Schlaft, Kindlein schlaft….schlaft jetzt, verflixt nochmal!

Gerade neulich habe ich mal wieder einen Blogbeitrag über Kinderschlaf gelesen. Diejenige Mama welche hatte so gar keine Probleme mit dem Schlaf ihrer Kinder. Zumindest keine dramatischen. Das übliche halt.

Bei uns herrscht hingegen im Moment wieder ziemliches Drama, leider. Wir hatten schon Phasen, in denen hier recht gut und friedlich ein- und durchgeschlafen wurde. Aber diese scheinen mir endlose Nächte her zu sein….

Und so hatte alles begonnen: Irgendwann letzten Herbst hatte sich der Göttergatte aus Krankheitsgründen ins Arbeitszimmer in Quarantäne begeben. Die Kinder hatten das Ehebett schneller okkupiert, als wir „Husch!“ sagen konnten. Und so lagen sie da, jede Nacht. Entweder gleich von Anfang an oder eben ab „irgendwann zwischendrin“.

An Durchschlafen meinerseits war nicht mehr zu denken. Wanderungen von Bett zu Bett, Pipi, Durst, Träume, etc. hielten mich wach.  Der Göttergatte schnarchte derweil friedlich im Arbeitszimmer.

Was hingegen gut lief, zumindest aus Kindersicht, war das Einschlafen. Naja, relativ gut. Die Maus macht uns ja, seit sie zwei wurde, jeden Abend Stress, weil sie nicht schlafen gehen will. Das Ritual wurde immer weiter ausgedehnt, bis wir schließlich bei Lesen, Kuscheln, Singen und dann am Bett sitzen, bis sie eingeschlafen ist, angekommen waren, was durchaus eine volle Stunde in Anspruch nehmen konnte. Ein volle Stunde, die ich mir weder täglich Zeit nehmen kann, noch will. Ich habe drei Kinder. Ich kann nicht für eines alleine eine Stunde Abendritual einplanen.

Genauso aufwändig war die Einschlaferei beim Kurzen. Zum besseren Verständnis verweise ich mal auf diesen Artikel.

Nunja, das Ende vom Lied: Der Göttergatte verkündete neulich, die Ära „Papa ist ausgewandert“ sei nun beendet, er wolle wieder in seinem eigenen Bett schlafen und die Kinder sollen, bitteschön, wieder in ihren eigenen Betten nächtigen.

Alleine im eigenen Zimmer ein- und durchschlafen – diese Aussicht fanden die Kleinen nicht toll, deshalb baten sie sich aus, wenigstens gemeinsam im Zimmer des Kurzen schlafen zu dürfen. Kein Problem, unters Hochbett wurde wieder die kleine Matratze gelegt und beide hatten Platz genug.

Leider ging das nur am allerersten Abend wirklich gut. Denn im gleichen Zuge kürzten wir auch das Abendritual für die Maus deutlich ab – mit der Begründung, sie sei ja nun nicht mehr alleine, also müssten wir Großen auch nicht mehr ewig daneben sitzen bleiben.

Der Maus passt das aber gar nicht. Sie jammert und lamentiert jeden Abend mindestens ca. 15-20 Minuten, manchmal auch eine halbe Stunde lang, herum und zieht sämtliche Register, um nicht schlafen zu müssen. Hunger, Durst, Pipi, Angst – alles wird herangezogen, was dazu taugt, noch mal aus dem Bett zu flüchten.

Ehrlich gesagt, ich habe jeden Abend ein schlechtes Gewissen, fühle mich als Rabenmutter, weshalb das Geschrei mich auch mehr stresst, als es objektiv müsste.

Trotzdem will ich nicht in alte Muster zurückfallen. Mit meinen Kindern kann man sowas schlecht ausdiskutieren. Die wollen am liebsten alles. Am liebsten soll Mama die ganze Nacht mit im Bett liegen. Und im Idealfall noch in doppelter Ausführung, damit nur ja keiner teilen muss.

Das kann und will ich aber nicht leisten. Meine Kräfte sind nach jetzt fast 13 Jahren Muttersein wirklich aufgezehrt und ich brauche auch mal Abstand und vor allem ruhigen Schlaf. Das alles mögen für mich Argumente sein, für die Kinder sind sie das natürlich nicht.

