Essen im Urlaub – „all inclusive“, auch die Nebenwirkungen :(

Seit ein paar Tagen treibt mich eine Frage um, die unseren nahenden Urlaub betrifft. Wir haben Anfang des Jahres eine Woche Kinderhotel mit „all inclusive“-Verpflegung gebucht, ohne groß drüber nachzudenken. Als wir das letzte Mal in so einem Hotel waren, gab es die Maus noch nicht und der Kurze konnte noch alles essen. Der Große hatte zwar seine Farbstoff-Unveträglichkeit, aber ihn von den regenbogenfarbigen Limonaden wegzuhalten, war eigentlich kein größeres Problem.

Nun sieht aber alles anders aus:

1. Die Maus

Weizenunverträglicheit. Und zwar so richtig. Kleinste Mengen, z.B. in einer Soße, reichen aus, um ihre Haut rauh und juckig zu machen. Sie beginnt dann, zu kratzen und nach kurzer Zeit ist alles von blutigen Kratzspuren übersät und sie ist extrem jammerig und schläft schlecht. Kein Wunder, wenn einen alles juckt!

2. Der Kurze

Fruktoseintoleranz. Und zwar zur Zeit sehr akut, weil er im Kindergarten ohne mein Wissen viel zu viel Obst gegessen hat. Was faktisch bedeutet, dass ich ihn ernährungstechnisch für ca. 4-6 Wochen komplett von Fruktose runterfahren muss, um die Bauch- und Kopfschmerzen, die er zur Zeit quasi ständig hat, sowie die ebenfalls daraus resultierenden starken Stimmungsschwankungen wieder wegzubekommen.

Und das ist sehr einschränkend. Es ist nicht nur mit Obst weglassen getan, nein auch fast kein Gemüse geht, kein Vollkorn, kein Roggen, keine Gerste, kein Soja, kein Haushaltszucker, Honig, Marmelade, folglich auch kein Keks, kein Stück Kuchen, kein Eis, absolut nichts Süßes, das es im Allgemeinen auf „all inclusive-Buffets“ so gibt.

3. Der Große

Die unkomplizierteste Person hier im Haus. Er muss nur künstliche Farbstoffe und Kohlensäure meiden. Das ist übersichtlich und wenig problematisch. Außerdem war er immer schon ein sehr kooperatives Kind.

4. Ich

Weizenunverträglichkeit. Aber nicht soo wild. Ich bekomm ne unreine, fleckige Haut davon und Blähungen. Das wars. Ob ich mir das gebe oder nicht, kann ich spontan entscheiden.

Absolut keinen Zuckerkonsum. Und zwar auch kaum Obst. Denn ich streife am Diabetes entlang und wenn ich vermeiden will, dass das so richtig ausbricht, muss ich mich wirklich daran halten. Wenn ich sündige, straft mich mein Körper mit einem hohen Blutzuckerspiegel, der mich extrem müde und schlapp werden lässt.

5. Der Göttergatte

Aus gesundheitlichen Gründen kein Zucker. Es passiert nicht viel, wenn er sündig, außer dass er zunimmt und folglich schlechte Laune bekommt. 😉 Aber er ist seit Monaten wahnsinnig standhaft und hat kein Fitzelchen Süßes zu sich genommen, was ich sehr beeindruckend finde. Er sitzt stoisch an einer Kaffeetafel und guckt den anderen beim Kuchenessen zu. Sehr cool! Ich bin so stolz auf ihn!

 

So sieht das also aus. Am schlimmsten hat es definitiv den Kurzen getroffen. Und ausgerechnet er ist auch der, dem solche Dinge am schwersten fallen. Er liebt Süßes und er hasst Einschränkungen aller Art.

Und ich sehe uns also dort vor diesen Riesenbuffets stehen und Dreiviertel der Nahrungsmittel gehen für irgendeinen am Tisch nicht. Ich fürchte Heularien vom Kurzen und von der Maus, wenn Dinge am Tisch gegessen werden, die sie nicht dürfen. Wir können aber auch nicht verlangen, dass alle nur noch essen, was für alle geht, denn dann bleibt nicht mehr viel übrig.

Was ich mir schon komplett abgeschminkt habe, ist die Teilnahme an der „Nachmittagsjause“. Den Anblick all der Kuchen und Torten kann ich mir sparen, da außer dem Großen sowieso keiner davon essen darf. Der kann ja zum Glück schon alleine hingehen und es sich gut gehen lassen… 😉

Und weiterhin? Ich werde wohl die Küche vorwarnen müssen, vor allem für die Abendgerichte und vor allem wegen der Weizengeschichte. In Hauptgerichten ist per se nicht viel Zucker enthalten, deshalb bedeuten sie für meinen Mann und mich kein Problem, und für den Kurzen können wir die Dinge aussuchen, die gehen.

