Neuland für unseren Schulanfänger

Mein Vorschulkind war heute zum ersten Mal bei einem Volkshochschulkurs – ganz alleine unter sechs etwa gleichaltrigen Jungs zum Experimentieren zum Thema „Alles was schwimmt“.

Er wollte gerne hin, also habe ich ihn vor ein paar Wochen angemeldet. Zum Glück kenne ich ihn und war nicht überrascht, als er heute verkündete, er wolle „da nicht hin“. Er kneift gerne im letzten Augenblick, sei es, weil gerade etwas anderes spannender ist oder weil ihn dann doch der Mut verlässt – was er aber nie offen zugeben würde. 😉

Er geht regelmäßig zwei Mal die Woche ins Kinderturnen, und obwohl er hier Kinder, Trainer und Umgebung inzwischen gut kennt, versucht er doch meistens aufs Neue, aus verschiedensten Gründen wegzubleiben. Hinterher war’s dann immer „Toll!“…

Ich habe so meine Art, wie ich ihn in solchen Situationen zum Hingehen bewege und als wir schließlich gestern im Kursraum ankamen, versteckte sich mein ansonsten so selbstbewusst und dominant wirkendes Kind hinter meinen Beinen und lugte nur ganz verstohlen hinter meiner Jacke vor. Wenn ich ihn zum Hinsetzen aufmuntern wollte, klammerte er sich an mir fest.

Daraufhin habe ich mit ihm gemeinsam den Raum nochmal verlassen und in Ruhe und unter vier Augen mit ihm gesprochen. Habe ihm versichert, dass die Kursleiterin meine Telefonnummer hat und mich jederzeit herholen kann, wenn es ihm nicht gut geht. Habe ihn bestärkt, dass er es kann, ihn daran erinnert, wie begeistert er von dem Thema war, als wir es im Programm entdeckt hatten. Habe ihn aufmunternd angelächelt und liebevoll gedrückt.

Nach ein paar Minuten kam er dann wieder mit mir hinein, ich half ihm, seine Sachen zu verstauen und begleitete ihn zu seinem Sitzplatz. Dann verabschiedete ich mich und er winkte mir noch hinterher – inzwischen mit leicht zuversichtlichem Blick.

Zwei Stunden später holte ich ihn wieder ab. Er stand an seinem Platz, war ganz vertieft in das Floß, das er gebaut hatte und murmelte zur Begrüßung nur was von „…war super!“ Dann zeigte er mir begeistert, was sie alles gemacht hatten und erklärte mir stolz, dass er heute gelernt hätte, dass Öl nie unter Wasser sein könne.

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Korkenfloß und Experimentierglas mit drei flüssigenPhasen (Wasser, Sirup, Öl)

Ich war so glücklich! Er hat wieder einen neuen Meilenstein gemeistert. Mein kleiner Klammerbär, mein Baby, das nie von meinem Arm wollte, war ganz alleine zwei Stunden in einer fremden Umgebung bei einer fremden Kursleiterin und unter (fast ausschließlich) fremden Kindern – und er hat sich getraut, er hat es geschafft. mehr noch: Er hatte Spaß!

Ich bin sehr stolz auf ihn.

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Medienzeit differenzieren?

Aus gegebenem Anlass möchte ich unbedingt unsere Medienzeiten (für alle in der Familie) wieder beschränken – wir sind da in der Urlaubszeit irgendwie in eine exzessive Nutzung reingrutscht, die keinem von uns noch guttut.

Nun bin ich aber am Überlegen, wie ich die Medienzeit einteilen soll. Bei den beiden Kleinen ist das weniger ein Problem, da bedeutet Medienzeit vor allem TV-Sendungen ansehen oder am iPad bzw. Nintendo Spiele spielen. Das ist gleichwertiges „Entertainment“ und kann entsprechend abgerechnet werden.

