu leisten, denn sonst halte ich das nicht durch, das weiß ich.

Ich hoffe sehr, dass ich nicht wieder schwach werde! Ich will eine fitte Mama sein, kein keuchendes Walross….

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10 Gedanken zu „Gewichtiges aus meinem Leben

  1. Ich bin per Zufall hier gelandet und aus laute Neugierde habe ich deinen Bericht gelesen und ein wenig verschlungen. Ich persönlich bin absolut kein Diättyp, schaffe ich nicht und halte ich nicht durch. Ich bin 1,77 groß und wiege zwischen 65-67 Kilo, auch mal weniger, allerdings selten und ja, auch ich finde mich zu dick, aber ich weiß auch, dass der Blick in den Spiegel trügt und das alles an mir völlig o.k. ist. Ich esse gerne, allerdings auch gerne Gemüse und Obst, bewege mich viel (habe auch drei Kinder) und sündige ständig. Trotzdem bin ich eigentlich nicht der Typ Frau, der sich das leisten kann, da ich schnell zu nehme. Und dennoch habe ich auch viiiel zugenommen in den Schwangerschaften, aber ich wollte absolut nicht mein Nachschwangerschaftsgewicht behalte. Und es ging runter, aber glaub man nicht, dass es weiter als 63 runter ging, irgendwann ist STOP, vielleicht weil es momentan wirklich mein Idealgewicht ist. Was ich damit sagen will, deine früheren 63 Kilo sind passé, aber unter 80 Kilo ist realistisch, du willst ja schließlich mit deinen Kinder herumtoben, ins Freibad etc. Du hast ein Ziel vor Augen und der Sommer kommt, also:öfter mal ne Möhre und auch die klein Sünde muss ja sein, sonst kommen irgendwann die ungeliebten Heißhungerattaken! Du schaffst das!! Ich drücke die Daumen und schau gelegentlich mal vorbei 😉 Wie groß bist du denn??

    • Vielen lieben Dank für Deine aufmunternden Worte! Lieder bin ich nur putzige 1,63m groß und deshalb zur Zeit so breit wie hoch 😦 Und zu meinem Unglück reagiere ich auf rohe Karotten sowie auf rohe Äpfel allergisch, was mich sowas von anbläht, da ich die nur zu gerne zwischendurch mal naschen würde. Ich esse viel Gurke, Tomate und Paprika, aber die sind leider nicht so gut „transportfähig“ wie eine Karotte. Mit Obst sieht es im Winter mau aus, da Trauben und Bananen eben viel Zucker haben und ich mit Zitrusfrüchten aufpassen muss, auch wegen der Kleinen, ich stille ja noch. Sommers esse ich viel Pfirsiche, Aprikosen und Nektarinen sowie haufenweise Beeren aller Art. Zur Zeit greife ich oft auf TK-Beeren zurück, denn die machen sich z.B. in einem Heidelbeer-Buttermilch-Shake auch richtig gut 🙂
      Ich freu mich, wenn du ab und an vorbeischaust!

    • Prinzipiell ne gute Idee, aber da ich ja auch Kohlenhydrate einschränken will, geht das nicht zwischendurch. Ich nasch zur Zeit ab und zu eine Handvoll Nüsse, die sättigen toll, haben keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und ich hab in der Schwangerschaft auch trotz Nüssenaschen tierisch abgenommen!

  2. Hallo,

    auch ich bin zufällig auf diesen blog gelandet und ich sehe ganz viele Gemeinsamkeiten: drei Kinder, der Wille zum abnehmen (und eigentlich auch das Muss, diesen zu erfüllen) aber auch ich glaube, dass ich nie wieder auf ein wirklich dünnes ich schrumpfen werde.
    Doch wir können natürlich auch mit 80kg (das wäre für mich ein absoluter Traum!) ins Freibad gehen und hinter meinen Kindern kann ich ebenfalls noch herlaufen – 30 min joggen schaffe ich auch mit 105 kg.

    Sehr gut hat mir auch der Eintrag zum alltäglichen Wahnsinn mit den lieben Kleinen gefallen – natürlich liebe ich meine Kinder und trotzdem meckere, schreie und schimpfe ich leider viel zu oft.
    Und da ist auch wieder die „Essfalle“ – in der SS habe ich mich auch brav kohlenhydratarm ernährt – das war ja fürs Baby wichtig (ich war an der Grenze zum SS-Diabetes) aber wenn hier besonders nachmittags ein Kind nach dem anderen durchdrehen, müde werden etc., dann lockt ein kleines Stück Schoki, und noch eins und noch ein…

    ich freue mich auf neue Einträge.
    Gruß
    Kathrin

    • Liebe Kathrin,
      danke Dir für Deine Zeilen! Ich selber fühle mich mit meinen 96 kg nicht mehr fit – mein Rücken schmerzt, die Füße und die Knie tun weh… natürlich auch dadurch bedingt, dass ich z.Zt. noch ein Tragebaby habe, das auch schon stolze 8,5 kg wiegt. Ich könnte nie und nimmer 30 Minuten joggen, da kann ich nur sagen: Hut ab! Aber ich möchte das wieder können und dazu gehört für mich eben auch die Gewichtsabnahme.
      Deinen Zieps nach Schoki kann ich total nachempfinden, das geht mir ganz genauso. Allerdings stelle ich auch jetzt nach den ersten 4 Tagen Umstellung wieder fest, dass ich mich ohne Süßes viel wacher und fitter fühle und somit auch dem Stress mehr entgegensetzen kann.
      Danke fürs Mitlesen! LG aleXXblume

  3. Liebe Katrin, wenn man sich mit 96 Kilo nicht wohl fühlt, dann steht es trotzdem außer Frage, dass man ins Freibad gehen kann, dennoch geht es hier um das eigene Wohlbefinden und das ist (laut Autorin) unter 80 Kilo, was ich gut verstehen kann. Und diese Beispiele lagen eben auf der Hand, zwecks Motivation.
    Und alle Achtung: nicht jeder kann eine halbe Stunde laufen!

    Klara

    • Hi Klara,

      keine Frage, wahrscheinlich würden wir alle ja gerne 60 kg wiegen – aber das ist einfach zumindest für mich unvorstellbar.

      Leider fühle ich mich viel zu selten schlecht oder eben nicht gut in meiner Haut und relativ fit und gesund bin ich halt auch.

      Da muss ich mir wohl eine andere Motivation suchen – vielleicht ja 60 Minuten zu schaffen. Das wäre ja auch zusätzlich für die Figur gut.

      lieben Gruß
      Kathrin

      • Aber Kathrin, mal ehrlich, wenn du dich wohl fühlst und es dir körperlich gut geht, wozu solltest du dich dann quälen? Nirgends steht geschrieben, dass wir alle 90-60-90 sein müssen.
        ZUM GLÜCK!!!

        Lieben Gruß
        Klara

  4. Ja, das ist wahr, ich gehe schwimmen, auch jetzt, meiner Kinder zuliebe, aber ich schäme mich für meinen aus dem Leim gegangenen Körper schon sehr! Ich kanns gar nicht erwarten, mich wieder wohler zu fühlen! 🙂

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