Außerdem habe ich mir überlegt, ob ich die Kinder irgendwie anderweitig belohnen kann, wenn sie auf ihre Unverträglichkeiten achten und nicht rumtoben, weil es eben kein Eis gibt. Mit Bonuspunkten, für die sie sich am Ende vom Urlaub was aussuchen dürfen oder so.

Und wir werden natürlich auch eigene Nahrungsmittel mitnehmen. Süßigkeiten, die der Kurze essen darf (alles nur mit Traubenzucker Gesüßte geht), Getränke, die er verträgt. Kekse aus Dinkel für die Maus. Stevia zum Süßen, denn das vertragen zum Glück alle!

Trotzdem habe ich Bauchgrummeln bezüglich des Urlaubs. Es ist so schade, dass man nicht einfach unbeschwert drauflos essen kann, einfach Spaß haben und genießen. Hätten wir das vor ein paar Monaten schon gewusst bzw. uns bewusster gemacht, hätten wir wohl einen anderen Urlaub gebucht. Einen mit Selbstverpflegung…. denn ich bin mir noch nicht sicher, was stressiger ist – selber kochen (zur Zeit sehr aufwändig und mit viel Sonderregeln verbunden) oder Spießrutenlaufen im Pradies der verbotenen Dinge….

Wenn jemand noch eine gute Idee hat, wie wir diese Woche einigermaßen ungestresst durchstehen können, dann immer her damit! Ich bin für jeden Gedankenanstoß dankbar!

 

 

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2 Gedanken zu „Essen im Urlaub – „all inclusive“, auch die Nebenwirkungen :(

  1. Mein Bruder hatte als Kind jede Menge Allergien, Neurodermitis, Asthma, ach so ziemlich alles. Er durfte keine Milch, kein Ei, Weizenmehl, Tomate, Zuccini, Zitrusfrüchte, Nüsse u.v.v.v.m. Leider kann ich mich nicht mehr so gut erinnern, wie wir das im Urlaub gelöst haben. Ich glaube, er war da sehr kooperativ und wir waren immer – wenn nicht sowieso Selbstversorger – in ganz kleinen Hotels, wo man eher mal für ihn individuell gekocht hat. Und außerdem war er der einzige in der Familie, der mit solchen Einschränkungen leben musste. Wenn Du eine konkrete Frage hast, schreib mir doch eine Mail, dann frage ich meine Mutter, wie sie solche Probleme gelöst hat.
    Die Idee mit den Belohnungen finde ich an sich praktisch und gut, aber wie alt sind Deine Kinder denn? Verstehen sie schon, dass sie sich nichts Gutes tun, wenn sie z.B. Eis essen? Mein Bruder hat das glaube ich sehr sehr früh verstanden, ich kann mich jedenfalls kaum erinnern, dass es mal Tränen wegen Süßkram oder Eis gegeben hätte. Toll fand er es nicht, das ist klar, aber er hat es akzeptiert. Aber vielleicht täusche ich mich, ist ja nun doch schon 20 Jahre her. 😉

    • Vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Wie ich schon sagte, ist ausgerechnet unser „am ärgsten Eingeschränkter“ unser vierjähriger Sohn, der schon rein von seiner Art her sich nicht gerne einschränken lässt, sich schnell mal zurückgesetzt vorkommt, wenn er das Gefühl hat, er kommt zu kurz, etc. Mein Großer hat mit vier schon ganz selbstverständlich drauf geachtet und im Kindergarten sogar selber einen Geburtstagskuchen mit Smarties drauf abgelehnt, bzw. die Smarties abgemacht und nicht gegessen. Der Kurze hingegen hat bei einem Erzieherwechsel im Kindi, bei dem die wesentlichen Infos leider nicht weitergegeben wurden, die Situation einfach ausgenutzt und bei jeder Brotzeit fröhlich Obststückchen gegessen. Klar, schmeckt ja auch gut. Und ich kann ihn da auch irgendwo verstehen. Sein Bewusstsein war da nicht sehr ausgeprägt, weil Fruktose bei ihm ja nicht sofort Probleme macht, sondern erst, wenn er es ne Weile lang übertreibt….
      Mal sehen. Im Moment läuft es im Kindergarten gut. Aber da gibt es ja auch nicht so ein mega voll geladenes Büffet…. :-/

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