Von Schein und Sein

Geht es Euch auch so? Wenn ich an der Supermarktkasse stehe, guck ich mir immer zum Zeitvertreib an, was die anderen Kunden so aufs Band legen. Dann stelle ich meine persönlichen Theorien über Familienstand und Essgewohnheiten der betreffenden Person auf. Völlig wertfrei, versteht sich.

Denn wie falsch man dabei liegen kann, wird mir selber immer wieder klar, wenn ich, wie heute Abend, wohl ein ziemlich krudes Bild abgebe:

Da stehe ich also in der Schlange vorm Band – nicht gerade stylish, eher wie „alles schnell mal übergeworfen“ (was heute auch stimmt), deutlich übergewichtig, nicht mehr die Jüngste. Und auf dem Band habe ich folgendes:

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Coke (nein, nicht light), NoName-Chips, sechs Brezeln, 1 kg Naturjoghurt, Erdbeerfrischkäse

Ein Fremder hätte sich womöglich gedacht:“Naja, nicht gerade ein vollwertiges Abendessen, kein Wunder, dass sie so dick ist!“ Dabei ist ja alles gaaanz anders.

Der Einkauf setzte sich folgendermaßen zusammen: Coke (gibts bei uns sonst nie) und Brezeln für meinen Magen-Darm-kranken Mann, Chips auf Wunsch für unseren ständig auf Hochtouren laufenden spindeldürren Teenager, Erdbeerfrischkäse für meine zwei fructosekranken Kleinkinder, die sich sooo freuen, wenn mal was nach Erdbeere schmeckt, aber nicht viel Erdbeere drin ist. Und ein Kilo Joghurt für den allgemeinen Verbrauch (Müslis, selbergemachte Joghurt-Quarkspeisen etc…)

So viel zu Schein und Sein… 😉

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Mein Standpunkt #3: Für mehr Toleranz

Vorurteile gegen Fremde(s) – wer will sich sowas schon gerne vorwerfen lassen? Kaum einer unter uns würde wohl von sich behaupten bzw. offen zugeben, fremdenfeindlich zu denken.

Und doch gibt es so viel Ablehnung, so viel Misstrauen, so viel regelrechten Hass gegen Fremdes im Netz, dass es einen schaudert. Wenn man die Kommentare zu diesem oder auch zu diesem Artikel liest, schlägt einem blanke Wut und Abfälligkeit erster Güte entgegen. Und das, obwohl schätzungsweise mindestens 90% der Gegner (hier von Osteopathie und von Montessoripädagogik) überhaupt keine Ahnung vom Thema haben, noch nie in Kontakt damit gekommen sind und sich somit keinerlei fundierte persönliche Meinung bilden konnten.

Und jetzt sage mal einer, das seien keine Vor-Urteile. Das ist m.E. Misstrauen gegen Fremdes übelster Sorte. Und kaum schreit einer „Nieder mit dem Schund!“, stimmen gleich zehn andere mit ein, holen ihre verbale Mistgabel raus und laufen Sturm gegen die Befürworter (Übrigens allesamt Leute mit persönlichen Erfahrungen zum Thema).

Kein Problem habe ich selbstverständlich damit, wenn jemand von einer Sache nichts hält, weil er selber schlechte Erfahrungen damit gemacht hat oder andere glaubwürdige Quellen kennt, die selbiges bestätigen. Kritik ist wichtig und wünschenswert, so lange sie begründet werden kann. Denn dann, und nur dann wird echte Diskussion möglich.

Die oben erwähnten vorurteilsbelasteten und unbegründeten Aussagen jedoch finde ich höchst bedenklich, vor allem, wenn man weiß, dass da auch durchaus Leute drunter sind, die objektiv als „gebildet“ gelten, weil sie z.B. erfolgreich ein Hochschulstudium absolviert haben.

Gerade hier in Deutschland, wo seit 50 Jahren angeblich alles dafür getan wird, die Menschen zu toleranten, global denkenden Individuen heranzuziehen, sind die Hetze gegen das Unbekannte oder das Neue, das „Sich Echauffieren“ über alles und jedes, egal ob man davon irgend einen Schimmer hat oder nicht, für mein Dafürhalten schlimmer denn je zuvor.

Es ist mir unbehaglich, wenn ich das mitansehen muss. Es mutet mich mittelalterlich an, ich denke da an Scheiterhaufen und Inquisition. Wo kommen wir noch hin, wenn weiterhin fröhlich drauflosge“basht“ wird, was das Zeug hält? Diese Negativität tut uns allen nicht gut. Sie verhindert echte Auseinandersetzung, echte Diskussion, echten Wissenszuwachs. Und echten Kontakt.

Mein Standpunkt #2: Oh. Mein. Gott.