Anders verhält es sich bei meinem Großen. Er nutzt Medien zwar auch ab und an zum Spielen („Minecraft“ ist da grade sehr beliebt), aber er macht auch viele andere Sachen, wie z.B:

  • Sachinfos lesen (er hängt stundenlang an Wikipedia und liest sich durch die komplette Firmengeschichte von Boeing oder durch die Seite über die Voyager-Sonden etc.
  • Online-Bauanleitungen nachbauen für LEGO oder LEGOMindstorm, bzw. selber Programme für den Mindstorm schreiben

…und da sieht die Sache schon wieder anders aus.  Mit einer Online-Bauanleitung kann eine Stunde verd..t schnell vorbei sein, ich würde es aber nicht als das typische „Medienentertainment“ betrachten. Ich möchte aber andererseits auch nicht die generelle Medienzeit für den Großen so hoch ansetzen, dass er, wenn er Lust hat, genauso gut  3 Stunden Minecraft zocken kann.

Hmmm. Meint ihr, ich soll das differenzieren? Also quasi Medienchips für Spiele/TV und andere Medienchips für Recherche, Lesen, Anleitungen befolgen und ähnliches?

Die andere Frage ist: wie kontrolliere ich das? Ich kann ja nicht ständig neben ihm sitzen und aufpassen. Noch ist er eigentlich nicht so, dass er so was ausnutzt. Aber wer weiß…. kann ja noch kommen.

Was meint ihr zu diesem Thema?

Wünschezeit

In den letzten Wochen kreisten meine Gedanken wieder einmal um den Kurzen. Er zeigt seit einem halben Jahr zunehmend Verhaltensauffälligkeiten und ich habe versucht, Auslöser dafür dingfest zu machen. Ich habe da auch so ein paar „Baustellen“ im Visier und eine davon ist, dass er zu wenig Zeit mit uns Eltern verbringt. Das hat sich in den letzten Jahren so ergeben, weil er einen sehr sehr engen Freund hat, mit dem er zeitweise täglich von morgens bis abends gespielt hat – nach dem Frühstück bis zum Nachmittag im Kindergarten und im Anschluss an diese Zeit entweder bei uns oder bei den Eltern des Freundes bis zur Abendessenzeit.

Zum einen war und ist es schön zu sehen, wie vertraut die beiden miteinander sind – fast wie Geschwister. Zum anderen wurde mir aber immer klarer, dass unser Sohn einfach noch nicht die Kraft und den Überblick hat, zu merken, wann es genug ist und dass er ja auch Zeit mit mir und dem Papa haben möchte, dafür aber auf diese Weise kaum welche übrig bleibt.

Wir haben schon wiederholt den Versuch gemacht, am Wochenende mit den Kids getrennt was zu unternehmen, aber das verlief immer wieder im Sand, vielleicht einfach auch, weil mein Mann und ich nicht auch noch am Wochenende getrennte Wege gehen wollen…

Um eine einfacher umsetzbare Lösung zu generieren, habe ich die „Wünschezeit“ erfunden und Mitte letzter Woche hier eingeführt. Meine Grob-Idee war: „Anstatt zwei Mal im Monat einen halben Tag lieber zwei Mal die Woche eine halbe Stunde allein mit Mama oder Papa sein.“

Bei der Wünschezeit handelt es sich folglich um einen festesetzen Zeitrahmen innerhalb der „Leerlaufdreiviertelstunde“ zwischen Abendessen und Bettgehzeit, in der unsere Kinder früher oft wild und ausgelassen miteinander herumgetobt haben, aber schon müde waren und es so schnell zu Streitigkeiten oder Verletzungen kam.

Jetzt ist diese Zeit zu einem Ritual veredelt worden, das aus diesem verlorenen Zeitfensterchen einen der Tageshöhepunkte gezaubert hat! Und so funktioniert es:

Am Montag und Mittwoch hat der Kurze Wünschezeit, am Dienstag und Donnerstag der Große. Die Maus ist noch außen vor, weil sie als Kleinste sowieso noch viel mit uns Großen spielt.

