Der Kleine lernt alleine einschlafen

Wie ich ja neulich schon berichtet habe, hatte sich nach einem Vorstoß meinerseits, als er letztes Jahr lernte, mit dem großen Bruder einzuschlafen, wieder ein Rückschritt ergeben. Bedingt durch die emotionalen Wirren von Kindergartenbeginn, Geschwisterzuwachs und Trotzphase hatte ich ihn ja wieder zu mir, d.h. zur Maus und mir ins Zimmer genommen.

Dann, vor ungefähr einem Monat, zog er wieder in sein eigenes Bett, weil er abends noch Bücher anschauen wollte.

Ich hatte ja eh vor, ihn langfristig endlich mal an ein seinem Alter angepasstes Schlafritual zu gewöhnen, fürchtete aber etwas die Konfrontation, da er ja sehr auf mich fixiert ist und das sicherlich nicht einfach so hinnehmen würde. Trotzdem machte ich mir jetzt ca. einen Monat lang meine Gedanken dazu und so langsam entstand ein für mich – und hoffentlich auch das Kind – passendes Szenario. Nur der zündende Funke fehlte noch. Ich wusste, dass ich das Ganze „attraktiv“ verpacken musste, damit es cool klingt und angenommen wird.

Letzte Woche Mittwoch kam mir die passende Idee ganz spontan, während ich mal wieder erfolglos versuchte, den kleinen Rebellen zum Zähneputzen und Waschen zu überreden. Ich erzählte ihm nämlich, dass er, Lightning McQueen, nun Speed geben müsste in seinem Rennen, damit er den Piston Cup gewinnen kann und der kleine Herr war sogleich total begeistert und bei der Sache.

Also setzte ich mich noch am selben Abend hin und entwarf ein neues Zu-Bett-geh-Ritual im Cars-Format für unseren Kurzen. Mein Mann stand mir mit Rat und Tat zur Seite und so entstand innerhalb der folgenden 24 Stunden eine Cars-Rennstrecke zum Aufhängen, auf deren Teilstücke  jeden Tag ein kleiner PistonCup aufgeklebt werden kann sowie eine Startampel, die eine Viertelstunde vor der Bettgehzeit im 5-Minutentakt weitergeschaltet wird und dann ein „Go!“ gibt. (Gebastelt, alles nur Karton und so, keine Elektronik. Ich mach mal ein Foto).

Der „reine“ Inhalt des Rituals sieht so aus: 19:15 Uhr wird die Startampel „eingeschaltet“, um 19:30 Uhr geht es hoch ins Bad zum Waschen, Zähneputzen und Umziehen. Dann hat er bis zu 15 Minuten zum selber Bücher angucken Zeit. Wenn er fertig geguckt hat, holt er mich und ich lese ihm noch ein Buch vor und kuschle und unterhalte mich 5 Minuten mit ihm. Dann gibts noch einen Kuss und das Nachttischlicht wird ausgemacht. Die Tür bleibt offen, draußen ist schummrige Beleuchtung. Damit er sich nicht so arg alleine vorkommt, bleibe ich bei ihm im ersten Stock, bis er schläft und erledige leise Haushaltsdinge wie Putzen oder Wäsche zusammenlegen im Schlafzimmer oder im Bad. Alle 5 Minuten sehe ich kurz nach ihm.

Am folgenden Abend eröffneten wir ihm die Neuigkeiten, die er zuerst sehr motiviert annahm, dann aber später, als es an die reale Umsetzung des Teils „mit ohne Mama“ ging, doch plötzlich ziemlich doof fand. 😉 Natürlich haben wir ihm auch eine für ihn sehr attraktive Belohnung in Aussicht gestellt, sobald er den Kurs geschafft hat und alle Straßenabschnitte (14 Stück) mit Piston Cups belegt sind. So lange (14 Tage) dauert es nämlich laut Wissenschaft, bis eine neue Gewohnheit sich wirklich eingeschliffen hat.