Ich bin gerade echt fassungslos. Das müsst ihr Euch ansehen, bzw. durchlesen. Wie oberflächlich und klischeehaft ist das denn? Und welche Eltern geben ihr Kind freiwillig in solch eine Pseudo-Schönheits-Gleichmach-Maschinerie? Es schaudert mich. Immer noch.

Nett ist allerdings, dass es sogar der Autorin des Artikels unbegreiflich ist: „Das glaubt sie offenbar wirklich.“ 😉

Fruktose-Intoleranz: Krankheit oder Wohlstands-Symptom?

Fruktose ist sogenannter „Fruchtzucker“. Er ist in Obst enthalten, aber auch in vielen Gemüsen, in Nüssen und Getreiden und selbstverständlich auch in Haushaltszucker, der aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt wird und deshalb zu 50% aus Fruktose besteht.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie die Fruktoseintoleranz haben in der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen.

Meine ganz persönliche Meinung dazu ist folgende:

Ich glaube nicht, dass der menschliche Dünndarm auf einmal defizitär ist, weil er die Mengen an Fruchtzucker, mit der der moderne westliche Mensch ihn überflutet, nicht mehr verarbeiten kann, sondern dass wir uns einfach viel zu zuckerlastig ernähren:

Zum einen werden Obstsorten immer weiter hochgezüchtet. Größer, süßer. Wilde Obstsorten haben einen wesentlich geringeren Zuckergehalt und sind meist viel kleiner. Bekanntes Beispiel: Walderdbeeren  sammeln und essen, das dauert. Und ich glaube nicht, dass man mal so eben in einer Viertelstunde 500g davon verdrücken kann, wie man es mit den Kulturerdbeeren gerne tut. Und auf die man häufig noch zusätzlichen Zucker draufstreut!

Säfte werden von vielen Menschen täglich konsumiert. Ein Liter Apfelsaft wird aus knapp 2 kg Äpfeln hergestellt. 500ml davon sind z.B. als Schorle schnell vertilgt. Aber wer würde schon 1kg Äpfel am Tag essen?

Dazu kommen die vielen Süßigkeiten, süßen Limonaden, Kuchen Kekse.

Und die versteckten Zuckermengen. Zucker steckt in Salatsoßen, in Wurst, in Cerealien und vielem mehr.

Was in der Konsequenz bedeutet, dass früher in den Jäger- und Sammlerkulturen deutlich weniger Fruchtzucker zu sich genommen wurde, als heute.

Und genau deshalb meine ich, dass Fruktoseunverträglichkeit keine Krankheit ist sondern nur ein Symptom, mit dem unser Körper um Hilfe schreit.

Im Endeffekt bin ich ganz froh drum, dass ich wegen Diabetesgefahr und die Kinder wegen der Fruktoseprobleme auf die Menge unseres Zuckerkonsums aufpassen müssen. Zucker macht krank und laut neuesten Erkenntnissen auch noch träge und dumm.

Schade, dass er so allgegenwärtig ist. Dabei geht es so einfach ohne.

Ich habe heute sehr leckere Heidelbeermuffins ohne Zucker gebacken. Gesüßt sind sie mit Stevia. Stevia passiert den Darm, ohne wirklich in nennenswerten Mengen vom Körper aufgenommen zu werden.

Und an das Fehlen eines Marmeladen- oder Honigbrots zum Frühstück habe ich mich schon so sehr gewöhnt, dass es mir nur noch ganz selten fehlt. Ich nasche gerne eine Hand voll Nüsse. Oder etwas Naturjoghurt.

Es ist wirklich kein Verlust. Das stelle ich immer wieder fest.

Eine schwierige Frage

Schräg gegenüber von uns wohnt eine türkische Familie. Drei Generationen in einem großen Haus, Großeltern, Kinder, Enkelkinder. Sie sind alle sehr nett, offen, hilfsbereit. Die Frauen tragen keine Kopftücher.  Sie sind sicher Muslime. So weit, so gut. Alles kein Problem. Nachbarn von der netten Sorte.

Bis auf eines. Ihr Ruhetag ist der Samstag, unserer hier in Deutschland, wie jeder weiß, der Sonntag. Und so werden wir Woche für Woche sonntags beschallt. Mit Schleifmaschinen für die Gartenmöbel, dem Rasenmäher und allerlei anderen elektrischen Gerätschaften im und ums Haus.

Ich habe noch nie was gesagt deswegen. Trotzdem stört es mich immer wieder. Und jedes Mal frage ich mich, wie ich mich verhalten würde in einem Land, in dem der Samstag der Ruhetag ist. Ich glaube nicht, dass ich mich über die örtlichen Gepflogenheiten hinwegsetzen würde.

Und trotzdem weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Eben weil sonst alles wunderbar ist.