Ich sehe im Moment aber keine andere Lösung als die aktuelle. Denn eines muss gesagt sein: Seit sie wieder in ihren eigenen Betten und ohne „Beobachtung“ unsererseits einschlafen, schlafen sie auch wieder durch. Meistens. Und deshalb hoffe ich natürlich jeden Abend aufs Neue, dass die Maus sich irgendwann einkriegt und doch noch mal gerne oder wenigstens ohne Drama schlafen geht.

Wenn es absolut gut wäre, sobald ich mich dazulege, würde ich ja noch eher schwach werden, aber weit gefehlt – je mehr ich ihr gebe, desto mehr fordert sie ein. Und wenn ich dann beim Maximum angekommen bin (ganz nah bei ihr liegen und kuscheln, bis sie schläft), macht sie das keinen Deut ruhiger. Dann mäkelt sie eben an anderen Dingen rum. Fazit: Sie. Will. Nicht. Schlafen. Punkt.

Ist aber gleichzeitig todmüde, kreischt und schreit nur noch, wenn wir sie länger auflassen. Ist also auch keine Option.

Es ist anstrengend.

Ich hoffe, es ändert sich bald, auf welche Weise auch immer. Seufz.

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Wieselflinke Haushaltshilfen

Vor einiger Zeit habe ich Euch ein Konzept für die Mithilfe der Kinder im Haushalt vorgestellt. Heute möchte ich gerne von meinen bisherigen Erfahrungen mit dem Konzept berichten.

Zu allererst: Es gibt sie noch bei uns, die Haushaltsaufgaben für alle. Und ich bin sehr sehr dankbar dafür, dass ich sie eingeführt habe. Sie stellen eine wirkliche Erleichterung für mich dar und ich habe auch weiterhin das Gefühl, dass es den Kindern gut tut, aktiv mitzuwirken und sich wichtig und gebraucht zu fühlen.

Ein paar Änderungen haben sich allerdings eingeschlichen:

  • Die feste Beschriftung der Hölzchen hat sich als nicht sehr praktikabel erwiesen, da es ja doch immer mal wieder unterschiedliche Dinge zu tun gibt, die dann eben nirgends aufgeschrieben sind. Ebenso haben sich einige der ursprünglichen Aufgaben als nicht sinnvoll / nicht praktikabel erwiesen.
  • Zudem war es sehr mühsam, das richtige Hölzchen aus all den vielen, die es gibt, herauszufischen.
  • Es haben sich bestimmte „Standardaufgaben“ herauskristallisiert, die das einzelne Kind besonders gerne oder gut erledigt, und die sowieso wöchentlich getan werden müssen.
  • Die Aufgaben werden natürlich so lange wie möglich vor sich hergeschoben, bis es dann so brennt, dass sie erledigt werden.

Folglich läuft es bei uns seit geraumer Zeit so ab:

Haupt „Aufgabentag“ ist der Freitagnachmittag, da ja ansonsten bei Nichterledigung der Wochenaufgaben die Medienzeit am WE wegfällt. 😉  Was ich aber als sehr angenehm empfinde, da dieser Nachmittag sowieso der entspannteste von allen ist. Keiner muss unbedingt Berge von Hausaufgaben erledigen, keiner muss dringend auf eine Schulaufgabe lernen usw. Zweiter Vorteil: Ich packe mit den Kindern gemeinsam an und so kommen wir innerhalb von ein paar Stunden zu einem recht gut aufgeräumten und sauberen Haus fürs gemeinsame Wochenende, das ja vor der Tür steht.

Die Jungs arbeiten meist Hand in Hand und erledigen einiges gemeinsam, wie z.B. Papier- und Glasmüll zum Container bringen, Wäsche in den Waschkeller transportieren oder den Hausflur aufräumen.

