Übertrieben oder nicht?

Gestern entspann sich zwischen einem Freund und mir auf facebook eine Diskussion über das Fotoprojekt „Nu“, bei dem Frauen nackt und nur wenig zurechtgemacht in ihren eigenen vier Wänden gezeigt werden. Es soll das Frauenbild, das auf gefotoshopte, idealisierte Körper fixiert ist, geraderücken.

Zum Projekt selber wurde auch diskutiert, was aber viel mehr ausartete, war ein Schlagabtausch zwischen mir und ihm bezüglich eines Wortes, das er benutzt hatte, um eines der Fotos zu beschreiben.

Auf dem Foto ist eine etwas mollige Frau abgelichtet, die im Schneidersitz auf dem Boden vor der Wand sitzt und er beschrieb sie mit dem Begriff „feist“.

Eigentlich wollte ich ihn nur kurz drauf hinweisen, dass „feist“ ein negativ konnotiertes Wort ist, aber das ganze endete in einer Riesendiskussion mit dem Fazit, dass er der Meinung ist, wenn er etwas nicht negativ meint, dann sei es auch nicht negativ, dann sei es das Problem der anderen, wenn sie darauf empfindlich reagieren würden. Und er würde sich auch nicht von einem Lexikon vorschreiben lassen, was er zu sagen hat oder nicht.

Ich hingegen bin der Meinung, dass man Wörter, die im allgemeinen Sprachgebrauch negativ konnotiert sind (wie z.B. „feist“ –> Wiktionary: abwertend dick/prall ≈ fett), in Rücksichtnahme auf andere Menschen nicht verwenden sollte, noch dazu, wenn man es schon gar nicht nicht abwertend meint und wenn es, wie in diesem Falle, genügend andere Begriffe gibt (z.B. mollig, üppig, kurvig…), die neutral belegt sind und somit durchaus alternativ zur Verfügung stehen. Immerhin schreibt einem ein Lexikon ja auch nicht vor, was man zu sagen hat, sondern es bildet einfach den allgemeinen Sprachgebrauch und die allgemein gültigen Wortbedeutungen ab – was in diesem speziellen Falle bedeutet, dass das Gros der Bevölkerung „feist“ als abwertenden Begriff empfinden wird, wenn ich ihn ausspreche.

Das hört ja auch bei „feist“ nicht auf. Es gibt noch eine Menge anderer negativ konnotierter Wörter. Ich nenne das Kind meiner Nachbarin auch nicht „Balg“, den dunkelhäutigen Erzieher in unserer Kita nicht „Neger“ und das Haustier meiner Mutter nicht „Köter“ – vor allem dann nicht, wenn ich gar keine negative Bedeutung hineinlegen will!

Mein Freund hatte aber null Verständnis für meine Meinung. Sein Standpunkt: Er meint es, wie er es meint, und die anderen sind selber schuld, wenn sie das stört. Punkt.

Harter Tobak, meinem Empfinden nach.

Ich merke, dass mir die Diskussion im Magen liegt und wollte mir von Euch gerne eine Rückmeldung holen, wie ihr den Fall seht. Locker umgehen mit solchen Wörtern oder vermeiden? Es geht ja auch ein wenig in die Richtung der Diskussion über die Bereinigung von Kinderbuchklassikern vor ca. einem halben Jahr, der auch ich mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe. Aber vielleicht nur deshalb, weil es dort um Worte wie „Negerkönig“ ging, die mich selber nicht betreffen? „Feist“ wiederum sticht mir in der Seele. Ich bin selber übergewichtig und möchte nicht, dass andere Menschen mich aus diesem Grund als „feist“ bezeichnen…

Wie auch immer.

Was meint ihr?

Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt,..

…wie öde ich diese doofen Gewinnspiele auf manchen Blogs finde, bei denen es doch letztendlich nur darum geht, die Blog-URL in möglichst vielen Ecken des Netzes zu verbreiten?!

„Du kannst mitmachen, wenn du…. meine Seite auf dem Gesichtsbuch likest / einen Link auf deinem Blog postest… blablabla…“

Als ob es im Leben darauf ankäme, wieviele Leute ein Blog lesen.

Versteht mich nicht falsch, ich freu mich über jeden und jede, die hier mitliest und noch viel mehr über jeden noch so kleinen Kommentar. Trotzdem würde ich niemals meine Seele verkaufen, nur damit es ein paar mehr werden.

Und ich les‘ diese anderen Blogs übrigens trotzdem. Nur bei so einem Gewinnspiel, da würde ich nie mitmachen.