Die Wünschezeit dauert pi mal Daumen eine halbe Stunde und darf vom Kind mit völlig eigenen Wünschen gefüllt werden – die nur ein paar kleinen Regeln folgen müssen:

  • das Kind sucht sich einen Elterteil aus, mit dem es die Wünschezeit verbringen will (der andere kümmert sich derweil um die anderen Geschwister)
  • es darf frei entscheiden, was in der Wünschezeit miteinander gemacht wird.
  • Verboten sind: Mediennutzung (TV, Computer, Konsolen u.ä.) , Dinge, die (viel) Geld kosten (z.B. Los, geh mir ein teures Spielzeug kaufen!) und Unternehmungen, die einem der Teilnehmer schaden könnten. Alles andere ist nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht.

Inzwischen liegen 4 Wünschezeiten hinter unserem kleinen Mann und das hat er sich gewünscht:

  • mit der Mama in den LEGOShop fahren und vom eigenen Taschengeld ein ersehntes Objekt kaufen
  • mit der Mama Ball spielen
  • mit der Mama Spiele spielen
  • mit der Mama zur Eisdiele fahren und eine Kugel Eis essen

Man kann gut sehen, wessen Anwesenheit ihm am meisten gefehlt hat… 😉 Was mich nicht wundert, da die Maus, wenn wir alle beieinander sind, meistens an mir klebt und mich damit „für sich besetzt“. Den Wunsch mit der Kugel Eis (eine Kugel ab und zu verträgt er zum Glück!)  habe ich ihm übrigens selber „eingeflüstert“, da diese Wünschezeit eine Extra-Belohnungs-Zeit am Freitagabend war, weil er mir aus freien Stücken und sehr fleißig am Nachmittag beim Putzen geholfen hatte. Auch etwas, das es so schon seit mindestens einem Jahr nicht mehr gegeben hatte….

Der Große freute sich natürlich auch über die Option (ich habe sie bewusst beiden Kindern zugeteilt, um unseren Kleinen nicht so „herauszustellen“), aber es fällt ihm gar nicht so viel ein und ab und an nimmt er sie sich auch lieber mit seinem besten Freund, als mit einem von uns – woran deutlich zu erkennen ist, dass er kein Defizit in dieser Richtung hat. Auch das wundert mich nicht, denn er hat ja sowieso jeden Abend ca. 1 1/2 Stunden Zeit mit uns alleine, die wir zwar nicht immer aktiv miteinander verbringen, aber wir spielen schon ab und an mal ein Spiel, das für die Kleinen noch zu schwierig ist oder unterhalten uns gut miteinander. Der schönste Wunsch, den er bis jetzt geäußert hat, war folgender:

  • mit dem Kettcar eine groooße Runde ums Dorf drehen und die Mama ist auf dem Fahrrad dabei

An einem lauen Sommerabend mit dem Großen durch die Natur zu fahren und sich gut zu unterhalten, das hat wirklich großen Spaß gemacht und ich freue mich darüber, dass diese kleine Idee so großartige Momente hervorzaubert!

Die – eigentlich wenige, aber sehr intensive – Zeit, die ich mit unserem Kleinen bisher auf diese Weise verbracht habe, hat nicht nur auf ihn, sondern auch auf mich einen sehr positiven Effekt. Unsere Beziehung ist wieder viel enger geworden, wir teilen nun auch besonders schöne Momente miteinander, der Kontakt beschränkt sich nicht mehr  auf fast ausschließlich Notwendiges wie Essen, Anziehen, Körperpflege oder, noch schlimmer, die Augenblicke, in denen wir im Streit aneinandergeraten, sondern wir kuscheln uns beim Eisessen ohne Anwesenheit anderer Familienmitglieder aneinander, lassen uns gegenseitig probieren, fachsimpeln über Eissorten, lachen ein anderes Mal gemeinsam beim Ballspielen oder freuen uns an einem neuen Spielzeug und er kann mir in völliger Ruhe und ohne Unterbrechungen erzählen, was er darüber denkt. Das ist wunderschön und ich bin erstaunt, was man alles aus einer halben, ganz bewusst erlebten Stunde herausholen kann.

