Stöckchen

…“geklaut“ (nö, sie hat es ja so gewollt! 😉 ) von Ayse:

1. Wie bist du zu deinem Studienfach bzw. deiner Ausbildung gekommen?

Oh, mein beruflicher Werdegang ist eine laaange Geschichte! 🙂 In der Schulzeit wusste ich gar nicht recht ,was ich werden wollte. Ich beneidete still und heimlich die Mitschüler, die schon lange einen Berufwunsch hegten und sich darauf freuten. Gezeichnet, gemalt und gewerkelt habe ich immer schon gerne, so überlegte ich mir in der Oberstufe, in der ich auch den Kunst LK belegt hatte, dass ich gerne etwas Kreatives machen und Architektur studieren würde. Das war aber aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich (ich hatte eine Zement-Allergie). Also entschied ich mich, Design zu studieren, wovon mich mein Cousin, der in der Branche tätig ist, abbrachte. Er meinte, Design hätte sehr wenig mit freier Kreativität zu tun, weil man immer von den Kunden gegängelt werden würde. Heute ärgert es mich ein wenig, dass ich mich davon habe abhalten lassen.

Dann erzählte mir ein guter Freund, er sei zum Medizinertest angemeldet, den man damals (heute auch noch??) machen musste, um zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Aus Jux machte ich auch mit – und kam mit einem umwerfend positiven Ergebnis heraus. So positiv, dass meine Abiturnote nicht mehr von Belang wäre – die besten 10% wurden einfach so genommen. Also entschied ich mich spontan, mit meinem guten Freund gemeinsam die Arztlaufbahn einzuschlagen.

Wir wurden allerdings von der ZVS nach Homburg im Saarland versetzt, ein kleines Provinzkaff, in dem man lediglich Medizin studieren kann. Dort ging es mir nicht gut, ich entwickelte eine Angstneurose und musste das Studium nach dem zweiten Semester abbrechen.

Ich ging nach Hause zu meinen Eltern zurück, schuftete bei einem Freund meiner Eltern für ein paar Monate in einer orthopädischen Schuhmacherei und versuchte, mir darüber klar zu werden, was ich denn nun tun sollte.

Die Kreativität hatte mir in den zwei Semestern Medizin sehr gefehlt. Eine Mappe für die Kunstakademie herzustellen, traute ich mir nicht zu, also beschloss ich, Kunst-Lehramt für Realschule zu studieren. Ich bewarb mich in Freiburg im Breisgau und hatte keine Ahnung davon, welche weiteren Fächer ich belegen sollte – damals musste man drei Schulfächer plus Pädagogik studieren. Ich entschied mich für Englisch und Biologie – und wechselte nach dem ersten Semester auf Deutsch und „Natur und Technik“. Dabei blieb ich letztendlich, bis ich das erste Staatsexamen hatte.

Danach wollte ich doch nicht mehr Lehrerin werden und studierte auf eigene Kosten Pädagogik weiter. Nebenher arbeitete ich in einem Laden für Gesellschaftsspiele, bei einem Biobäcker und in einem Copyshop.

Nach weiteren zwei Semestern wurde mir klar, dass ich so nie zu einem Ende kommen würde, weil ich pro Semester nur sehr wenige Scheine machen konnte – irgendwo musste ja das Geld herkommen.

Also machte ich doch das Referendariat und das zweite Staatsexamen – und bin jetzt Realschullehrerin für die Fächer Bildende Kunst, Deutsch und „Natur und Technik“, was es hier in Bayern (damals wohnte ich noch nicht in Bayern) so nicht gibt. Hier gibt es nur „Werken“, das geht nur bis zur 6. Klasse. Meinen ersten Job als fertig ausgebildete Lehrerin trat ich 1999 an – mit 30 Jahren!

Tja, alles andere als „straight“. Ich werde wohl kaum meinen Kindern mal Vorwürfe machen können (würde ich auch gar nicht wollen), wenn es bei ihnen mal ähnlich turbulent auf ihrem beruflichen Weg zugehen sollte. 🙂

2. Hast du einmal Weltschmerz durchlebt?

Oh ja, des öfteren. Früher, in meinem jungen Erwachsenenleben öfter und stärker als heute. Aber zum Glück bin ich jemand, bei dem der Zeiger immer in beide Richtungen ausschlägt – ich kann nicht nur sehr down, sondern auch sehr positiv sein. Froh bin ich über beides – ich bin ein Gefühlsjunkie und erlebe es meistens positiv, intensive Gefühle zu haben, egal welche. Nichts macht mich mehr sprachlos, als Gleichgültigkeit und Gefühlskälte.

3. Was war das größte Glück, das du erlebt hast?

Meine allererste große Liebe mit 18, dann, dass ich meinen Liebsten in den Weiten des Internets gefunden und dieses riesige, tiefe Liebesgefühl ein zweites Mal erleben durfte – und die Geburten meiner drei Kinder. Unfassbare Momente und tief empfundene Zuneigung, die ich immer im Herzen tragen werde.