Bei mir könnt ihr ein Lächeln gewinnen… oder auch mal einen lauten Lacher. Oder einen interessanten Gedanken. Einfach nur so, ohne Bedingungen. 😉

Dankbarkeit

Heute ist so ein Tag, da fühle ich mich rundum wohl und glücklich. Und sehr, sehr dankbar dafür, was ich habe. Nicht dass hier alles perfekt wäre – die Maus ist immer noch angeschlagen, entsprechend sieht es hier aus, ich kam nicht zum Putzen und auch nur sehr bedingt zum Aufräumen.

Aber was ist das schon? Ich habe einen wachen Geist, zwei Beine zum Laufen, zwei Hände zum Anpacken, zwei Augen zum Sehen und das Herz am rechten Fleck. Ich habe drei Kinder und einen Mann, die all diese Gaben ebenfalls besitzen. Ich habe ein warmes Zuhause, immer genug zu Essen und ein paar wirklich gute Freunde.

Das Leben ist wunderbar!

Im Alltag vergisst man das nur leider so oft. Da plagt man sich mit Fragen wie „Passt diese Strumpfhosenfarbe zu meiner Beinform?“,  „Soll ich nun Karotten oder Rosenkohl zum Weihnachtsbraten machen?“ oder „Oh Gott, schon zehn nach acht und die Kinder sind immer noch wach…, was mach ich nur morgen früh, wenn sie nicht aufstehen wollen?“

Dabei ist das alles so unwichtig, banal und meistens recht einfach zu lösen. Oft sind es sogar Probleme, die man sich selber generiert, die gar nicht sein müssten.

Im Netz begegnen mir immer wieder Menschen, die unreflektiert betrachtet viel, viel weniger Glück im Leben hatten als ich. So zum Beispiel Stephanie Nielson oder Nick Vuijcic. Und trotzdem sind sie unglaublich positiv, sehen auch die kleinen Dinge und messen dem täglichen „Gegenwind“ nicht mehr Gewicht zu, als ihm wirklich gebührt. Und ich frage mich sogar, ob sie nicht unterm Strich oft glücklicher sind als ich, einfach weil sie ihren Blick viel durchgängiger als ich darauf richten.

Deshalb versuche ich regelmäßig, kurz innezuhalten und mir ganz bewusst zu machen, wie gut eigentlich mein eigenes Leben läuft, wie viel Schönes, Bemerkenswertes und Wunderbares um mich ist, wie banal so manche Sorge wirkt, wenn man sich klar macht, was wirklich wichtig ist.

Haltet inne, umarmt Euer Leben und spürt die Dankbarkeit für all das, was es ausmacht. Und dann widmet Euch dem täglichen Kleinkram mit dem emotionalen Einsatz, den er verdient hat – mit viel, viel Gelassenheit und ’ner guten Prise Humor!

Eine schönes zweites Adventswochenende wünsche ich Euch!

Bewertungs-Hacking?

Gestern Abend kam ich mehr oder weniger durch Zufall auf die Seite, die bei amazon die bereits von mir bewerteten Artikel anzeigt. Und was musste ich da sehen?

Eine definitiv nicht von mir geschriebene positive Bewertung eines fragwürdigen Kriegsspielzeuges!

Ich bin völlig platt! Wie geht das denn? Werde mich gleich mal dahinterhängen und mich bei amazon beschweren. Guckt mal lieber auch bei Euch nach, ob da alles korrekt ist, falls ihr ein amazon-Konto habt.

Ins Netz gegangen #2 – To Do’s, so weit das Auge reicht

„Ich kann nur sagen, seit ich Kinder habe, ist mein Leben eine To-Do-Liste, die abgearbeitet werden muss.“

Ein sehr erheiternder und wahrer Artikel übers Mutterdasein von Frau Mutter.

Und ich mach jetzt mal die Augen zu! Wie schön! Kein Staub, keine Spielzeugberge, kein Wäschekorb…

Ins Netz gegangen #1 – Das Feuchte und das Schmutzige

Eine neue Artikel-Reihe, in der ich in meinen Augen interessante Fundstücke aus dem Netz vorstellen möchte. Heute:

Ein interessanter Artikel über ein sicher nicht weniger interessantes Buch:

Hans-Martin Gauger: Das Feuchte und das Schmutzige. Kleine Linguistik der vulgären Sprache. Verlag C.H. Beck, München 2012. 283 S., 16,95 Euro.

Für Linguistik, also die Wissenschaft der menschlichen Sprache, habe ich mich schon immer begeistern können. Ich bin nicht umsonst Deutschlehrerin. 😉 Und wer mich ein wenig besser kennt, weiß, dass ich einen Hang zum Absurden, Grotesken habe. Da kommt mir diese Veröffentlichung eines Linguisten zum Thema Schimpfwörter gerade recht.

Wer genaueres wissen möchte, der lese den oben verlinkten Artikel.