Einige Aufgaben laufen schon wie von selber, andere generiere ich spontan je nach Haushaltslage. Es fallen mir jedenfalls immer genügend für alle ein! 😀

Die Maus arbeitet mit mir zusammen, hilft mir z.B. Wäsche zusammenzulegen oder zu verräumen. Meistens ist ihre Motivation nach spätestens drei Aufgaben flöten, aber die restlichen drei erledigt sie dann mit sehr viel Freude am Samstagmorgen, wenn sie mir beim Frühstückmachen hilft. Sie trägt Geschirr und Besteck ins Wohnzimmer, deckt den Tisch und stellt schon mal Marmeladengläser etc. bereit. Das genügt mir vollkommen und sie hat das Gefühl, was getan und sich ihre Medienzeit auch verdient zu haben. Ganz nebenbei lernt sie gleich noch, was man alles braucht, um genüsslich frühstücken zu können. 🙂

Somit kann ich das Fazit ziehen: lohnende Sache, aber das mit den Stäbchen kann man einfacher und besser lösen!

Ich würde z.B. Murmeln oder Muggelsteine etc. besorgen und jedes Kind bekommt eine Schale. Für jede erledigte Aufgabe darf es einen Stein hineinlegen. Oder Magnete auf eine Tafel pappen, Zettelchen an eine Pinwand pinnen. Oder. Oder. Aufgaben kann man auch spontan auf einem Whiteboard sammeln, an einer Zettelwand oder sonstwo, wo sie alle sehen. ich schreib sie mir oft auf einen Fresszettel, den ich Freitagnachmittags erst mal vorlese. Oder ich seh mich um und improvisiere. ^^

Das Prinzip „doppelt so viele Aufgaben wie Lebensjahre“ hat sich übrigens hervorragend bewährt. Ich halte die Menge für durchaus angemessen und kann ja auch zusätzlich noch in der Länge / Schwierigkeit der Aufgaben je nach Kind variieren.

Und meine Befürchtung, sie könnten darauf verfallen, nur noch gegen Hölzchen mitzuhelfen, hat sich übrigens überhaupt nicht bewahrheitet. Es wird weiterhin auch so mitgeholfen – ich möchte sogar behaupten, eher mehr und mit weniger Gemaule. Vielleicht einfach deswegen, weil ihnen durch die Tätigkeiten klar geworden ist, wieviel mein Mann und ich eigentlich täglich so leisten. Klar kommt ab und an mal ein „Zählt das als Aufgabe?!“ – und manchmal tut es das dann sogar. Alles kein Problem! 🙂

Ich kann jeder Familie nur empfehlen, dieses oder ein ähnliches System einzuführen. Bei uns profitieren wirklich alle davon!

Vorsicht, ansteckende Kreischeritis

Zur Zeit hat sich – wie in Abständen immer mal wieder – die grauenvolle Unsitte des Kleinkinderkreischens hier eingenistet. Will heißen, dass vornehmlich die beiden Kleinen auf beliebige Ansagen, die ihnen aus welchen Gründen auch immer nicht behagen, mit ohrenbetäubendem Geheul, Gejammer, Geschrei und Gekreische reagieren.
Das macht mich fast wahnsinnig.
Denn um es zu unterbrechen – und sei es nur, um zu erklären, dass der Grund für’s Gekreische vollkommen hinfällig ist – muss ich meistens selber anfangen zu brüllen, um mir überhaupt irgendwie Gehör zu verschaffen.
Ich dreh noch dorsch. 😦
Das Gekeife macht mich aggressiv und ratlos. Denn es war hier eigentlich noch nie so, dass es zu irgendwas geführt hätte, zu kreischen. Es bringt im Regelfall dem Kreischer nur Ärger ein. Trotzdem wird hier gekreischt, was das Zeug hält.
Tipps, anyone?

Bretter.. äh Hölzchen, die die Welt bedeuten

In der letzten Zeit hat es mich immer mehr angenervt, dass die Kids oft keine Lust hatten, im Haushalt mitzuhelfen.

„Das hab ich aber nicht gemacht!“ , „Neiiin, keine Lust!“ oder „Menno, immer ich!“ waren noch die harmlosesten Kommentare, die ich immer wieder zu hören bekam, wenn ich eines der Kinder um Mithilfe bat.

Es gab so ein paar Dinge, die gut liefen, wie z.B. dass der Große täglich die Spülmaschine ausräumt oder mittwochs nur zusätzliche Medienzeit eingeräumt wird, wenn vorher das eigene Zimmer aufgeräumt wurde.

