Ein mehr als unerquicklicher Arztbesuch

Gestern nachmittag hatte ich mit den zwei Kleinen einen längst überfälligen Impftermin. Erst vor 14 Tagen muste ich wieder mal einen verschieben, weil einer der beiden krank war. Und zwar auf gestern.
Die erste Ernüchterung bereits am Tresen: „Sie haben heute erst angerufen?“ Ich, erstaunt zurückfragend:“Nein, vor 14 Tagen, warum?“ Daraufhin die Sprechstundenhilfe:“Der Termin ist hier aber so reingequetscht“‚ (deutet auf das Terminbuch) , „das bedeutet, dass sie reingeschoben wurden und warten müssen!“ Ich habe nochmals darauf hingewiesen, dass ich den Termin regulär ausgemacht habe, saß dann aber trotzdem eine geschlagene Stunde im Wartezimmer, bis wir endlich dran kamen. Zum Glück waren die Kids echt gut drauf und lieb.
Aber was dann folgte, war der Hammer. Die Ärztin kam rein, guckte durch die Impfbücher der beiden, untersuchte sie, und beschloss dann, nicht die noch fehlende MMR zu impfen, da der Kurze einen leicht roten Hals hat, sondern lieber die noch fehlende Meningokokkenimpfung. So weit, so gut. Ich vertraute ihr diesbezüglich, da sie ja den Überblick hatte, was noch fehlt.
Die Kids waren beide supermutig und hielten Oberarm, bzw. -schenkel hin, jammerten kurz und gut war. Endlich wieder ein Stück weitergekommen, freute ich mich, denn seit die Maus auf der Welt und der Kurze im Kindergarten ist, war es wie schon gesagt, nicht mehr so leicht, infektfreie Zeiten fürs Impfen zu finden.
Doch plötzlich ein Räuspern neben mir am Schreibtisch. Dann, stotternd, die Beichte, dass Sie meinem Jungen wohl doch die falsche Impfung verpasst hat. Der hatte Meningokokken nämlich bereits vor zwei Jahren geimpft bekommen. Das hatte sie aber zuvor beim Durchsehen überlesen.
Ich dachte, ich höre nicht recht…..
Da sitze ich nun stundenlang rum, meinen Sohn habe ich tagelang auf den Pieks vorbereitet und er hat es auch tatsächlich geschafft, den Arm hinzuhalten, und jetzt das!
Ich bin grundsätzlich Impfungen gegenüber eher positiv eingestellt, was aber nicht bedeutet, dass ich Lust darauf habe, meinen Kindern fröhlich eine Dosis nach der anderen reinzujagen, egal ob sinnvoll oder nicht. Jede Impfung wäge ich vorher ab und nun sitze ich da und mein Sohn hat fälschlicherweise eine verpasst bekommen, nur weil die Ärztin nicht fähig ist, ein Dokument gründlich zu lesen….. Mann, ich hab echt nen Hals!
Heute habe ich dann noch mit dem Chef der Praxis telefoniert. Ich wollte gestern im Beisein der Kinder auf keinen Fall darüber diskutieren, allein schon deswegen, weil mein Sohn sonst sicher mitbekommen hätte, dass die ganze Piekserei für den A… war.
Er hat sich tausendfach entschuldigt, und ich habe darauf bestanden, dass ich für diese Fehlbehandlung auf keinen Fall eine Rechnung gestellt haben will. Dem stimmte er zu. Auf meinen Vorschlag, die Impfungen in seiner Praxis doch in Zukunft etwas sicherer und übersichtlicher zu dokumentieren, ging er nicht ein, bzw. verwies darauf, dass mit jedem System Fehler passieren würden. Mit diesem Gespräch ist die Sache nun offiziell erledigt, auch für mich. Ein blödes Gefühl bleibt trotzdem.
Klar weiß ich, dass Ärzte auch Menschen sind und dass Fehler nun mal passieren. Ich weiß auch, dass dieser Fehler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen gesundheitlichen Schaden für meinen Sohn bedeutet. Und trotzdem fühlt es sich mies an, einem Menschen die Gesundheit der eigenen Kinder anvertraut zu haben und so ins Messer gelaufen zu sein.
Man stelle sich vor, es wäre ein fatalerer Fehler passiert….. was ja auch durchaus schon passiert ist. Immer wieder lese ich über an Behandlungsfehlern gestorbenen oder durch solche schwer behinderte Kinder. Das ist schrecklich. Einen kleinen Geschmack dieser Hilflosigkeit habe ich gestern erfahren…..

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4 Gedanken zu „Ein mehr als unerquicklicher Arztbesuch

  1. Das ist ja wirklich unschön gelaufen. Wobei ich nicht ganz verstehe, wieso die Ärztin plötzlich entscheidet, was geimpft wird. Wenn ich meine Jungs habe impfen lassen, habe ich gesagt, was ich impfen lassen will und das wurde dann auch so gemacht. Wenn ich also zum MMRV-Termin komme, impft mir niemand irgendwas anderes. Vor allem nicht wegen eines leicht roten Halses. Mein Arzt hat gesagt, solange die Kinder fieberfrei sind, kann geimpft werden. Sonst wird man ja nie fertig, denn wie du schon festgestellt hast, sind infektfreie Zeiten rar gesät.
    Aber gut, da ist wohl jeder Arzt anders.

    • Es war einfach so, dass ich sie gebeten habe, mir zu sagen, was vom Alter her alles fehlt und sie dann meinte, das wäre zum einen MMR und zum anderen die Meningokokken. Und da eine Lebendimpfung immer den Körper mehr stresst, empfahl sie mir dann, die Kokken impfen zu lassen und für die MMR einen neuen Termin zu machen. Ich wollte bloß im Text nicht alles so ausführlich schreiben, er ist so schon ziemlich lang….

      • Tja, also merke: Impfbuch selbst checken und im STIKO-Impfplan nachschauen, ob was fehlt, dann kann so ein Irrtum nicht passieren.
        Hoffentlich klappt dann endlich der nächste Termin, gerade MMR ist eine wichtige Impfung, wie ich finde.

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