Gewissensfrage

Seit geraumer Zeit verkündet der Kurze wiederholt, dass er kein Fleisch mehr essen möchte – der Tiere wegen, die sonst sterben müssen. Er kennt zwei etwas ältere Jungs in der Umgebung, die auch Vegetarier sind, weshalb ihm dieses Ernährungsprinzip bekannt ist.

Grundsätzlich befürworte ich es, wenn meine Kinder eigene Meinungen zu Themen entwickeln, mit Lebensformen und Ansichten experimentieren und persönliche Standpunkte einnehmen lernen, Vielfalt erleben, auch innerhalb der Familie, Toleranz üben für anders Denkende und so weiter.

Nun ist es aber ja so, dass wir in unserer Familie sowieso schon sehr viel auf Ernährung achten müssen – der eine darf dies nicht, der andere das, der Dritte jenes, außerdem werden von verschiedenen Familienmitgliedern verschiedene Lebensmittel extrem und dickköpfig verschmäht usw.

Da aber echte vegetarische Ernährung nicht nur aus dem puren Weglassen von Fleisch und Fleischprodukten bestehen kann, würde das für mich einen weiteren, nicht zu verachtenden Mehraufwand bedeuten!

Des weiteren ist Fleisch eines der Nahrungsmittel, die er wirklich gut verträgt. Mit seiner Fruktoseintoleranz ist er eh schon sehr eingeschränkt.

Zudem habe ich immer wieder davon gelesen, dass z.B. Sojaprodukte für Kinder, die ja eigentlich das fehlende Protein gut ersetzen können sollen, ungeeignet sind. Sie enthalten eine nicht unerhebliche Menge an Phyto-Östrogenen und können so den Hormonhaushalt stark beeinflussen – und kleine Jungs z.B. im schlimmsten Falle unfruchtbar machen.

Bisher habe ich auf seine Ansagen mit Zurückhaltung reagiert – d.h. im augenblicklichen Moment bin ich seinem Wunsch, keine Wurst etc. zu essen, nachgekommen, aber ich habe ihn weder daran erinnert, wenn er mal nicht daran dachte, noch habe ich ihm von selber vegetarische Gerichte vorgesetzt – einfach aus den oben genannten Gründen.

Zu Anfang hatte ich auch ein bisschen gehofft, dass das so eine Phase ist, die wieder verschwindet. Aber es hält sich nun schon hatnäckig seit ca. 3 Monaten….

Ab und an habe ich ihm auch schon mal vorgeschlagen, es doch wie wir anderen Familienmitglieder zu machen – wir essen hauptsächlich Bio-Fleisch, bei dem wir relativ sicher sein können, dass es den Tieren zumindest gut ging, bevor sie geschlachtet wurden. Das findet er aber auch nicht ok.

Trotzdem fühle ich mich mit der augenblicklichen Situation nicht wirklich wohl. Meint ihr, ich sollte trotz meiner Vorbehalte darauf eingehen oder soll ich so weiter verfahren wie bisher? Wie würdet Ihr in meiner Situation handeln? Vielleicht habt ihr ja noch eine gaaanz andere Idee! *hoff* 😀

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13 Gedanken zu „Gewissensfrage

  1. ich finde das zu komplex als dass ich eine ferndiagnose stellen könnte. in eurem fall wäre eine ernährungsberatung sicherlich gut. das bezahlt auch die krankenkasse. vielleicht hat die ja noch eine idee für gesunde gerichte und sie hat sicherlich ahnung, wie man mit solchen situationen umgeht. schaden kann es ja nicht.

    • Ja Mara, das ist wirklich komplex… Eigentlich habe ich ja nicht unbedingt auf eine „Ferndiagnose“ gehofft, sondern auf kreative Ideen, wie ich vielleicht noch damit umgehen könnte – vielleicht sollte ich einfach mal genau so wie ich es empfinde mit ihm drüber reden… aber das überfordert ihn glaube ich. Er ist nicht so der Zuhörer-Typ, wenn Du weißt, was ich meine. 😉
      Leider sind wir privat versichert – in diesem Falle ist das echt ein „Leider“, denn private Versicherungen zahlen nur Therapien, keine Präventionsmaßnahmen – auf Deutsch gesagt, sie würden die Cortisonsalbe für die Neurodermitis meiner Tochter bezahlen – und den Arzt, der sie mir verschreibt, aber keine Ernährungsberatung, die mir hilft, diese „Hautkrankheit“ zu vermeiden! *kopfklatsch* 😦 Trotzdem habe ich schon mal überlegt, ob ich das nicht einfach selber finanzieren soll – allerdings wird das sicher nicht billig – denn bei den vielen Problemen hier in de Familie ist das sicher nicht mit einem Termin gegessen. (Haha, Wortspiel! 😉 )