Anderes wurde nur sporadisch oder eben nur unter Gemaule, Gejammer, Genöle oder mit schierem Druck erledigt.

Also musste eine Lösung her. Ich erinnerte mich dunkel daran, einmal irgendwo in den Weiten des Netzes eine Sammlung von Haushaltsaufgaben für Kinder gesehen zu haben, die auf Mundspatel geschrieben waren. Diese Idee gefiel mir gut, weil es immer schön ist, etwas anfassen und „besitzen“ zu können.

Und das ist daraus entstanden:

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Oben in der Mitte: der Aufgabenpool. Vorne die Becher der Kids mit bereits erledigten Aufgaben

Zuerst sammelte ich Aufgaben. Viele kleine, die schnell erledigt sind. Dann markierte ich, welche davon von welchem Kind bewältigt werden können. Manche kan nur der Große schaffen, manche sind so einfach, dass ich sie nur für die beiden Kleinen „freigegeben“ habe, manche sind für alle machbar. Auf den Hölzchen machte ich diese Einteilung mit Farbmarkierungen sichtbar: Grün für den Großen, Blau für den Kurzen und Pink für die Maus:

Links: Zähler (mache Aufgaben zählen für 2) / Mitte: Beschriftung und passendes Symbol / Rechts: Farbmarkierungen

Links: Zähler (manche größeren Aufgaben zählen für 2) / Mitte: Beschriftung und passendes Symbol / Rechts: Farbmarkierungen

Jedes Kind hat von Montag bis Samstagmittag Zeit, sein vorgegebenes Pensum zu erledigen. Manche Aufgaben kann man irgendwann in dieser Zeit erledigen, andere sind an bestimmte Zeiten gebunden.

Wieviele Aufgaben erledigt werden müssen, ergibt sich aus dem Lebensalter – je Jahr zwei Aufgaben pro Woche. Das bedeutet, dass zum aktuellen Zeitpunkt die Maus 6 Aufgaben, der Kurze 10 und der Große 24 in der Woche zu erledigen hat. Ich finde diese Einteilung gut, da so auch deutlich wird, dass mit steigendem Alter nicht nur die Rechte (z.B. länger aufbleiben, länger draußenbleiben, mehr Taschengeld bekommen..) mehr werden, sondern auch die Verpflichtungen.

Das klingt viel? Jede dieser Aufgaben dauert zwischen 3 und 10 Minuten, würde ich mal schätzen. Also im Schnitt so ca. 5 Minuten. Das sind für unseren 12jährigen also ca. 2 Stunden Mitarbeit im Haushalt pro Woche. Ich finde, das ist nicht zuviel verlangt. Der Kurze hilft eine gute Dreiviertelstunde und die Maus eine halbe Stunde, wenn man es zusammenzählt. Belehrt mich eines Besseren, aber das finde ich nicht übertrieben.

Beispiele für Aufgaben gefällig?

  • eine Tür putzen
  • ein Waschbecken putzen
  • ein Zimmer saugen
  • den Papiermüll wegbringen
  • das Sofa aufräumen und ordentlich machen
  • eine Spielecke aufräumen (z.B. den Kaufladen)
  • einmal die Spülmaschine ausräumen
  • eine IKEA-Tüte voll Wäsche in den Keller bringen
  • den Couchtisch aufräumen
  • die Schuhe im Flur aufräumen
  • frisch gewaschene Handtücher zusammenlegen
  • den Garten gießen
  • ….

Und was gibt’s für die Mitarbeit? Ganz einfach, wer seine Pflichten erledigt hat, bekommt auch sein Recht auf Medien am Wochenende. 🙂

Bei uns gibt es nämlich nur samstags und sonntags (und mittwochs, falls das Zimmer aufgeräumt wurde!) je eine halbe Stunde / eine Stunde / 2 Stunden „Medienzeit“ je nach Kind. Ab sofort gilt: Nur wer die erforderliche Anzahl Hölzchen im Becher hat, bekommt auch seine Medienzeit.

