Wenn die lieben Kleinen nicht einschlafen wollen (oder können)

Aus aktuellem Anlass kommt hier ein Beitrag zum Thema Einschlafschwierigkeiten. Im Moment rühren sie bei den meisten Kindern natürlich von der Zeitumstellung her. Aber wenn die nicht verantwortlich gemacht werden kann, was zum Teufel ist es dann? – das fragt sich sicher jeder Papa und jede Mama wiederholt im Alltag mit Kindern.

Ich habe in meiner jetzt fast genau elf Jahre währenden Erfahrung neben den üblichen (Entwicklungssprung, Schmerzen, Krankheit)  vier Hauptgründe ausmachen können, die immer wieder zu Schlafproblemen führen. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zudem handelt es sich hier um eine Studie mit nur drei Probanden, sie ist also nicht wirklich allgemein aussagekräftig. Trotzdem denke ich, dass die einen oder anderen sich (bzw. ihre Kinder) darin wiedererkennen können – und vielleicht kann ich ja auch der einen oder anderen Mutter den entscheidenden Hinweis geben, der zu einer Lösung beiträgt.

Temperaturschwankungen

Ein sehr häufiger Grund: Durch Wetterwechsel bedingte Temperaturschwankungen. Ist das Kind zu warm oder zu kalt angezogen, kann es oft deshalb nur schlecht einschlafen bzw. wacht nachts immer wieder auf. Das gilt vonehmlich für kleine Kinder, die im Schlafsäckchen schlafen oder sich nachts öfters mal ab-, aber nicht wieder zudecken.

Abhilfe kann ein Raumthermometer schaffen, gepaart mit ein wenig empirischem Forscherdrang der Eltern. So sollten sie nach einiger Zeit herausbekommen, bei welchen Temperaturen das Kind welche Menge an Kleidung tragen sollte, welchen Schlafsack oder welche Decke es benötigt.  Das alles hört sich vielleicht banal an, aber man darf nicht vergessen, dass Kinder nicht so wie wir Erwachsenen ihre Temperatur im Schlaf selber regeln können, indem sie sich ab- oder zudecken, mal einen Fuß rausstrecken oder die Socken abstreifen.

Entwicklung

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Grund: Das Kind ist schlichtweg älter geworden und braucht weniger Schlaf. Um herauszubekommen, ob es daran liegt, kann man einfach mal ein bis zwei Wochen lang ein Schlafprotokoll führen und die Schlafzeiten mitteln. Dann zeigt sich, ob es z.B. sinnvoll wäre, den Mittagsschlaf zu kürzen oder gar ganz weguzlassen oder bei einem älteren Kind, ob man ihm einfach gestattet, noch eine halbe Stunde länger im Bett zu lesen etc.

Ritual

Das Schlafritual ist „überholt“. D.h. es funktioniert nicht mehr, erfüllt seinen Zweck nicht mehr und sollte deshalb überdacht und reformiert werden. Die Schlafrituale unserer Kinder haben sich über die Jahre immer wieder geändert – meist auf mein Bestreben hin, nachdem ein altes nicht mehr funktionierte.

Man merkt, dass ein Ritual überholt ist,…

  • wenn das Kind nicht mehr gut / schnell daraufhin einschläft
  • wenn es beginnt, die Eltern massiv zu nerven (z.B. weil man dabei zeitlich zu lange mit involviert ist oder man ständig gestört wird)
  • wenn das Kind beginnt, dessen Regeln auszuhöhlen

Dann ist es an der Zeit, zu überlegen, was einen genau nervt, was man von dem Kind möchte und wie man das in ein gutes, Ruhe bringendes Ritual verpacken kann. Erst, wenn man zu dem Schluss gekommen ist, ein perfektes Ritual gefunden zu haben,  sollte man es dem Kind nahebringen. Ich habe das einmal dokumentiert, da kann man gut nachlesen, wie so etwas ablaufen könnte.