Es ist nicht so, dass ich nicht sonst auch mal mit ihm ein Buch lesen, ein Spiel spielen, etwas basteln oder draußen sein würde. Das tun wir schon. Aber wir sind dabei eigentlich so gut wie nie alleine. Ständig ist die Maus anwesend und macht im positiven Falle mit, im negativen stört und untergräbt sie unser Projekt, weil sie sich langweilt.

Die Maus hat übrigens auch was von der Wünschezeit – und auch mein Mann. Sie gehen nämlich seitdem mit schöner Regelmäßigkeit noch auf den Spielplatz, während ich mit dem Kleinen unterwegs bin. Zwischen sieben und acht ist so gut wie niemand mehr dort, die Luft ist lau, die Sonne brennt nicht mehr. Die Spielgeräte sind frei und sie kann sich noch auf der Schaukel anschubsen lassen, was sie so liebt, klettert x-mal die Leiter hoch und rutscht, bewegt sich viel und wird – Hurra! – müüüüde. 🙂

Der Kurze und ich gesellen uns oft noch dazu, wenn unsere Extrazeit rum ist und diese Viertelstunde genießen wir dann auch alle vier sehr. Dann gehts nach Hause und ins Bad zum Zähneputzen. Das geht natürlich nur bei schönem Wetter und im Sommer. Im Winter wird das anders laufen, aber auch da wird es Wünsche geben und ebenso Alternativen für die anderen Kinder.

Alles in allem kann ich sagen: diese Idee war eine gute und alle profitieren davon! Nachmachen empfohlen! 🙂

Deprimiert….

…fühle ich mich heute. Katzenjammer-mäßig. Irgendwie wird mir gerade mal wieder alles zu viel. Es gibt so viele Baustellen, dass ich nicht weiß, wo ich zuerst anpacken soll. Und alles bleibt halbfertig oder liegt brach.

Drei Dinge plagen mich nebst dem äußerlichen Chaos besonders:

1. Ich werde den Kindern partout nicht allen gerecht

Der Große schreibt heute eine Englischarbeit, von der abhängt, ob er im Zeugnis noch eine 3 oder leider eine 4 bekommt und ich habe viel zu spät angefangen, mit ihm zu lernen, bzw. ihn zum Lernen anzutreiben. Von alleine macht er nicht viel. In vielen Fächern kommt er damit gut klar, aber Englisch ist sein Schwächelfach. Er hat Rechtschreib-Probleme, was ihn in Deutsch schon im Aufsatz immer eine Note kostet, aber im Fach Englisch eben den Kragen kosten kann, denn eine falsch geschriebene Vokabel ist automatisch eine falsche Vokabel, egal ob das Wort gewusst wurde oder nicht. 😦

Der Kurze war gestern mit dem Kindergarten auf einem Ausflug und ich habe es nicht mitbekommen gehabt, weil ich vor lauter Essensdiskussionen mit den Erzieherinnen gar nicht mehr in unser Fach geguckt hatte. So musste der Arme den ganzen Tag mit vier kleinen Schnitzelchen überstehen, die ich ihm als Ersatz für die Gemüsenuggets mitgegeben hatte, die es in der Kita zum Mittagessen gegeben hätte…. 😦 Ich habe ein so schlechtes Gewissen ihm gegenüber! Das wäre mir bei meinem Großen niemals passiert! Obwohl ich arbeiten gegangen bin. Aber jetzt mit den Dreien…. zur Zeit entgleitet mir mal wieder alles!

Das zweite, was mich plagt: 

Irgendwie geht alles so schnell vorbei. Bestürzt wurde mir klar, dass der Kurze nun bald sein letztes Kindergartenjahr beginnt, er aber in den letzten beiden Jahren nie so richtig zur Ruhe gefunden hat und angekommen ist. Ich konnte mich viel zu wenig einsetzen und in der Kita geht alles drunter und drüber, seit es die ständigen Erzieherwechsel gibt bzw. viel zu wenige da sind.

