Ein ganz besonderer 70. Geburtstag

Irgendwie weiß ich gerade gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist so viel geschehen, es wurde so vieles gesagt und auch das, was nicht gesagt wurde, sondern andere Kanäle nahm, war wichtig.

Man muss vielleicht vorausschicken, dass es auch Zeiten in meiner Familie gab, in denen wir alle fünf uns an so verschiedenen Lebensstationen befanden, dass nur wenig Gemeinsamkeit übrig blieb. Bildlich gesehen befanden wir uns vielleicht alle im Schienennetz, nur saßen wir in verschiedenen Zügen, hingen an irgendwelchen Bahnhöfen fest oder versuchten gerade, uns ganz fest vorzustellen, dass wir nicht in einem Zug, sondern in einem Flugzeug sitzen.

Wie auch immer, wir hatten immer Kontakt zueinander und es gab auch nur selten Phasen, in denen gröbere Unstimmigkeiten herrschten, aber so harmonisch wie diese vergangenen Tage war es, glaube ich, noch nie.

Ich denke, dass das von vielen Faktoren abhing, aber irgendwie stimmte einfach alles.
Einen nicht zu verachtenden Beitrag zur Intensität dieser Begegnung hat auf jeden Fall mein Bruder mit seinen Erzählungen, seinem Videoblog, den Fotos vom Jakobsweg und schlichtweg mit seinem völlig veränderten Seinszustand geleistet.

Während seiner vier Wochen andauernden Pilgerzeit von St. Jean nach Santiago de Compostela waren wir immer in Gedanken bei ihm und haben über SMS fast täglich Neuigkeiten erfahren. Aber das, was er jetzt mit uns teilte, war noch mal etwas gänzlich anderes und es berührte und veränderte auch uns.

Insgesamt herrschte jedenfalls eine sehr gelöste und friedliche Stimmung zwischen uns und der gestrige Geburtstag meiner Ma verlief in unseren Augen perfekt.

Im Vorfeld hatten wir uns schon Gedanken darüber gemacht, was wir ihr schenken könnten, aber es wollte uns einfach nichts wirklich Sinnvolles einfallen. Ich selber machte mir aber nicht sehr viele Sorgen deswegen, einfach weil ich in meinem Leben schon so oft die Erfahrung gemacht habe, dass manche Dinge einfach kommen, wenn man ihnen Zeit lässt. Und genau so war es dann auch. Meine Geschwister und ich saßen am Freitag zusammen und die Frage nach einem Geschenk kam wieder auf. Dass wir ihr ein Frühstück ans Bett servieren lassen wollten, war schon länger klar, da sie das über alle Maßen genießt.

Frühstück im Bett – der Inbegriff von Luxus fü meine Ma

Und dann kam uns die zündende Idee: Wir wollten ihr ein Fotoshooting schenken, an ihrem Geburtstag, mit ihrer Familie hier in Barcelona. Wir wollten ihr damit eine Erinnerung generieren, die so persönlich ist, wie es nur geht. Und außerdem ist das letzte professionelle Familienporträt mal locker 25 Jahre alt….

Die Idee hatte ich, bei der Realisierung des Ganzen starteten meine Geschwister durch und trieben an einem Feiertag für den darauffolgenden Samstag eine sympathische junge Frau auf, die sich mit uns am Samstagnachmittag im Park Güell traf und zwei Stunden lang Familienfotos und Porträts schoss.

Park Güell – Dach des Pavillions am Haupteingang

Park Güell – Säulenhalle mit der Drachenbank auf dem Dach

Unsere Ma, die ein großer Antoni-Gaudí-Fan ist, war begeistert! Schon gestern Nacht bekamen wir die ersten Bilder per e-mail zugeschickt, die Tage kommt dann per Post die CD-ROM mit sämtlichen Fotos. Das Shooting hat unheimlich Spaß gemacht. Nach dem Park Güell sind wir noch am Meer gewesen, haben dort ebenfalls Bilder gemacht und so viel gelacht, weil wir alle klitschnasse Klamotten bekamen. Sobald ich die Fotos habe, werde ich eine Auswahl hier zeigen – je nachdem öffentlich oder auch nur mit Passwort.

Nach dem Shooting waren wir noch Eis essen, dann ein Weilchen ausruhen. Ab 21:00 Uhr hatte ich einen Tisch im Restaurant „Casa Calvet“ organisiert, wo wir einen perfekten Abend mit wunderbarem Essen, tollen Gesprächen und sehr gutem Service verlebten.