Ängste

Ab und an kann es auch sein, dass ein Kind schlecht einschläft, weil es Ängste hat. Wobei das meistens der Grund ist, den es auch selber orten und benennen kann. Trotzdem finde ich, dass es der am schwierigsten zu bewältigende Grund für Schlafprobleme ist. Denn zum einen möchte ich meinem Kind natürlich das Gefühl der Geborgenheit zurückgeben, zum anderen möchte ich aber auch nicht mühsam aufgebaute Fähigkeiten (alleine einschlafen, durchschlafen) dafür opfern. Hier wandelt man auf einem dünnen Grat und oft ist guter Rat teuer…

Mir selber hat geholfen, zu verstehen, warum Kinder in einem gewissen Alter Angst vor Dunkelheit entwickeln. Der gute Herr Renz-Polster, den ich auch zu anderen Themen sehr empfehlen kann, hat es in Kapitel 4 und 5 seines Buches „Kinder verstehen – Born to be wild. Wie die Evolution unsere Kinder prägt“ gut auf den Punkt gebracht, dass diese Ängste vollkommen natürlich sind und ihren Grund haben, bzw. hatten.

Nun ist damit das Problem natürlich noch nicht gelöst. Meine persönlichen Lösungsansätze sahen bisher so aus:

Äußerlich:

  • Tagesablauf des Kindes entstressen und auf zuviel Medieneinsatz etc. hin checken, ggf. anpassen.
  • Abendritual ebenfalls auf Störfaktoren untersuchen und ggf. anpassen.
  • V.a. vor dem Einschlafen für mehr Ruhe und Nähe sorgen. Gemeinsam ein Buch lesen, über den Tag reden, beten, was auch immer man da bevorzugt.

Psychisch:

  • Gibt es Stressfaktoren im Alltag? Hat das Kind Probleme z.B. in der Kita? nachforschen, ggf. einschreiten.
  • Oft sind die Ängste aber auch einfach entwicklungsbedingt, also nicht zuviel hineininterpretieren… (siehe Buch)
  • Manchmal helfen Schutzrituale (z.B. eine große, unsichtbare  „Liebesblase“ über dem Kind generieren, durch die nichts Böses hindurchkommt, nur die Eltern und Geschwister und die Kuscheltiere können diese Barriere überschreiten. Oder ein Beschützer wird aufgestellt, das kann z.B. ein Spielzeugdrache, -ritter oder -held sein, der das Bett bewacht, so lange das Kind schläft.)
  • dem Kind immer wieder versichern, dass die Ängste unbegründet sind, dass absolut nichts gergleichen passieren kann (ohne ihm das Gefühl zu geben, es nicht ernst zu nehmen!)

Körperlich:

  • tagsüber für ausreichend Bewegung sorgen (hilft allerdings bei meinen Kinder nur bedingt – ich habe das Gefühl, je mehr sie sich bewegen, desto fitter werden sie! ;-))
  • Wir haben auch gute Erfahrungen mit Homöopathie gemacht: z.B. Schüssler Salze Nr. 5 (1-2 Tabs beim Zubettgehen) oder „Avena comp.“ von Wala, 5-10 Kügelchen nach Angabe eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen.

Heute mittag habe ich diesen Artikel begonnen und gerade beim Zubettbringen der Kinder fiel mir noch ein fünfter Grund ein.

Falscher Zeitpunkt

Viele Kinder schlafen schlecht ein, wenn sie zum falschen Zeitpunkt ins Bett gelegt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder (und auch Erwachsene?!) einen regelmäßigen Rhythmus von Wach- und Ruhephasen haben. Abends sollte ca. alle 50 Minuten eine müde Phase wiederkehren, die etwa für 10-20 Minuten anhält.

Um diese Phasen herauszufinden lohnt es sich, das Kind einmal genau zu beobachten. Wann beginnt es, zu gähnen, sich die Augen zu reiben, sich freiwillig auf den Boden zu legen oder quengelig zu werden? Man kann sich (fast) sicher sein, dass eine gute Dreiviertelstunde später wieder ein Schlaffenster geöffnet wird. Und dann heißt es bereit sein!

Wichtig ist, mit dem Schlafritual nicht zu spät zu beginnen, denn dann kann es ein, dass das Kind das Schlaffenster bereits wieder verlassen hat, wenn es endlich im Bett liegt und das Licht aus ist. Bei unserem Kurzen hat dieses Vorgehen vor ca. einem dreiviertel Jahr die Einschlafphase von einer guten halben Stunde auf 10 Minuten verkürzen können.

Das war es von meiner Seite.

Und welche Gründe für Schlafprobleme gibts so bei Euch? Und wie geht ihr mit diesen und ggf. denen, die ich genannt habe, um? Das würde mich echt interessieren!

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