So geht es mir mit vielen Dingen, insbesondere auch mit mir und meinen eigenen Bedürfnissen und auch denen unserer Beziehung. Alles kommt zu kurz, die Tage gehen in Stress, Hektik und teils miesester Stimmung rum und sind dann einfach vergangen. Vorbei. Aus. Weg. Für immer. Wann soll es denn endlich mal wieder besser werden? Wird es jemals besser? Ist nicht jeder Tag, der unterm Strich ein „blöd gelaufener“ war, ein verlorener Tag? Ist das die Midlife Crisis? Meine Midlife Crisis?

Dann kommt noch etwas Drittes dazu, das mich zur Zeit sehr belastet: 

Im Moment sind die Kinder sehr fordernd.

Der Große „präpubertiert“ und will alles ausdiskutieren, stellt alles in Frage, hört nicht, hat seinen eigenen Kopf, egal ob ihm das schadet oder nicht. Bei Gegenwind wird mit großer Ausdauer getobt, geschrieen, gejammert und gezetert, was das Zeug hält.

Der Kurze ist einfach der Kurze. Er war immer schon fordernd und schnell in Rage zu bringen. Mit ihm ist vieles Kampf. Er liebt den Kampf in jeglicher Ausprägung so sehr, dass sein großer Bruder neulich schon zu ihm sagte, er solle doch später mal Soldat werden. Ich werde ihn im September im Judo anmelden, um das Ganze vielleicht in positivere Bahnen zu lenken.  Aber es schlaucht mich einfach. Ich bin überhaupt keine Kämpferin. Es strengt so an, täglich Kämpfe ausfechten zu müssen, obwohl man es überhaupt nicht will.

Die Maus ist knapp zwei. Und (noch) zu Hause. Mehr muss ich dazu nicht sagen, wer Kinder hat, weiß, was das bedeutet. Und die Dickschädelphase ist auch schon heftig im Anmarsch.

Unterm Strich ergibt sich dann für mich folgendes Bild: Mit drei Kindern ständig im Chlinch liegen, das schlaucht extrem. Und es drängt mich auch in eine Rolle, in der ich nicht sein will, die mir aufgedrückt wird. Ich will nicht dauernd schimpfen müssen, mit Konsequenzen drohen müssen, zwingen müssen, laut werden müssen, weil sonst die Ohren auf Durchzug sind.

Gelassen bleiben fällt mir häufig schwer, einfach weil die Batterien so schwach sind und weil ja immer schon das / der nächste in der Warteschleife hängt. Liebe austeilen, das kann ich gut, das tu‘ ich zu Hauf und sehr gerne. Aber das hilft halt auch nicht bei Meinungsverschiedenheiten…

Ich will das nicht! Und ich weiß grad nicht raus. Hat jemand eine Idee?

Essen im Urlaub – „all inclusive“, auch die Nebenwirkungen :(

Seit ein paar Tagen treibt mich eine Frage um, die unseren nahenden Urlaub betrifft. Wir haben Anfang des Jahres eine Woche Kinderhotel mit „all inclusive“-Verpflegung gebucht, ohne groß drüber nachzudenken. Als wir das letzte Mal in so einem Hotel waren, gab es die Maus noch nicht und der Kurze konnte noch alles essen. Der Große hatte zwar seine Farbstoff-Unveträglichkeit, aber ihn von den regenbogenfarbigen Limonaden wegzuhalten, war eigentlich kein größeres Problem.

Nun sieht aber alles anders aus:

1. Die Maus

Weizenunverträglicheit. Und zwar so richtig. Kleinste Mengen, z.B. in einer Soße, reichen aus, um ihre Haut rauh und juckig zu machen. Sie beginnt dann, zu kratzen und nach kurzer Zeit ist alles von blutigen Kratzspuren übersät und sie ist extrem jammerig und schläft schlecht. Kein Wunder, wenn einen alles juckt!