4. Hast du politisches Interesse? Warum/ warum nicht?

Ja, eigentlich schon. Leider habe ich wenig Zeit, mich mit den Dingen genau zu befassen. Denn ich bin der Meinung, dass es ein Lebensbereich ist, mit dem man sich schon intensiv beschäftigen muss, um sich echte Meinungen bilden zu können. Trotzdem versuche ich, mich aktiv an Politik zu beteiligen, indem ich z.B. zahlendes Mitglied bei greenpeace bin und indem ich immer wieder an verschiedenen Online-Petitionen des AVAAZ-Netzwerks teilnehme. Außerdem gehe ich immer wählen, wenn es was zu wählen gibt, auch wenn mir das nicht leicht fällt. Oft scheint es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu geben….

5. Wenn du für einen Monat verreisen könntest, wohin würde es dich ziehen?

Hmm, kommt ganz darauf an, ob mit oder ohne Kinder. Ohne Nachwuchs würde ich unheimlich gerne mal ganz in den Norden, und Mittsommerächte erleben, in denen es nie ganz dunkel wird. Ich würde den Monat aufteilen und die skandinavischen Länder sowie Irland besuchen wollen.

Mit Kindern würde ich gerne mal einen ganzen Monat irgendwo auf einer paradiesischen Trauminsel in der Karibik mit lauem, kristallklaren Meerwasser, Palmen, weichem, weißen Sand und ewigem Sonnenschein verbringen.

6. Hast du dich schon einmal in Glücksspielen versucht?

Ich habe ein paar Mal in meinem Leben Lotto gespielt. Das wars dann auch. Ich spiele lieber Gesellschaftsspiele.

7. Lieber eBook oder Printausgabe?

Ich habe ein einziges Mal auf meinem iPhone ein eBook gelesen. Das war…. seltsam. Ayse hat es wunderbar beschrieben: Ich brauche ebenfalls das Haptische – ein Buch in der Hand, den Geruch der neuen Seiten, wissen, dass es in meinem Regal steht.

8. Als welchen Einrichtungstyp würdest du deine Wohnungseinrichtung beschreiben? (z.B. gutbürgerlich, modern, zeitlos, minimalistisch….)

Puh. Im Labeln bin ich nicht gut. Mein eigener Stil? Bunt, kreativ, Stilmix. Unser Familienstil? Hell, skandinavisch – landhausmäßig angehaucht, mit bunten, fröhlichen Farbtupfen überall.

9. Hand aufs Herz: Lottogewinn teilen oder für dich behalten?

Teilen. Mit meiner eigenen Familie, meiner Herkunftsfamilie und meinen besten Freunden. Aber da ich eh nie Lotto spiele, wird das ewige Theorie bleiben.

10. Hast du einen grünen Daumen?

Nö, nicht wirklich… Bei mir gibts hauptsächlich Sukkulenten, die mit den dicken Blättern, die Kamele unter den Pflanzen, die es mir nicht übel nehmen, wenn ich sie mal ein paar Wochen lang vergesse. Draußen vor der Haustür habe ich immer gerne ein paar Blütenpflanzen, die halten so eine Saison durch, dann pflanz ich eh was Neues. Und frische Schnittblumensträuße mag ich gerne. Um die muss ich mich aber ja auch nicht kümmern, die erfreuen mein Auge ca. eine Woche lang, dann kommen sie weg.

11. Welchen Plan / Wunsch schiebst du schon länger vor dir her, den du nie erfüllt hast?

Siehe oben: Mittsommernacht in Schweden. So ein paar weitere Wunsch-Reiseziele. Ein Buch schreiben. Mal eine Woche im Kloster schweigen und meditieren. Ein Cafe eröffnen, in dem man auch Bücher und Brettspiele anlesen / ausprobieren und kaufen kann. Ein eigenes Atelier besitzen. Mit meinem Mann für ein verlängertes Wochenende nach Barcelona fliegen. Ohne Kids. Das ist so das, was mir spontan einfällt.

Ach ja, und wer es an sich nehmen möchte, das Stöckchen, sei herzlich dazu eingeladen.

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8 Gedanken zu „Stöckchen

  1. Ich danke dir auch dafür, dass du mitgemacht hast. Ich bin also nicht die Einzige mit dem chaotischen Lebenslauf. Ist ja auch eine Form von Kreativität. 😉

  2. Wuah, und ich studiere schon seit hundert Jahren. Dieses Jahr werde ich fertig! 🙂
    So Gott will und ich lebe.
    Bei „Zementallergie“ musste ich breit grinsen. Auch wenn es gar nicht witzig ist. Wat es nich alles jibbt.

    • Tja, wir hier in der Familie sammeln Allergien wie andere Leute Briefmarken… Ich geb ja zu, dass das was Groteskes hat. Allerdings nur aus der Distanz betrachtet. Ich wäre aber nicht ich, würde ich nicht beizeiten diese innere Distanz finden, darüber herzlich zu lachen! 😀 Hey, und *Daumendrück* für den nahenden Abschluss! 🙂

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