Und wer fleißiger war, als gefordert, darf sich am Samstag als Goodie entweder Zusatzzeit, Mama/Papa-Exklusivzeit (5 Min. pro Hölzchen) oder auch 50 ct pro überzähligem Hölzchen abholen.

Meine Erfahrungen bisher? Heute ist Tag 1.

Der Große hat bereits 20 (ZWANZIG!!!!) Aufgaben erledigt. Das hat auch einen konkreten Grund: Er möchte sich so schnell wie möglich einen Kindle kaufen, ihm fehlen aber noch 20 Euro. Und die will er unbedingt diese Woche dazuverdienen. 🙂

Der Kurze hat drei von 10 Aufgaben heute erledigt. Unter anderem war er zum ersten Mal ganz alleine bei den Glascontainern (dafür muss er nicht mal eine große Straße überqueren) und hat Altglas entsorgt. Sein stolzes Gesicht, als er mit der leeren Tüte zurückkam: unbezahlbar! Helfen und sich nützlich fühlen macht nämlich ein gutes Gefühl. Das ist ein schöner Nebeneffekt.

Der Kurze sucht sich seine Aufgaben heraus

Der Kurze sucht sich seine Aufgaben heraus

Die Maus hat den Sinn der Sache noch nicht so wirklich begriffen, sie hat sich zwar begeistert ein paar Aufgabenhölzchen herausgegriffen, aber zuletzt doch lieber damit gespielt. Wahrscheinlich wird ihr der Sinn des Ganzen spätestens am Samstag bewusst werden, wenn die anderen beiden am iPad daddeln oder einen Film gucken dürfen. Wobei ich mir sicher bin, dass die Jungs ihr schon vorher eindrücklich klar machen werden, wie wichtig es ist, mitzuhelfen. 🙂

Für die Maus noch mehr Spielzeug als Aufgabe

Für die Maus noch mehr Spielzeug als Aufgabe

Ggf. mögliche Zusatzmodi:

  • Sollte sich eines der Kinder grob danebenbenehmen und es keine direkt mögliche Konsequenz daraus geben, kann ich den Abzug eines bereits erledigten Strafhölzchens androhen… Doofes Elterndruckmittel, ich weiß, aber auch sowas braucht’s ab und an im Familienalltag
  • Für spontan entstehende Aufgaben, die sich nicht im Pool befinden (wie z.B. etwas einkaufen, mal gründlich das Auto putzen oder Kinderbetreuung der Kleineren durch den Großen), gibt es unbeschriftete, übrige „Bonushölzchen“.

Positive Effekte:

  • Ich merke bereits jetzt, dass der Wert einer Tätigkeit höher geschätzt wird, weil man sie selbst erledigt hat – auch dann, wenn sie später ein anderer erledigen wird. Konkret gesagt: Wer selber mal ein Waschbecken abgeschrubbt hat, wird in Zukunft besser aufpassen, wieviel Zahnpasta er drin festtrocknen lässt, auch dann, wenn es nach ihm womöglich der Bruder putzen wird.
  • Wie schon erwähnt: Der Stolz, eine wirklich wichtige Aufgabe übernommen zu haben, tut jedem hier gut.
  • Die Kinder sehen deutlich, dass ihr Papa und ich mehr Zeit (auch für sie!) haben, wenn sie uns bei den täglichen Aufgaben unterstützen.

Mögliche Negativeffekte:

  • Wie immer bei Bonussystemen könnte es passieren, dass die Kids tendenziell gar nichts mehr tun, ohne dafür ein Hölzchen zu kassieren. Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Wir werden sehen.

Die Zeit wird zeigen, ob das System so passt, oder ob noch Modifikationen notwendig sind. Ich spüre jedenfalls bereits heute eine deutlich Entlastung meinerseits – zum einen durch die erledigten Aufgaben selber, zum anderen aber auch dadurch, dass das ewige Diskutieren und Gejammer wegfällt. Dass ich jetzt am Anfang noch viel erklären und auch manchmal noch ein wenig helfen muss, macht mir wiederum gar nichts aus, im Gegenteil, es macht mir Spaß, mit dabei zu sein, wie eines meiner Kinder ganz konzentriert bei der Sache ist und eine neue Fähigkeit erlernt.