2. Der Kurze

Fruktoseintoleranz. Und zwar zur Zeit sehr akut, weil er im Kindergarten ohne mein Wissen viel zu viel Obst gegessen hat. Was faktisch bedeutet, dass ich ihn ernährungstechnisch für ca. 4-6 Wochen komplett von Fruktose runterfahren muss, um die Bauch- und Kopfschmerzen, die er zur Zeit quasi ständig hat, sowie die ebenfalls daraus resultierenden starken Stimmungsschwankungen wieder wegzubekommen.

Und das ist sehr einschränkend. Es ist nicht nur mit Obst weglassen getan, nein auch fast kein Gemüse geht, kein Vollkorn, kein Roggen, keine Gerste, kein Soja, kein Haushaltszucker, Honig, Marmelade, folglich auch kein Keks, kein Stück Kuchen, kein Eis, absolut nichts Süßes, das es im Allgemeinen auf „all inclusive-Buffets“ so gibt.

3. Der Große

Die unkomplizierteste Person hier im Haus. Er muss nur künstliche Farbstoffe und Kohlensäure meiden. Das ist übersichtlich und wenig problematisch. Außerdem war er immer schon ein sehr kooperatives Kind.

4. Ich

Weizenunverträglichkeit. Aber nicht soo wild. Ich bekomm ne unreine, fleckige Haut davon und Blähungen. Das wars. Ob ich mir das gebe oder nicht, kann ich spontan entscheiden.

Absolut keinen Zuckerkonsum. Und zwar auch kaum Obst. Denn ich streife am Diabetes entlang und wenn ich vermeiden will, dass das so richtig ausbricht, muss ich mich wirklich daran halten. Wenn ich sündige, straft mich mein Körper mit einem hohen Blutzuckerspiegel, der mich extrem müde und schlapp werden lässt.

5. Der Göttergatte

Aus gesundheitlichen Gründen kein Zucker. Es passiert nicht viel, wenn er sündig, außer dass er zunimmt und folglich schlechte Laune bekommt. 😉 Aber er ist seit Monaten wahnsinnig standhaft und hat kein Fitzelchen Süßes zu sich genommen, was ich sehr beeindruckend finde. Er sitzt stoisch an einer Kaffeetafel und guckt den anderen beim Kuchenessen zu. Sehr cool! Ich bin so stolz auf ihn!

 

So sieht das also aus. Am schlimmsten hat es definitiv den Kurzen getroffen. Und ausgerechnet er ist auch der, dem solche Dinge am schwersten fallen. Er liebt Süßes und er hasst Einschränkungen aller Art.

Und ich sehe uns also dort vor diesen Riesenbuffets stehen und Dreiviertel der Nahrungsmittel gehen für irgendeinen am Tisch nicht. Ich fürchte Heularien vom Kurzen und von der Maus, wenn Dinge am Tisch gegessen werden, die sie nicht dürfen. Wir können aber auch nicht verlangen, dass alle nur noch essen, was für alle geht, denn dann bleibt nicht mehr viel übrig.

Was ich mir schon komplett abgeschminkt habe, ist die Teilnahme an der „Nachmittagsjause“. Den Anblick all der Kuchen und Torten kann ich mir sparen, da außer dem Großen sowieso keiner davon essen darf. Der kann ja zum Glück schon alleine hingehen und es sich gut gehen lassen… 😉

Und weiterhin? Ich werde wohl die Küche vorwarnen müssen, vor allem für die Abendgerichte und vor allem wegen der Weizengeschichte. In Hauptgerichten ist per se nicht viel Zucker enthalten, deshalb bedeuten sie für meinen Mann und mich kein Problem, und für den Kurzen können wir die Dinge aussuchen, die gehen.