      • Mmh, wenn es eine gute Beratung ist, dann lohnt sich das Geld, finde ich. Ansonsten finde ich gut, dass du dem Sohne keinen Druck machst, aber auch keine „Extra-Würste“ für ihn brätst. Wenn er ab und zu Fleisch isst, weil er es vergisst, finde ich das eine gerechtfertigte Taktik; man muss ja auch nicht viel essen. Wenn er ein sensibles Kind ist, wäre Druck beim Essen auf jeden Fall verkehrt, ich würde mich darüber freuen, dass er so empfindsam ist. 🙂 Und gibt es nicht eigentlich Säfte, die Eisenmangel ausgleichen? Ich erinnere mich dumpf an irgendeine Schwangerschaft, in der ich so etwas trinken sollte. Das kann man ihm als Ersatz schon erklären, finde ich. Aber auch hier würde ich erstmal eine Ökotrophologin empfehlen. Ich kenne übrigens eine sehr sorgfältige hier in BN 🙂 ; falls du mich mal besuchen kommen magst. (Aber erst ab August)

      • Ja, das klingt plausibel… Ich finde es auch schön, dass es ihn berührt. Genau deshalb will ich auch nicht so „drüber wegwischen“. Das mit den Säften – da haben wir wieder das alte Problem: er hat ja Frukoseintoleranz, d.h. er darf absolut keine Frucht-/ Beeren-/ Wasweißich-Säfte trinken! 😦 Das mit der Ökotrophologin ist lieb, aber ich glaube, es wird besser sein, eine zu finden, die vor Ort ist. Besuchen klingt allerdings trotzdem cool… vielleicht nächstes Jahr im Sommer auf unserer D-Tour? *liebguck* 🙂

  2. Hallo,

    mein Sohn ist Vegetarier und ich verzichte auf Sojaprodukte etc.
    Gemüse und Salat enthalten übrigens auch viel Eisen! Kresse z.B. streue ich über fast jeden Salat oder auf ein Butterbrot, sie enthält Eisen und kann zudem problemlos das ganze Jahr im Haus angebaut werden. Beim Brotbelag variere ich mit diversen Käsesorten, Gurkenscheiben und Salat. Ich koche nicht aufwändig extra, gibt es z.B. Nudeln mit Gulasch, dann gibt es für ihn die Nudeln mit (gekauftem) Pesto. Statt Fleischbeilage gibt es für ihn oft Rührei/Spiegelei etc. Da hält sich der Zeitaufwand auch in Grenzen.
    Ich finde es richtig, diesen Wunsch zu respektieren und hoffe, ihr findet eine Lösung, mit der alle zufrieden sind.
    Viele Grüße
    Katha

  3. Ich finde es auch toll, dass sich Jungs in dem Alter schon so entscheiden und würde auch nicht unbedingt zu stark gegebsteuern. Sojaprodukte sind ja so oder so nicht uneingeschrenkt empfehlenswert und wie hier jemand schon schrieb kann man ja Eisen ja auch über Grünzeug zu sich nehmen. Oder über Hafer? Trotzdem verstehe ich deine Sorge, umso mehr bewundere ich, dass er sich trotz seiner Fruktoseintoleranz noch weiter einschränkt. Ich würde ihn mal machen lassen, mich informieren und bei Gelegenheit eine Expertin einsachalten, wäre sicher interressant und nützlich. Es wird doch aber immer mehr klar, dass Vegetarier die sich bewusst ernähren kaum Mängel haben. Ist er offen für Informationen? Liest er? Es gibt doch sicher altersgerechte Literatur zum Thema, die er sich selber mal ansehen kann, damit er auch genau weiss auf was er achten muss.
    Dass du den Mehraufwand scheust kann ich verstehen. Ich habe auch meinen Fleischkonsum runtergeschraubt, möchte aber auch das eine oder andere angefutterte Kilo loswerden und fühlte mich sofort total überfordert.
    Ganz liebe Grüsse
    Nathalie

    • Also, es ist wirklich nicht ganz einfach mit der vegetarischen Ernährung – vor allem, wenn man, wie er, sowieso schon andere Einschränkungen hat. Es ist ja nicht nur das Eisen, es sind auch bestimmte Vitamine, die ausgeglichen werden müssen. Ich scheue davor zurück, mich da reinzuarbeiten – und er selber ist ja einfach noch zu klein. Er kann noch nicht lesen, zumindest keine Texte, kommt ja erst dieses Jahr in die Schule. Also würde die Verantwortung klar bei mir bleiben. Bisher fahre ich noch die „Ich mische mich nicht ein“ Schiene, aber sollte er es in den nächsten Tagen wieder äußern, werde ich einfach mal mit ihm reden. Vor allem, weil ich nicht möchte, dass er denkt, dass ich ihn damit nicht ernst nehme!

  4. Ich würde ihn nicht zum Fleisch- und Wurstessen zwingen – aber auch keine Extrawürste *ähem* braten. Ich weiss jetzt nicht, was er sonst alles nicht isst wegen seiner Unverträglichkeiten, aber ich glaube nicht, dass eine fleischlose Ernährung zwingend eine Ausgleichsernährung erfordert. Ich esse schon immer wenig bis gar keine Fleisch- und Wurstprodukte – weil es mir nicht schmeckt – aber esse dafür auch nicht von anderen Dingen mehr. Und keiner der Vegetarier, die ich kenne, tut das.

    Er wird schon merken, wenn er Heisshunger auf Fleisch bekommt (oder auf was Anderes). Der Körper reguliert da viel selbst…

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