Platzteller in der Casa Calvet

Meine Vorspeise: Salat mit grünem Spargel, Palmherzen und Sesamsoße

Wir saßen in einem Glas-Separée mit rundem Tisch ganz für uns alleine

Das Dessert meiner Mutter – extra mit brennender „70“ dekoriert

Alles in allem war der Tag einfach perfekt. Harmonisch, gelöst, wunderschön, eine Erinnerung für’s ganze Leben, für die ich zutiefst dankbar bin.

Fast vorbei

Ich sitze mal wieder in der Hotellobby und warte auf meine Familie, wir wollen noch zusammen frühstücken gehen, bevor ich in mein Taxi zum Flughafen steigen muss…
Gestern hatten wir einen wunderschönen Tag, ich glaube meine Ma war sehr sehr glücklich an ihrem 70. Geburtstag! Spätestens, wenn ich wieder daheim bin, werde ich noch ausführlich davon erzählen.
Bis jetzt kann ich auf jeden Fall sagen, dass diese 3 1/2 Tage sehr ereignisreich, sehr harmonisch und unheimlich bewegend waren. Ein wunderschönes Erlebnis, das ich wohl nie vergessen werde. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich das alles erleben durfte, dass ich dabei sein konnte, und dass meine Familie so ist, wie sie ist.

Freitags-Füller, Barca-Edition

1. Im Kino versteh ich zur Zeit nur Spanisch. 😉.

2. Wenn ich schuhtechnisch was nicht mag an mir, dann sind das Wedges. Auch hier in Barca nicht.

3. Den letzten Brief habe ich gestern Abend elektronisch an meinen Liebsten geschrieben..

4. Heute habe ich ein paar superschöne Antoni-Gaudí-Postkarten erstanden. Noch steht nichts auf der Rückseite.

5. Kennt jemand einen schönen Song, der mit Barcelona zu tun hat? Den möcht ich gerne hören..

6. Ich war heute schon wieder einkaufen. Dieses Mal für die Maus. Hier gibt’s haufenweise tolle Läden für Kids!

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf gutes Essen und beflügelnde Gespräche mit meiner Familie , morgen habe ich allerlei tolle Überraschungen für unsere Ma geplant und Sonntag möchte ich einen Rückflug ohne besondere Vorkommnisse haben, Bitte, Danke !

Guten Morgen!

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Ich habe leidlich schlecht geschlafen und kann nur Vermutungen anstellen, warum. Die ungewohnte Umgebung, das Alleinesein, die Gedanken um die Kinder, Coke-Konsum zu später Stunde – da kam wohl einiges zusammen.
Aber dafür ist es jetzt viertel nach 12 und wir frühstücken gerade. Also alles easy. 😉
Ich genieße es, einfach tun und lassen zu können, was ich will und wann ich will. Diese Möglichkeit hatte ich zuletzt im Studium, und das ist doch schon geraume Zeit her.
Heute morgen habe ich mir ganz in Ruhe Zeit dafür genommen, das alte Chassis mal wieder ein bisschen aufzupolieren…