Außerdem habe ich mir überlegt, ob ich die Kinder irgendwie anderweitig belohnen kann, wenn sie auf ihre Unverträglichkeiten achten und nicht rumtoben, weil es eben kein Eis gibt. Mit Bonuspunkten, für die sie sich am Ende vom Urlaub was aussuchen dürfen oder so.

Und wir werden natürlich auch eigene Nahrungsmittel mitnehmen. Süßigkeiten, die der Kurze essen darf (alles nur mit Traubenzucker Gesüßte geht), Getränke, die er verträgt. Kekse aus Dinkel für die Maus. Stevia zum Süßen, denn das vertragen zum Glück alle!

Trotzdem habe ich Bauchgrummeln bezüglich des Urlaubs. Es ist so schade, dass man nicht einfach unbeschwert drauflos essen kann, einfach Spaß haben und genießen. Hätten wir das vor ein paar Monaten schon gewusst bzw. uns bewusster gemacht, hätten wir wohl einen anderen Urlaub gebucht. Einen mit Selbstverpflegung…. denn ich bin mir noch nicht sicher, was stressiger ist – selber kochen (zur Zeit sehr aufwändig und mit viel Sonderregeln verbunden) oder Spießrutenlaufen im Pradies der verbotenen Dinge….

Wenn jemand noch eine gute Idee hat, wie wir diese Woche einigermaßen ungestresst durchstehen können, dann immer her damit! Ich bin für jeden Gedankenanstoß dankbar!

 

 

Fragwürdige Methoden

Stell dir vor, du kommst aus dem Urlaub nach Hause und jemand hat alle deine persönlichen Dinge weggeräumt und die Möbel umgestellt.

So ungefähr müssen sich die Kinder in unserer Kita vorkommen, wenn sie nach den großen Ferien wieder in ihre Gruppenräume kommen. Aus „pädagogischen Gründen“ (würg!) wird jeden Sommer alles komplett leer- und umgeräumt. Alle gemalten Bilder, alles Deko-Schnickeldi und viele Spielsachen sind einfach weg. In unserer Gruppe beispielsweise war vor kurzem noch die Bastelecke und jetzt ist da plötzlich die Puppenecke.

Ich finde das sowas von unnötig und Sch…e. Also echt mal.

Stilfindung

Unser Großer ist ja immer schon „ein wenig anders drauf“ als die meisten anderen Jungs: Er trägt langes Haar, liebt Pink und andere knallige Farben, trägt gerne Schmuck, mag alles, was glitzert und findet sowieso, dass „Mädchenklamotten viel schöner sind, als die langweiligen Jungensachen!“ Und vor allem steht er dazu, ist überzeugt davon und lässt sich auch nicht durch blöde Kommentare von anderen davon abbringen. Das finde ich wirklich klasse! Er propagierte schon in der ersten Klasse den Spruch: Jeder darf die Lieblingsfarben haben, die ihm gefallen! Es gibt keine Jungen- oder Mädchenfarben!“ und trug dadurch sicher auch zu einer toleranteren Einstellung seiner Klassenkameraden bei.

Des öfteren habe ich mir schon mal Gedanken über diese Dinge gemacht –  nicht im Sinne von „ich hab mir Sorgen gemacht“, sondern einfach im Sinne von „ich beschäftige mich mit den Bedürfnissen meiner Kinder“. Ich kam eigentlich immer zu dem Schluss, dass er trotz all dieser Dinge gerne ein Junge ist und dies auch sein will. Also dass er, deutlich ausgedrückt, nicht transsexuell veranlagt ist. Denn das hätte für mich bedeutet, dass ich noch wesentlich mehr für ihn hätte tun wollen, als ihn schlichtweg bei einer Art „Stilfindung“ zu unterstützen.

