Japan und das Mitgefühl

An verschiedensten Stellen im Netz wird zur Zeit über die Katastrophe in Japan und vorallem darüber, was das mit uns hier macht, laut nachgedacht. Es ist die Rede davon, dass es auch einfach mal zuviel Information sein kann, davon dass man schwankt zwischen Mitgefühl und Distanzierung, die man selber dann mit schlechtem Gewissen erträgt.

Ich denke, dass das Problem ein vielschichtiges ist. Zum einen ist es sicher gut, dass die ganze Welt von der Katastrophe erfährt. Einerseits, weil dann auch die ganze Welt helfen kann – sei es mit Hilfsgütern, Hilfstrupps, Spezialisten oder einfach auch Geld. Zum anderen, weil zumindest die Atomproblematik dadurch auch andere Länder zum Nachdenken über ihren eigenen Umgang mit der Kernkraft bringt, wie wir ja hier im eigenen Lande schon sehen können. Ich hoffe nur, dass nicht alles bloß wieder pures Geschwafel ist und man nach dem dreimonatigen Moratorium weitermacht wie bisher.

Zum anderen fühlen sich aber die Menschen auch überrannt von so viel – und vor allem so detaillierter – Information in Form von Amateurvideos und Fotos der gewaltigen Zerstörung und all dem Leid der Japaner. Sie fühlen mit, sie leiden mit und sind doch gleichzeitig komplett hilflos, können nichts tun, als informiert zu sein und vielleicht etwas Geld zu spenden.

Viele sagen, sie würden gerne helfen, wissen aber nicht wie. Aber: Ganz ehrlich? Ein bisschen macht es die Sache auch „einfacher“. Denn es leidet sich wunderbar mit, wenn man unbewusst weiß, dass man nicht aktiv werden kann/muss. Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man dann doch wieder zur Tagesordnung übergeht, denn man kann von sooo weit weg ja eh nichts ändern.

Das hört sich jetzt vielleicht sarkastisch an, aber ich denke schon, dass da was dran ist. Ich nehme mich da gar nicht aus.

Nur mal drüber nachgedacht: Wie ist es denn mit all den tränenrührenden persönlichen Geschichten von leidenden Menschen „gleich nebenan“  z.B. in den Tageszeitungen in der Vorweihnachtszeit? Man liest so einen Zeitungsartikel, denkt noch: „Oh, ja, denen muss ich unbedingt was spenden!“ und dann geht man doch wieder zur Tagesordnung über und vergisst das Ganze. Oder noch deutlicher: Was ist mit der alten Frau, die man immer wieder in der Grünanlage sieht und die so verdammt alleine ausschaut und man denkt kurz drüber nach, ob man sie nicht mal zum Kaffee einladen soll – und tut es dann doch nicht.

Ich will damit sagen: Auch hier gibt es Leid, Einsamkeit, Not. Hier, genau vor unserer Nase. Und wir tun doch so oft nichts dagegen. Aber bezüglich Japan fühlen wir uns hilflos und „würden ja so gerne helfen, wenn wir nur könnten“. Ob das wirklich stimmt? Wenn wir ganz ehrlich mit uns sind?

Ich denke manchmal: wenn jeder nur mit den Menschen friedlich leben würde, die er kennt und wenn jeder nur all denen helfen würde, die um ihn rum sind, dann würde diese Welt doch ganz anders aussehen. Ich weiß genau, dass auch ich diesbezüglich sicher nicht das glänzende Vorbild bin. Aber so ist die Welt. Wir rödeln vor uns hin, unser Alltag frisst uns auf und letztendlich sind wir froh, dass es uns selber relativ gut geht. Angesichts solcher Katastrophen wie in Japan stellen wir sogar fest, dass es uns nicht relativ sondern verdammt gut geht.

Wir sollten allesamt versuchen, wenigstens ab und an etwas von diesem guten Gefühl an Mitmenschen weiterzugeben, denen das Glück nicht so hold war. Und zwar nicht nur in Form einer Geldspende. Finde ich.

Advertisements

2 Gedanken zu „Japan und das Mitgefühl

  1. Ja, du hast ganz sicher recht damit, dass es sich immer gefahr- und müheloser „mitleidet“, je weiter das Objekt des Mitleids entfernt ist. Da muss man nichts tun außer Leiden und gegebenenfalls Geld schicken und betroffen schauen. (wobei ich irgendwie auch mit-leide, vielleicht, weil die Medien das Leid so präsent machen, vielleicht aber auch, weil ich die ganze Zeit Parallelen ziehe: Industrienation, Machbarkeitswahn, unbeirrbarer Technikglaube, aber auch: Vertuschung, Verschweigen, Hilflosigkeit) … Vor Ort helfen ist immer schwieriger: man muss die Zeit finden, die Energie haben – und dann auch noch riskieren, dass jemand, dem man Hilfe anbietet, die am Ende gar nicht haben möchte …

    • Ich leide auch mit, klar. Aber dabei bleibt es eben dann bei den meisten, die jetzt so laut wehklagen, als hätte es sie selbst getroffen, das meinte ich. Dass man riskiert, dass jemand die Hilfe gar nicht will, finde ich zweitrangig – schließlich ist der „andere“ ein für sich selbst verantwortlicher Mensch, der ja durchaus auch „Nein“ sagen kann. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der Prozentsatz derer, die dringend Hilfe bräuchten, sich aber nicht zu fragen trauen, den derer, die ggf. offerierte Hilfe ablehnen würden, bei weitem übersteigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s