Und wie löst ihr das mit der Mitarbeit im Haushalt? Was denkt ihr über unser System? Ich freue mich über jede Rückmeldung!

Gespräche mit dem Großen

Heute entspann sich bei unserem zweisamen Mittagessen ein sehr interessantes Gespräch zwischen mir und dem Großen, in dem es um Wahlen, Politik und Parteien ging. Letztendlich landeten wir gemeinsam am iPad und ich zeigte ihm den Wahl-O-Mat, mit dessen Hilfe man wenigstens eine Anhaltspunkt darüber finden kann, mit wessen Wahlprogramm man so einigermaßen einverstanden sein würde.
Ausgangspunkt des Gesprächs war der Beruf meines Mannes und seine damit verbundene häufige Abwesenheit. Aus Spaß meinte dann der Große, er könne ja stattdessen Bundekanzler werden, schob aber gleich hinterher, dass er dann wohl noch seltener daheim wäre. Nach kurzer Denkpause kam dann die Frage : „Mama, könnte ich auch Bundeskanzler werden?“ und wir sprachen über politische Karrieren und deren meist zwingende Notwendigkeit einer Mitgliedschaft in einer der größeren Parteien.
Während wir über dem Wahl-O-Mat brüteten, erklärte ich ihm haufenweise aktuelle politische Themen und er durfte sich dann immer entscheiden und seine persönliche Meinung anklicken.
Insgesamt haben wir sicher eine ganze Stunde mit dem Thema verbracht und es hat sehr viel Spaß gemacht.
Ich liebe solche gehaltvollen Gespräche mit Kindern und natürlich insbesondere mit meinen eigenen. Und ich freue mich jetzt schon sehr darauf, dass noch viele Jahre vor mir liegen, die mit solchen und ähnlichen Gesprächsanlässen gespickt sein werden, die ich hoffentlich alle aufgreifen und für die Geistesentwicklung meiner Kinder fruchtbar umsetzen kann.

Kämpfer oder Weicheier?

Schon seit geraumer Zeit laufen immer wieder heiße Diskussionen darüber, wie denn nun mit unserem spärlichen (1,4 Kinder pro Frauennase) Nachwuchs hierzulande zu verfahren sei, um ihn möglichst lebenstüchtig zu machen. Während an der einen Stelle Kinder in Watte gepackt und möglichst gewaltfrei und in Harmonie und Augenhöhe mit den Eltern erzogen werden sollen, wird andernorts propagiert, das sei alles viel zu wuschiwuschi und Kinder müssten echt hart rangenommen werden, müssten kämpfen lernen, unbedingt mit Disiziplin und Gehorsam erzogen werden und immer wieder an ihre Grenzen stoßen.

Meiner Meinung nach ist die Sache eigentlich eine ganz einfache: Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte.

Natürlich sollte man Kindern etwas zutrauen – nämlich ihr Leben, einfach so, wie es ist. Sie brauchen weder künstlich weichgespült noch kruppgestählt werden, sondern entwickeln sich meines Erachtens in den meisten Fällen dann genau richtig, wenn man ihnen einfach das zutraut, was ihnen das Leben ansich abfordert und anbietet – nicht mehr und nicht weniger.

Ein Verwandter stirbt? Nehmt das Kind mit zur Beerdigung. Lasst es den Verstorbenen sehen, wenn es das möchte. Lasst es trauern. Lasst es mit dem Tod Kontakt aufnehmen. Er gehört zum Leben.

Dem Kind ist langweilig? Lasst es sich langweilen! Aus der Langeweile wird oft das Unerwartete, das Erstaunliche geboren.

Das Kind möchte im Dunkeln alleine nach Hause gehen? Alleine mit dem Kettcar zum Einkaufen fahren? Auf dem Fahrrad eine Alternativstrecke ohne Mamabegleitung nehmen? Erklärt ihm, worauf es zu achten hat und dann los damit.

Das Kind möchte selber etwas kochen? Gebt ihm Eure Töpfe, zeigt ihm, wo die Zutaten sind und freut Euch auf ein interessantes Mahl. Vielleicht nicht immer superlecker, aber auf jeden Fall lehrreich und spannend, ab und zu witzig oder eben auch mal erstaunlich schmackhaft.