Fazit nach 4 Abenden:

1. Abend: der Herr zieht ALLE Register: wieder rauskommen, sich splitternackt ausziehen, heulen, toben, jammern, Lichter anschalten. Ich bleibe ruhig, lieb und konsequent. Konsequent bedeutet an diesem Abend, dass ich ihm zuerst die Nachttischlampe wegnehmen muss und dann die Sicherung in seinem Zimmer rausdrehe. Ein Nachtlicht bleibt da. Die Tür geht auch einmal zu und ich sorge dann auch dafür, dass sie das für eine Minute wirklich bleibt. Er verkündet zwischendurch dann auch, dass er den PistonCup gar nicht will, ich sage ihm, dass das nichts ändert, dass ich im Bad bleibe und er trotzdem alleine schlafen lernen wird und dass er das auch schafft. Immer wieder betone ich, dass ich mir absolut sicher bin, dass er das schaffen kann. Als er merkt, dass alles nichts nützt, ergibt er sich in sein Schicksal und schläft um 21:15 Uhr nach einer guten Stunde Kampf endlich ein. Er schläft durch und ist am nächsten Morgen sehr stolz. Obwohl es nicht wirklich ideal lief, bekommt er natürlich trotzdem einen PistonCup, aber die Auflage, dass er ab jetzt nur noch einen bekommt, wenn ich die Türe nicht ganz zumachen muss (wird jedes Mal ein Stückel weiter zugemacht, wenn er rauskommt und wird ganz zugemacht, wenn er zu laut rumbrüllt).

2. Abend: Wir sind später dran, weil die Maus krank ist und den Zeitplan durcheinander wirft. Dieses Mal kommt er „nur“ noch wieder raus und jammert, sonst passiert nichts mehr. Erst sitzt er am Bettrand, dann im Bett, dann liegt er und beim letzten Mal Gucken ist er schon zugedeckt. Kurz darauf schläft er. Wieder um 21:15 Uhr, dieses Mal nach einer 3/4 Stunde. Ein sehr sehr stolzer kleiner Mann begrüßt uns am nächsten Morgen.

3. Abend: Wieder normaler Zeitplan. Er kommt zwei Mal aus dem Zimmer, jammert ein kleines bisschen und ist nach 20 Minuten weg.

4. Abend: ein mal „pro Forma“ rauskommen, dann 3 Minuten später, als ich nach ihm gucke, liegt er schon zugedeckt im Bett und sagt doch tatsächlich. „Es geht mir gut, Mama!“ 🙂 Und 5 Minuten später schläft er selig.

Na, das ist doch ein voller Erfolg, würd ich mal sagen! Und ich hab in den 4 Tagen mein komplettes Bad aufgeräumt und geputzt, das Schlafzimmer aufgeräumt sowie dreieinhalb Maschinen Wäsche gefaltet. 🙂

Ich weiß, dass es Rückschläge geben wird, trotzdem ist der Damm gebrochen und er merkt, dass er es kann. Das gibt ihm Selbstbewusstsein. Es ist so schön, ihn morgens so stolz zu sehen und da er auch wirklich gut schläft, weiß ich, dass ihn das neue Szenario nicht zu sehr belastet. Sonst würde er nämlich Alpträume bekommen. Ich selber habe von der neuen Freiheit nur bedingt was, denn so ungefähr exakt seit 4 Tage weigert sich unser 8-Monatskind, zu schlafen und wird ständig wieder wach. Höhö. Naja, es ist nur eine Phase und wird vorbeigehen. Und dann freu ich mich des Lebens Abends. 😀

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3 Gedanken zu „Der Kleine lernt alleine einschlafen

  1. Wow, da warst du aber sehr kreativ und erfolgreich! Hier gab es nach Geburt von Nr. 3 auch enorme Ein- und Durchschlafprobleme des „Sandwichkindes“, das damals genau so alt war wie eures, und wir hatten uns als „Durststrecke“ einen mit Klebeblümchen geschmücken Weg zur rosa Lillifee-Spieluhr gesteckt. Ähnlich wie ihr mit Rückschlägen, weiter und weniger weit geöffneter Tür etc … (mich beruhigt es manchmal zu lesen, dass auch andere Dreijährige keine perfekten Schläfer sind …)

  2. Auch wenn es schon länger her ist: Was für eine coole Idee! Vor allem finde ich hilfreich zu wissen, dass das Kinde dann auch selbstbewusst wird! Toller Gedanke! Vielen Dank für die Idee! Was war denn die Belohnung?

    • Eine Cars-Carrerabahn. Große Anstrengung fürs Kind = große Belohnung! 😉 Aber das kann natürlich jeder selber entscheiden, wieviel er da investierenm möchte. Uns war klar, dass wir schon mit was locken müssen, das es dem kleinen Mann auch wert ist. Und ich kann nur sagen: mir wars das auch wert! 😀

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