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Unwirklich und doch wahr

Ich sitze in der Hotellobby – leider gibt’s auf den Zimmern kein WLAN – und tippe auf dem iPad vor mich hin. Die ersten Stunden mit meinen Eltern und Geschwistern kamen mir extrem unwirklich vor. Da sitze ich nun plötzlich in Spanien am Meer und um mich rum meine Mutter, mein Vater, meine Schwester, mein Bruder. Leute, die ich sonst nur selten und noch viel seltener alle auf einmal sehe, da sie quasi über die ganze Republik verteilt sind.
Mein Bruder hat viel zu erzählen, er ist die letzten vier Wochen den Jakobsweg gelaufen und kam heute direkt aus Santiago de Compostela angeflogen. Die lebensverändernden Eindrücke dieser ganz besonderen Reise gepaart mit dem materialistischen Hightech-Leben einer Großstadt macht die ganze Situation noch grotesker.
Und seine Worte hallen noch lange in mir nach, vor allem, als ich kurz darauf durch die direkt neben unserem Hotel gelegene Shoppingmall schlendere und mir das Warenangebot zu 90% nutzlos und sinnentleert vorkommt.
Ich lasse mich trotzdem von Glanz und Glitzer einfangen und freue mich über einen desigual-Shop, den ich auch sofort entere. In die Klamotten passe ich ja leider nicht rein, aber ich sehe mir die Taschen und Geldbeutel an. Gegen die bunte Sommerkollektion sind mir aber die neuen Herbsttöne zu dunkel und ich lasse es bleiben, etwas zu kaufen.
Dafür stolpere ich per Zufall über ein variables Armbanduhren-Konzept namens STAMPS und bin gleich begeistert. Man kann Uhren und Bänder einzeln kaufen und immer wieder neu kombinieren. Sowas liebe ich. Und das Tollste: Es ist nicht mal übermäßig teuer. Eine Uhr kostet 25,- Euro, die Bänder zwischen 14 und 25 Euro. Ich entscheide mich (Waaah, total schwierig!) für zwei Uhren, eine in Schwarz-Weiß mit einer Katze drauf und eine mit einem Fernseh-Testbild, sowie für ein khakifarbenes Lederband. Eigentlich will ich auch noch ein schwarzes, aber das gibt es nicht. (Ich muss jetzt gleich mal im Netz forschen, ob ich das irgendwo bekommen kann.)
Dann shoppe ich noch Mitbringsel für die Kids, aber die werden an dieser Stelle nicht verraten, „Feind“ liest mit. 😉
Inzwischen ist es ein Uhr nachts, ein wunderschöner Abend in einer Tapasbar gleich bei der Sagrada Familia liegt hinter mir und ich werde mich jetzt ins Bett begeben. Ein bisschen fürchte ich mich vor der Ruhe in meinem Einzelzimmer… Ich weiß, das in dieser Ruhe der Gedankenkreisel beginnen wird – Wie geht es meiner kranken Maus? Ist der Kleine inzwischen auch malad? Wie geht es meinem Liebsten? Er wird bestimmt erschöpft sein. Und er fehlt mir….
Verrückt, das alles.
Aber das ist das Leben.
Schön.

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Angekommen.

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Es ist viertel nach Drei nachmittags und ich sitze am Flughafen Barcelona in einem SB-Cafe, um auf meinen Bruder zu warten, der jetzt gerade gelandet sein müsste.
Der Abschied von den Kindern war weniger schlimm als befürchtet. Die Jungs ließen eh beide den coolen Macker raushängen und die Maus war, Ibuprofen sei Dank, schmerz- und fieberfrei und deshalb auch tapferer als gedacht. Sie ist definitiv noch krank, aber so gedopt konnte sie den Abschied mit zwar traurigem Gesicht, aber ohne Tränen wegstecken.
Am Flughafen kam ich mir wie der totale Dorftrottel vor, ich habe schon so oft Leute dort hingebracht oder abgeholt, bin auch schon geflogen, aber alleine erst einmal und das ist sage und schreibe knappe 30 Jahre her! Also irrte ich durch die Gegend und es kostete mich doch einige Mühe, nicht so verloren zu wirken, wie ich mich fühlte. Aber letztendlich hat alles gut geklappt und ich musste über mein seltsames Bemühen, für meine Mitmenschen nur ja weltgewandt auszusehen, innerlich lachen.
Der Flug verlief entspannt und ereignislos, bis… ja, bis der Pilot gefühlte 30cm über der Landebahn plötzlich durchstartete und in einem jenseitssteilen Winkel wieder hochzog.
Kurz darauf die Ansage, dass wir ja wohl gemerkt hätten, dass wir wieder in der Luft seien und dass wir in wenigen Minuten eine Erklärung für das Durchstarten bekämen. Puh, da ging dann das Kopfkino erst recht los… ich sah uns schon auf einem Schaumteppich notlanden, weil die Fahrwerke nicht mehr ausgefahren werden können oder ähnliches…
Letztendlich stellte sich heraus, dass schlichtweg die Dame im Tower verschwitzt hatte, die Landeerlaubnis zu erteilen. Und ein Flieger ohne diese darf nicht landen, auch wenn die Bahn noch so frei ist. Wie grotesk….
Trotzdem war ich natürlich froh, dass der Grund ein so banaler war und genoss die Extrarunde über Barca: La Sagrada Familia, La Rambla, diverse interessante moderne Hotelbauten, alles war gut zu sehen.
Oh, da ist mein Bruder! – Später mehr…