Bei sich selber sein

Gerade komme ich von einem Treffen mit einem wirklich guten, alten Freund. Kennengelernt habe ich ihn mit 20 in meinem Studium. Ich studierte Lehramt, die Fächer Deutsch, Kunst und Technik. Er war (und ist) Künstler durch und durch, besuchte die Lehrveranstaltungen in Kunst eigentlich nur, um „drin“ zu bleiben, so lange bis er sein eigentliches Designstudium beginnen konnte. Wir hatten ne Menge Spaß, haben die praktischen Übungen aufgemischt, zusammen gemalt, gezeichnet und gefeiert und mochten uns sehr gerne. Er gab Aktzeichenkurse an der VHS und ich stand Modell dazu. Dann lernte er eine Frau kennen und das veränderte natürlich auch unsere freundschaftliche Beziehung – er hatte (verständlicherweise) nicht mehr so viel Zeit, seine Freundin, nennen wir sie Sophie, lernte ich komischerweise nie kennen.

Ein halbes Jahr später zog er weg, um sein Studium zu beginnen und wir verloren uns aus den Augen.

Erst vor vielleicht vier Jahren trafen wir uns wieder, ich hatte aus Neugier nach ihm gegoogelt und war komplett baff, zu entdecken, dass er hier in München lebt und arbeitet. Seitdem haben wir wieder einen schönen, freundschaftlichen, wenn auch sporadischen Kontakt. Und siehe da: er war immer noch mit Sophie zusammen. Ich lernte sie endlich kennen und war – geschockt.

In meinen Augen passte sie in keinster Weise zu ihm, wenn er eine Schwarzwälderkirsch-Torte wäre, dann könnte man sie Knäckebrot taufen. Es stellte sich auch schnell heraus, dass er nicht wirklich glücklich war. Und ich konnte noch weniger verstehen, warum er fast 20 Jahre mit dieser Frau verbringt, die ihm so wenig geben kann und will.

Dazu kamen Probleme im Job und in den letzten Jahren begann plötzlich alles in seinem Leben zu bröckeln. Erst gab er den Job auf, dann begann er mit einer Therapie. Jetzt haben wir uns seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen und vor ein paar Wochen bekomme ich eine SMS, dass er sich von Sophie getrennt hat. Heute haben wir uns getroffen und lange geredet.

Seine neue Job-Lösung gefällt ihm gut. Er hat eine neue Frau kennengelernt, unternimmt viel und erlebt tolle Sachen. Er meditiert und fühlt sich gut damit.

Es ist wunder-wunderschön zu sehen, wie sehr dieser Mensch in den letzen Jahren zu sich selber gekommen ist, wie nah er sich und seinen Bedürfnissen endlich ist. Grund ist nicht Sophie, es gibt andere Gründe, aber klar war, dass er Sophie hinter sich lassen würde, in dem Moment, in dem er endlich Kontakt zu sich und seinen Bedürfnissen gefunden hätte. Und genau das ist passiert.

Ich bin sehr froh für ihn und es macht mich glücklich, ihn so gesettelt und frei zu erleben.

Es ist nie zu spät, wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden! Auch wenn man 20 Jahre lang oder noch länger falsch abgebogen ist, kann alles noch anders werden.

Und das wünsche ich jedem, der dieses Ziehen in sich spürt, jedem, der merkt, er ist nicht da, wo er hingehört. Hört auf Euch! Traut Euch! Lebt! Es gibt nur dieses eine Leben…..

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2 Gedanken zu „Bei sich selber sein

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