Also habe ich ihn neulich mal geradeheraus danach gefragt. Er meinte genau dasselbe: dass er gerne ein Junge sei, dass er aber viele Mädchensachen toller fände als die Jungssachen. Weniger Spielzeug und so, als eben das „optische“, das Design. Also haben wir uns daraufhin öfters über Klamotten unterhalten und ich habe ihm klar gemacht, dass es auch noch ein Modeuniversum jenseits der Doppelbuchstabenketten gibt, denn irgendwie genügen ihm die pinkfarbenen Shirts, die es dort zu finden gibt, nicht mehr. Ich sagte ihm, dass ich mir sicher bin, dass er auch „Jungenklamotten“ finden kann, die seinem Geschmack mehr gerecht werden und versprach ihm, mal ein paar Fotos aus dem Internet rauszusuchen, die ihm das auch illustrieren können. Während dieses Gesprächs waren wir gerade auf dem Weg in die nächstgelegene Shopping-Mall, um dem wieder mal gewachsenen Kerl neue Unterhosen zu besorgen, da die alten schon kneifen. Und wie wir da so langlaufen, kommen wir an einem Shop vorbei, der erst vor ca. einem halben Jahr eröffnet hat und den ich bisher immer nur so aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte.

Hey, sagte ich, sensibilisiert für die Farben und Muster des Großen, DAS ist DEIN Laden! Er guckte und rief: Wow, Mama, da will ich rein! Können wir mal rein? Bitte!!!

Gesagt, getan. Und natürlich kamen wir nicht ohne Tüte wieder raus. Er ist inzwischen so groß, dass ihm schon Herren-T-Shirts in S passen, und er fand ein Shirt, das ihm so gefiel und das so sehr seinen Wünschen entsprach, dass ich nicht Nein sagen konnte, obwohl es wahnsinnige 60 Euro kostete. Irgendwie fand ich, er brauchte eine Bestätigung, dass er 1. seinen Stil leben darf, 2. es seinen Stil auch wirklich gibt und 3. wir seine Bedürfnisse diesbezüglich auch ernst nehmen.

In der Kinderabteilung guckten wir uns auch um, aber die Kinderklamotten waren lustigerweise nicht so konsequent bunt und wild gemustert, wie die der Erwachsenen. D.h. doch, die Mädchenkleidung schon, aber die Sachen für Jungs waren wieder mal Blau, Orange, Oliv und Weiß. Seufz. Aber egal. Er ist groß genug für die „richtigen“ Teile. Und somit m.E. auch weit genug, sie zu tragen und zu schätzen.

Er ist völlig happy mit dem Shirt, ich musste es sofort waschen und seitdem hat er es an. Das freut mich so! Und ich hab mich auch schon im Netz umgeguckt, es gibt auch andere Alternativen, die nicht ganz so kostenintensiv sind. Und ich habe vor, jetzt im Sommer mal mit den Jungs Shirts bunt zu batiken. Das gefällt ihm sicher auch, dem kleinen Künstler! 🙂

Ich bin schon so gespannt darauf, wie er sich in den nächsten Jahren entwickeln wird! Was wird er tragen? Welche Musik wird er hören? Welche Wertvorstellungen wird er entwickeln? – Im Moment ist er sehr tier-, menschen- und umweltfreundlich eingestellt. Ich denke, das wird auch so bleiben, sich nur weiter ausdifferenzieren und er wird sich vielleicht entsprechend engagieren.

Es ist so spannend, Kinder zu haben! So spannend, sie aufwachsen zu sehen. So spannend, sie zu begleiten, sie zu unterstützen, sie zu fordern, ihnen Dinge zu zeigen, beizubringen, zu erklären. Und unser Großer steuert auf einen neuen Lebensabschnitt zu – die Pubertät. Mit allem Drum und Dran. Auch mit universeller Faulheit, partieller Taubheit, Starrköpfigkeit und Mimosentum. Ach, ich bin so stolz auf ihn! Ich sehe ihn liebend an, ich liebe alles an ihm, auch wenn er mich auf die Palme bringt! Denn ich weiß, das muss so, das gehört so, das macht ihn zum eigenständigen Menschen. Das ist gut so. Und ich bin dabei. Mit ganzem Herzen.