Das Kind muss viel lernen, um ein Gedicht im Kopf zu behalten? Es traut sich nicht, alleine einzuschlafen? Es ist unsicher, ob die neue Frisur bei den Freunden ankommt? Wenn Ihr als Eltern ihm zeigt, dass Ihr Vertrauen habt in seine Fähigkeiten, dass Ihr an es glaubt und wisst, dass es etwas schaffen kann – dann wird es auch stark sein und es schaffen können und wollen. Und hinterher so richtig stolz sein.

Das Kind hat seine Busfahrkarte wieder mal vergessen? Dann lasst es laufen. Auch vier Kilometer und auch im Regen. Das wird das Kind nicht umbringen. Aber es wird Zeit haben zum Nachdenken und es wird seine Fahrkarte nicht wieder vergessen. Und wenn doch – dann muss es eben wieder laufen.

Ich könnte noch viele Beispiele nennen. Im Prinzip geht es mit allem, was im Leben von Kindern so auftaucht. Traut es ihnen zu! Traut ihnen zu, damit umzugehen, traut ihnen zu, daraus zu lernen, traut ihnen zu Lösungen zu finden. Traut ihnen auch Gegenwind zu! Denn der ist das, was das Leben spannend macht. Man muss keine künstlichen Herausforderungen schaffen, das Leben bietet so viele reale Gelegenheiten dazu. Haltet Euch in der Nähe, steht mit Rat zur Seite, wenn gewünscht, aber lasst sie einfach mal machen.

Erst dann ist das Leben liebevoll, spannend und aufregend genug, um einen Menschen aus eurem Kind zu formen, der im richtigen Moment zurückhaltend und einfühlsam sein wird, aber auch mal gehörig auf die Pauke hauen kann. Und es wird gelernt haben, mit Rückschlägen und Fehlern zurecht zu kommen.

Und ich denke, ihr wisst alle, was ich damit genau meine. Ich meine nicht, dass man sein Kind sich selbst überlassen soll, egal was es tut, ich meine auch nicht, dass man seinem Kind seelenruhig dabei zusehen soll, wie es definitiv in eine gefährliche Richtung abbiegt. Und ich meine auch nicht, dass man einem Kleinkind dabei zusehen sollte, wie es am Abgrund spielt. Kleineren Kindern lasst die kleineren Herausforderungen und den größeren die größeren. Wenn ihr ehrlich darüber nachdenkt, werdet ihr spüren, welche Gefahren für Euer Kind zu groß sind und welche ihr nur in euren Köpfen zu welchen macht.

Gebt Euren Kindern das Rüstzeug und eure ganze Liebe. Und dann lasst sie ziehen in ihre täglichen, kleine Kämpfe, die das Leben ausmachen. Auch das ist eine Form von Vertrauen und Respekt.

Ich brauche Rat!

Unsere Kinder befinden sich nun seit ein paar Monaten schon in einer Phase, die mich und meinen Mann komplett fertigmacht. Sie können keine drei Minuten miteinander spielen, ohne sich zu streiten, zu schlagen, Dinge wegzunehmen, zu schreien, zu weinen, zu toben.

Ich weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.

„Die Dinge untereinander ausmachen“ lassen kann ich sie nicht, da unser Mittlerer (noch) keine Maßstäbe entwickelt hat, was geht und was gar nicht und seine Geschwister jetzt schon mehrmals empfindlich verletzt hat. (blutig gekratzt, Beulen geschlagen, Bissspuren usw.)

Reden hilft null. Aber das hilft in dem Alter sowieso bei (fast) nix.

Vorbild – hey, wir schlagen unsere Kinder nicht! Wir beißen nicht, wir treten nicht. Wir versuchen, ruhig zu bleiben. Was allerdings immer seltener klappt. Trotzdem benehmen sie sich wie die Berserker.

Ich habe es satt, ständig jemanden separieren zu müssen, oft nur durch lautes Geschrei meinerseits auf Reaktionen hoffen zu können, immer in Habachtstellung zu sein, weil die Situation jederzeit kippen kann.

IRGENDJEMAND NOCH EINE ZÜNDENDE IDEE??? Hiiilfe!