Hähä – Satisfaktioooon!

Wer den Geburtstagsartikel gelesen hat, der hat auch vom Störerkind gelesen. Letzten Dienstag habe ich mit der Mutter telefoniert und ihr die Sachlage dargelegt. Es ging mir einzig und allein um das Herumsuchen in den Zimmern und wieder Zurückholen der DS, von all den anderen „Nettigkeiten“ habe ich gar nicht erst angefangen, das sind Lappalien. Ich habe auch klargestellt, dass es mir nicht darum geht, das Kind anzuprangern, sondern viel mehr darum, dass es aus dem Vorfall lernt. Und zwar, dass man so etwas nicht macht, dass man sich entschuldigen sollte und sich klarmachen sollte, dass das nicht wieder vorkommen darf. Die Mutter stimmte mir zu, dankte mir sogar, dass ich sie darauf angesprochen habe und wollte am darauffolgenden Tag gleich mit dem jungen Herrn reden.

Am Mittwochnachmittag rief sie mich wieder an und bat darum, dass ihr Junge mit ihr bei mir vorbeikommen dürfe. Ich freute mich schon und dachte, er wolle sich entschuldigen, hatte aber keine Zeit und war auch außer Haus. Dann meinte sie, ob wir es am Wochenende noch machen könnten, denn er wolle etwas „klarstellen“. Sie verriet mir aber nicht, worum es ging, sondern sagte nur, das solle ihr Junge mir selber sagen.

Na toll. Ich machte mir schon Gedanken, ob ich ihn womöglich zu Unrecht verdächtigt hatte und nachts hatte ich sogar einen Alptraum wegen der ganzen Sache.

Heute traf ich nun besagte Eltern zufällig beim Einkaufen. Erst machten wir aus, uns später zu treffen, dann sprach mich der Vater hinter der Kasse doch noch an und meinte, das könnten wir doch auch schnell so klären. Und dann erzählte er folgendes:

Sein Sohn habe gesagt, dass es ein anderer Junge gewesen sei. Dabei hatte er eine Geschichte erzählt, die für mich sehr verdächtig nach „Verdrehung der Tatsachen“ klang. Der Vater aber sagte im Brustton der Überzeugung zu mir: „Nein, ich weiß, mein Sohn würde so etwas nie machen!“ Da klingelten bei mir wieder die Alarmglocken, denn ich habe beruflich so viel mit 10- bis 17-jährigen zu tun, dass ich aus Erfahrung weiß, dass man Kindern im Zweifelsfalle wirklich ALLES zutrauen sollte. Ich würde für meinen eigenen Sohn niemals die Hand ins Feuer legen, obwohl ich meine, ihn „gut erzogen“ zu haben. Ich weiß einfach, dass alle Kinder Fehler machen und dass so gut wie alle Kinder versuchen, diese Fehler hinterher zu vertuschen. Das sagte ich dem Herrn dann auch und er konnte schier nicht glauben, dass ich so denke. Ich glaube, er war geschockt, dass ich meinem Sohn solche Fehltritte zutrauen würde. Wahrscheinlich zweifelte er an meiner Erziehung. 😉

So weit, so gut. Die Mutter bestand auf weitere Klärung und wir beschlossen, uns nachmittags mit allen 3 Familien zusammenzusetzen. Also wir, sie und der von ihrem Sohn beschuldigte Junge plus Eltern. Mich interessierte durchaus auch, was dieser sagen würde. Ich kenne ihn auch recht gut und er ist auf der Party ein sehr angenehmer Gast gewesen, hilfsbereit, freundlich und zufrieden.

Ich ging nach Hause und erzählte meinem Mann von dem Vorfall, dieser fand das anberaumte Treffen „zuviel Bohei“ um die ganze Sache. Da bin ich aber nicht einer Meinung mit ihm, denn ich finde schon, dass Kinder merken sollten, dass es Dinge gibt, die nicht in Ordnung sind und die wir Erwachsene nicht nur nicht dulden, sondern die wir auch nicht unter den Tisch kehren, bis sie wirklich geklärt sind.  Und wieder geht es m.E. dabei nicht um ein Anprangern oder um harte Strafen, sondern rein ums „Verstehen“, darum, zu lernen, wie man mit eigenen Fehltritten umgeht.

Zu diesem Treffen ist es allerdings nicht gekommen.

Noch während wir beim Essenkochen darüber diskutierten, klingelte nämlich das Telefon und – das Störerkind war dran! Sehr, sehr kleinlaut und sehr, sehr verschämt entschuldigte es sich dafür, was es getan hatte und auch dafür, dass es den anderen Jungen beschuldigt hatte! Ich nahm die Entschuldigung an und gut war’s.

Sieh mal an. Ich hätte liebend gerne das Gesicht des Vaters gesehen, als der in Bedrängnis geratene „Übeltäter“ plötzlich geständig wurde! Dieser Mann wird noch des öfteren an meine Worte denken und seinem Sohn hoffentlich nicht mehr so voreilig alles abnehmen, was dieser ihm auftischt! Hihi. Das tat irgendwie gut…. 😀

Und ich hoffe, es versteht hier keiner was falsch. Es geht nicht darum, Misstrauen innerhalb der Familie zu säen. Im Gegenteil. Die Konsequenz aus der Geschichte sollte sein, dass alle Familienmitglieder sich bewusst werden, wie wichtig es ist, ehrlich miteinander umzugehen. Denn nur dann können Eltern ihren Kindern wirklich beistehen – wenn sie sich sicher sein können, dass ihnen die Wahrheit gesagt wird.

Vielleicht haben aus dieser Geschichte doch ein paar Menschen was gelernt. Alleine dafür hätte sie sich ja dann doch gelohnt.

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2 Gedanken zu „Hähä – Satisfaktioooon!

  1. Finde ich to-tal super, dass du das gemacht hast!! Hut ab, ich hätte mich wahrscheinlich nur in mich hinein geärgert und wäre dem Konflikt aus dem Weg gegangen. Toll, einfach toll von dir, wirklich, denn dazu gehört schon auch Mut und Konfliktfähigkeit. Im letzten Jahr gab es in unserer unmittlebaren Nachbarschaft einen Zwischenfall, der mich SEHR geärgert hat und ich habe nix gesagt. Es beschäftigt mich bis heute und ich ärgere mich am meisten über mich selbst.

    • Danke für das Kompliment. Trotzdem muss ich dazusagen, dass ich auch nicht immer tätig werde. Wir haben z.B. eine total üble Nachbarin (naja, Fast-Nachbarin, sie wohnt in der gleichen Häuserreihe wie wir drei Häuser weiter), die nie grüßt, mit ihrem Auto viel zu schnell durch die Spielstraße heizt, sich dann noch beschwert, wenn mal ein Auto vor der Garage zwischengeparkt ist (da kommt man wunderbar vorbei, wenn man LANGSAM fährt!) und ihre halb gerauchten Zigarettenkippen vom Balkon auf den angrenzenden Spielplatz schnippt!!! So ein blöde Kuh! Und irgendwie mach ich da auch nichts. Aber so langsam reichts mir.

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